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Das geplante Biosphärenreservat Südharz in Zahlen

Naturraum, geographische Lage:
Am Südrand des Harzes in den Bundesländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gelegen, umfaßt Teile der südlichen Harzabdachung, als zentralen Teil den Zechstein-Ausstrich mit den typischen Karst-Erscheinungen und am Südrand Buntsandsteinüberdeckungen des Zechsteins mit Tiefenkarst.

Gesamtfläche: 63 400 Hektar

Siedlungsstruktur:
Vorwiegend ländlich geprägter Raum mit kleinen Gemeinden unter 1 500 Einwohnern. Regional - von Ost nach West zunehmende - Tendenz zur städtischen Verdichtung (Niedersachswerfen, Ellrich, Bad Lauterberg, Herzberg, Osterode). Insgesamt circa 100.000 Einwohner.

Tier- und Pflanzenarten:
Wildkatze, zahlreiche Fledermausarten, Heidelerche, Uhu, Schlingnatter, Feuersalamander, Fadenmolch, Geburtshelferkröte; artenreiche Schmetterlings- und Solitärbienenzönosen. Gipskraut, Brillenschötchen, Adonisröschen, Nadelröschen, Berg-Gamander, Graslilien, Orchideen.

Natürliche Lebensräume: Bodensaure, mesophile und Kalk-Buchenwälder, Schluchtwälder, wärmeliebende Laubmischwälder, Halbtrocken-, Trocken- und Steppenrasen sowie Felsfluren. In Karsthohlformen Stillgewässer sowie An- und Niedermoore. Fließgewässersystem mit zahlreichen Bachversinkungen, -schwinden und Quellen. Höhlen.

Zonierungsvorschlag:
Zone I (Kernzone):
2518 Hektar (= 4,0 Prozent)
Zone II (Pflege- oder Pufferzone):
12073 Hektar (= 19,0 Prozent)
Zone III (Entwicklungszone):
48805 Hektar (= 77,0 Prozent)

Belastungen und Probleme:
Intensiver Abbau von Naturgips, besonders auch in zukünftigen Kern- und Pflegezonen; örtlich hohe Belastung durch Pendel- und Schwerlastverkehr; intensive Landwirtschaft in den Randbereichen.

Information:
Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz e.V. (GFB), Auf dem Hagen 38, 37079 Göttingen, Tel./Fax (05 51) 6 87 96.

zu sichern und zu entwickeln, muß die Entwicklung dieser Region den Prinzipien einer "nachhaltigen Entwicklung" gemäß der "Agenda 21" verpflichtet sein.

Ziel sollte es sein, das Biosphärenreservat bis zum Jahr 2000 einzurichten und die Anerkennung durch die UNESCO zu beantragen. Zur administrativen Umsetzung der Planungen für das Biosphärenreservat muß vor Ort jeweils eine den zuständigen Ministerien der Länder direkt unterstellte Aufbauleitung geschaffen werden. Zwischen den Ländern muß ein abgestimmtes Konzept für die Entwicklung der Gesamtlandschaft erarbeitet werden. Gleichzeitig müssen Koordinations- und Beratungsstellen gebildet werden, die in Kooperation mit Kommunen, Trägern der Regionalplanung, gesellschaftlich relevanten Gruppen und Initiativen innovative Konzepte und deren Umsetzung in der Region vorbereiten. Diese Stellen sollen zum Beispiel als Innovationszentren, Ideenbörsen und Zukunftswerkstätten eingerichtet werden. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Förderung von Wissenstransfer und innovativen Projekten sowie die Koordinierung privater Initiativen. Aufbauleitung und Beratungsstellen sollen eng miteinander zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.

Bisher ist das touristische Potential der Region bei weitem nicht ausgeschöpft und bietet damit die Chance zur Schaffung zahlreicher neuer Arbeitsplätze. Dies soll durch koordiniertes Marketing, Verbesserung der touristischen Infrastruktur sowie Ausbau der regionaltypischen Gastronomie und Beherbergung gefördert werden.

Das Problem Rohstoffabbau

Zusätzlich zu den drei skizzierten Zonen wäre die Einrichtung von Regenerationszonen sinnvoll. Diese müßten die Großsteinbrüche umfassen, in denen vorwiegend Gips und Anhydrit abgebaut werden. Gips ist ein sehr begehrter Rohstoff, der in Massenbauprodukten wie zum Beispiel Estriche, Putze und Gipskartonplatten in Mengen von mehreren Millionen Tonnen pro Jahr Verwendung findet. Die für den natürlich gewachsenen Lebensraum charakteristische Flora und Fauna wird durch den Abbau ausgelöscht. Eine im Laufe von Tausenden von Jahren entstandene Gipskarstlandschaft läßt sich nicht durch Renaturierungsmaßnahmen "wiederherstellen". Derzeit bestehen allein im thüringischen Teil des geplanten Biosphärenreservates rund 850 Hektar Bergwerkseigentum und Bergbau-Bewilligungen für Gips oder Anhydrit. Gips läßt sich in allen seinen Anwendungsbereichen durch synthetische Gipse ersetzen (REA-Gips, Phospho-Gips und andere). Es bestehen zudem große ungenutzte Substitutions- und Einsparpotentiale, zum Beispiel Wandbauplatten aus Zellulose.

Bis zur Erarbeitung eines länderübergreifenden Rohstoffkonzeptes dürfen keine neuen Abbauflächen genehmigt werden. Innerhalb dieses Konzeptes sind konkrete Mengenbegrenzungen, Substitutionsziele und Tabu-Flächen festzulegen.

Notwendige Schritte

Um diesen Naturraum dauerhaft als Lebens- und Arbeitsraum zum Wohle der jetzt lebenden und zukünftigen Generationen

Feuersalamander finden in feuchten und kluftreichen Karst- Buchenwäldern ideale Lebensbedingungen.
(Foto: Röhl)

Rückenwind fürs Biosphärenreservat

Zur Unterstützung dieser Idee wurde im November 1996 in Düna/Osterode die Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz e.V. (GFB) gegründet. Sie unterstützt satzungsgemäß in den drei Ländern Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine zukunftsfähige Regionalentwicklung der Kulturlandschaft Südharz und ihres einzigartigen Naturerbes. In der GFB arbeiten Vertreter aus Land- und Forstwirtschaft, Wissenschaft und Bildung sowie Politik und Verwaltung zusammen. Mit dem ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder will sie den Gedanken der "Agenda 21" in die Praxis umsetzen. In diesem Sinne unterstützt die GFB den Aufbau regionaler Wirtschaftskreisläufe, zum Beispiel durch Förderung der Direktvermarktung, den sanften Tourismus, die Umweltbildung und den Wissenstransfer. Mit ihrer Arbeit vermittelt die GFB den im Südharz lebenden und arbeitenden Menschen, wie sich der Begriff Biosphärenreservat mit Leben füllen läßt.

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