Die Naturschutzstation Südharz

Harald Bock; Gerhard Gramm; Rainer Wolfram

Die Naturschutzstation Südharz wurde Anfang 1991 als dritte Naturschutzstation des Regierungsbezirkes Halle gegründet. Sie untersteht der Oberen Naturschutzbehörde der Bezirksregierung. Ihr Sitz befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Forstwirtschaftsbetriebes Hettstedt in Wippra. Durch die Station werden Naturschutzgebiete (NSG) in den vier Landkreisen Aschersleben, Hettstedt, Eisleben und Sangerhausen betreut. Besonders zu erwähnen sind solche bedeutenden NSG, wie:

  • die NSG Großer und Kleiner Hakel im Norden des Landkreises Aschersleben mit ihren artenreichen Laubholzbeständen und ihren bedeutenden Greifvogelvorkommen. Vor allem Rotmilan (Milvus milvus) und Schwarzmilan (Milvus migrans) erreichen hier hohe Brutdichten, und auch der vom Aussterben bedrohte Schreiadler (Aquila pomarina) ist mit 2 - 3 Brutpaaren vertreten.
  • das NSG Selketal in den Landkreisen Aschersleben und Hettstedt mit seinem naturnahen Flußlauf, Vorkommen von Wasseramsel (Cinclus cinclus), Eisvogel (Alcedo atthius), einer baumbrütenden Mauerseglerpopulation (Apus apus) und einer reichhaltigen Flora
  • das NSG Steinberg im Landkreis Hettstedt mit seinem artenreichen Laubholzbestand und einer beeindruckenden Flora und Fauna
  • das NSG Questenberg im Landkreis Sangerhausen als ältestes NSG im Betreuungsgebiet (seit 1927 unter Schutz gestellt), daß v. a. durch seine kulturhistorische Bedeutung bekannt ist
  • die drei Teilgebiete der Südharzer Gipskarstlandschaft im Landkreis Sangerhausen, die einstweilig gesichert sind, mit ihrer einmaligen geologischen Bedeutung und einer reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt

In unserem Betreuungsgebiet existieren noch Vorkommen vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten, wie z. B. Schwarzstorch (Ciconia nigra), Wanderfalke (Falco peregrinus), Steinkauz (Athene noctua), Wildkatze (Felis silvestris), verschiedene Orchideenarten u. v. a. m.
Schwerpunkte unserer Stationsarbeit sind:

  • Kontroll- und Überwachungsaufgaben, Ausschilderung in den Schutzgebieten
  • Dokumentation von Flora und Fauna
  • Organisation und Kontrolle von Pflegemaßnahmen in den NSG durch Dritte
  • Durchführung von Pflegemaßnahmen mit stationseigener Technik (Dazu stehen uns verschiedene Arbeitsgeräte wie Motorsäge, Freischneider und Balkenmäher zur Verfügung.)
  • Arten- und Biotopschutz
  • fachliche Beratung der Oberen und Unteren Naturschutzbehörden und der verschiedensten Gebietskörperschaften
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Mitarbeit bei der Schaffung eines Biosphärenreservats Gipskarstlandschaft Südharz und des Naturparkes Harz
  • Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz im Harz, die alle Unteren Naturschutzbehörden und Naturschutzstationen der Harzanliegerkreise vereint

