Neue Naturschutzgebiete im Land Sachsen-Anhalt

C. Högel

Verordnete Naturschutzgebiete

Alter Stolberg (Sachsen-Anhalt)
Code NSG0135H_
Regierungsbezirk Halle
Landkreis Sangerhausen
Verordnung des Regierungspräsidenten Halle vom 08.06.1993, erschienen im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Halle. - 2(1993)9 vom 18.06.1993
Größe 2,60 ha
Kartenblatt-Nummer: M-32-22-B-d

Kurzcharakteristik:
Mit der o. g. Verordnung wurde der im Land Sachsen-Anhalt liegende Teil des Alten Stolbergs als NSG unter Schutz gestellt. Das Gebiet schließt räumlich an das NSG "Alter Stolberg" in Thüringen an.
Der Alte Stolberg ist ein bedeutendes Refugium für südlich und südöstlich verbreitete Tier- und Pflanzenarten und ein wichtiges Demonstrations- und Untersuchungsobjekt für karsthydrologische und karstmorphologische Phänomene.
Die besondere sowohl pflanzengeographische als auch faunistische Bedeutung des NSG liegt in der Dokumentation des Ost-West-Gefälles am Nordrand des Thüringer Beckens. Das zeigt sich u. a. im Fehlen südlich-kontinentaler Pflanzenarten bei gleichzeitigem Vorkommen arktisch-alpiner Elemente sowie im Zurücktreten der Wiesensteppen bei noch guter Entwicklung der Waldsteppen.
Indiz für die stärker subozeanische Stellung des Gebietes ist die Dominanz der Rot-Buche (Fagus sylvatica) in den Waldgesellschaften. Die Blaugras-Rasen und die Calluna-Heiden des Gebietes gehören zu den Biotoptypen, für deren Schutz und Erhaltung Deutschland nach der "Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen", der sogenannten FFH-Richtlinie (Anhang I), eine besondere Verantwortung hat. Im NSG wird die Beobachtung der natürlichen Waldentwicklung auf schwierig zu bewirtschaftenden Gipsstandorten ermöglicht. Es dient außerdem der Dokumentation des ausgeprägten Ost-West-Gefälles der Pflanzenverbreitung in der Nordumrandung des Thüringer Beckens und dem Vergleich mit dem Kyffhäuser.

Schutzzweck:
Zweck der Unterschutzstellung des Gesamtgebietes ist die Erhaltung und Pflege der naturnahen Waldgesellschaften (Buchen-, Eichen-, Ahorn- und Eschenwälder); die Erhaltung natürlicher waldfreier Extremstandorte auf Gipsfelsen (Blaugrasrasen als stabile Dauergesellschaft, Heiden) sowie die Erhaltung der anthropogenen artenreichen Waldsteppen mit der spezifischen Abfolge vom Buschwald zu Trocken- und Halbtrockenrasen.

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Großer Ronneberg-Bielstein
Code NSG0137H_
Regierungsbezirk: Halle
Landkreis: Sangerhausen
Verordnung des Regierungspräsidenten Halle vom 21.04.1993, erschienen im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Halle. - 2(1993)7 vom 06.05. 1993
Größe: 230,00 ha
Kartenblatt-Nummer M-32-22-B-d

Kurzcharakteristik:
Das NSG liegt südwestlich des Kurortes Stolberg im Landkreis Sangerhausen an der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen. Es umfaßt die Hochflächen des Großen Bielsteines, des Großen Ronneberges und des Steigers mit dem dazwischen liegenden Wolfsbachtal am Rande des Unterharzes.
Die Plateaulagen des NSG sind großflächig mit einem Perlgras-Buchenwald (Melico-Fagetum LOHM. ap. SEIB.54) in typischer Ausprägung bedeckt. Im Tal des Wolfsbaches, das den Großen Ronneberg und den Steiger vom Großen Bielstein trennt, ist ein Ahorn-Eschen-Schluchtwald (Aceri-Fraxinetum W. KOCH 26) ausgebildet. An einigen Stellen haben sich durch Mähnutzung artenreiche Mittelgebirgswiesen erhalten.
Bei einer ersten floristischen Bestandsaufnahme des Gebietes wurden über 150 Gefäßpflanzenarten bestimmt, darunter eine vom Aussterben bedrohte Orchideenart. Außerdem wurden bisher 56 Wirbeltierarten (davon 36 Vogelarten) und 30 Schmetterlingsarten erfaßt. Der bestandsbedrohte Siebenschläfer findet im naturnahen Buchenwald des NSG optimale Lebensbedingungen vor.
Außerdem findet man in diesem Gebiet Biotoptypen, für deren Schutz und Erhaltung Deutschland nach der "Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen", der sogenannten FFH-Richtlinie (Anhang I), eine besondere Verantwortung hat. Dazu gehören u. a. Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum), Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) und Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion).

Schutzzweck:
Die UnterschutzsteIlung des Gebietes dient seiner langfristigen Erhaltung und Entwicklung als Standort gefährdeter Pflanzen und Pflanzengesellschaften in den naturnahen Wäldern und als Lebensraum gefährdeter und vom Aussterben bedrohter wildlebender Tierarten.

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Dr. Christiane Högel
Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt
Abteilung Naturschutz
Reideburger Str. 47-49
06116 HaIle/S.