Einen weiteren Teil unserer Arbeit nimmt die Bearbeitung von Stellungnahmen zu Bauvorhaben, Flächennutzungsplänen, Bodenabbauprojekten u. a. ein.
Die Mitarbeiter der Naturschutzstation Südharz betreiben in ihrem Betreuungsgebiet aktiven Arten- und Biotopschutz. Zur Unterstützung der Bestände von Wasseramsel (Cinclus cinclus) und Eisvogel (Alcedo atthis) wurden im Wippertal Nisthilfen ausgebracht. Eine im Ostteil des Landkreises Hettstedt vorkommende kleine Steinkauzpopulation wurde durch das Ausbringen von zehn Niströhren unterstützt. An Straßenabschnitten, die durch Amphibienwanderstrecken gequert werden, wurden zur Laichwanderung 1500 Meter Krötenzaun errichtet und teilweise kontrolliert. Bei dieser Aktion wurden wir durch naturinteressierte Bürger unterstützt, die uns bei der Kontrolle einiger Abschnitte halfen. Kleinere gefährdete Orchideenstandorte wurden in ihrem Bestand durch gezielte Biotoppflegemaßnahmen gefördert.
Die Naturschutzstation Südharz ist derzeit mit einem hauptamtlichen Leiter und zwei Mitarbeitern über ABM-Maßnahmen (davon läuft eine zum 31.05.1992 ersatzlos aus, die zweite ist bisher nur bis zum 30.09.1992 bestätigt) besetzt. Alle drei Mitarbeiter waren früher schon ehrenamtlich im Naturschutz tätig und engagieren sich privat in verschiedenen faunistischen und floristischen Arbeitsgemeinschaften. Auf Grund der gegenwärtigen Personalsituation wird es in Zukunft schwierig sein, alle anstehenden Aufgaben bei der Betreuung der NSG kontinuierlich und zum Wohle der Allgemeinheit durchzuführen.

Harald Bock
Gerhard Gramm
Rainer Wolfram
Naturschutzstation "Südharz"
Poststraße 17
0-4720 Wippra


Naturschutzgebiete im Arbeitsbereich der Naturschutzstation "Südharz"
lfd.
Nr.
CodeBezeichnungLandkreisbestehendStatus
einstw.
gesichert
geplantGröße
(in ha)
1J 09Großer HakelAschersleben
289,50
2J 10Kleiner HakelAschersleben
147,34
3J 11Schierstedter BuschAschersleben
23,36
413 JWilslebener SeeAschersleben
33,00
5J 12SelketalAschersleben/
80,00
Hettstedt/
Quedlinburg/
Wernigerode
6J 13PfaffenbuschHettstedt
7,90
7J 14Große NachthutHettstedt
7,64
8J 15SteinbergHettstedt
41,00
9J 16SaurasenHettstedt
32,79
10J 17KlippmühleHettstedt
8,59
11J 19StrubenbergHettstedt
12,19
12J 18ZiegenbergHettstedt
26,79
1321 JSchießbergeHettstedt
10,00
1422 JClusbergHettstedt
15,00
15Trockenrasenhänge um die Burgruine ArnsteinHettstedt
17,00
16Kuhschellenhänge
bei der Schalkenburg
Hettstedt
5,00
17Hohes Rod und Molle
bei Biesenrode
Hettstedt
9,00
18Weinfeld bei MansfeldHettstedt
22,00
19Obstwiese oberhalb
vom Ölgrund
Hettstedt
5,00
20Trockenrasenhänge
bei Alterode
Hettstedt
18,00
21Rote WelleHettstedt
50,00
22Adonishänge bei
Wiederstedt
Hettstedt
7,00
23Tal der Eine und LeineHettstedt
1000,00
24Oberes WippertalSangerhausen/
Hettstedt
300,00
25J 49Eislebener StiftsholzEisleben
36,50
26J 44PferdekopfSangerhausen
9,71
27J 45BauerngrabenSangerhausen
63,52
28J 46QuestenbergSangerhausen
102,43
29J 47MooskammerSangerhausen
109,16
3025 JGipskarstlandschaft
Heimkehle
Sangerhausen44,00
3124 JGipskarstlandschaft
Questenberg
Sangerhausen3670,00
3226 JGipskarstlandschaft PölsfeldSangerhausen1488,00
3315 JGroßer Ronneberg-BielsteinSangerhausen230,00

Blick auf Teile des einstweilig gesicherten NSG "Gipskarstlandschaft bei Pölsfeld" (Foto: G. Gramm)

Mitarbeiter der Naturschutzstation bei Ausbringen einer Eisvogelniströhre im Wippertal (Foto: G. Gramm)

Mitarbeiter der Naturschutzstation bei Ausbringen einer Steinkauzniströhre in einer Altobstanlage (Foto: G. Gramm)Deutscher Enzian (Gentianelle germanica) im NSG "Große Nachthut" (Foto: M. Buhlau)