Die Pflanzenwelt der Karstlandschaft Südharz
Farn- und Blütenpflanzen

Hagen Herdam


Die Karstlandschaft zeichnet sich durch einen Reichtum an Pflanzenarten und -gesellschaften aus, der aus der Vielfalt der Lebensbedingungen resultiert, die durch den geologischen Untergrund, die Bodenarten, die Exposition, die hydrologischen Verhältnisse sowie die Auswirkungen menschlicher Tätigkeit gegeben sind. Dadurch hebt sich diese Landschaft sowohl von der nördlich angrenzenden Harzscholle als auch vom südlich vorgelagerten Buntsandsteingebiet deutlich ab. Schon früh hat die vegetationskundliche Eigenart dieser Landschaft das Interesse der Botaniker geweckt. Die wohl umfangreichste Betrachtung der Entwicklung und Zusammensetzung der Vegetation des Zechsteingürtels am Südharz und Kyffhäuser sowie der Verbreitungsschwerpunkte ihrer pflanzengeografischen und -soziologischen Elemente stammt von MEUSEL (108). Bis heute ist das Gebiet Studienobjekt floristisch und soziologisch interessierter Botaniker geblieben, und in jedem Jahr vervollständigen neue Beobachtungen die Kenntnis seiner Flora.
Die steilen Abbrüche der Auslaugungsformen setzten dem verändernden menschlichen Wirken den größten Widerstand entgegen. Daher sind in diesen Gebieten diejenigen Lebensgemeinschaften zu finden, welche den höchsten Grad an Naturnähe aufweisen. Großflächige naturnahe buchenreiche Laubwälder haben eine dominierende Rolle in der Karstlandschaft. Daneben finden sich jedoch relativ großflächig Äcker, bewirtschaftetes Grünland und Streuobstwiesen mit Übergängen zu verschiedenen Ausprägungen von Halbtrockenrasen, azidophilen Magerrasen und Heiden. Flächenmäßig relativ geringer vertreten sind die eng an die Karstmorphologie (Auslaugungstäler, Dolinen, Erdfälle, Gipsbuckel usw.) gebundenen Pflanzengemeinschaften. Vor allem diese Geländeformen mit ihrer Vegetation und in geringerem Maße auch die der zahlreichen alten Bergbaukleinhalden machen den eigenartigen Reiz sowie den hohen landeskulturellen und wissenschaftlichen Wert der Landschaft aus. Besonders bemerkenswert ist denn auch auf trockenen Gipsabhängen, so um Questenberg und südöstlich Hainrode, die Steinkraut-Blauschwingelflur (Alysso-Festucetum cinereae), in der neben den namensgebenden Arten Berg-Steinkraut (Alyssum monfanum, Abb. 4) und Blauschwingel (Festuca pallens) besonders das Ebensträußige Gipskraut (Gypsophila fastigiafa) auffällig ist. In dieser Gesellschaft treten auch andere bemerkenswerte Arten wie Blaugraues, Frühblühendes, Dünnstengliges, Steinbrech- und Gabel-Habichtskraut (Hieracium caesium, H. glaucinum, H. vulgatum, H. saxifragum, H. bifidum), Berg-Lauch (Allium senescens), Frühlings- und Dillenius-Ehrenpreis (Veronica verna, V. dillenii), Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Nordisches Labkraut (Galium boreale), Frühblühender Thymian (Thymus praecox), Gemeines Nadelröschen (Fumana procumbens) und Sand-Fingerkraut (Potentilla incana) auf. Auf oberflächlich versauerten Gipskuppen geht sie in eine artenarme Assoziation aus Blauschwingel und Besenheide (Calluna vulgaris) mit Ungarischer Schafgarbe (Achillea pannonica), auf ehemaligen Trockenwaldstandorten in die Wolfsmilch-Heidekrautheide (Euphorbio-Callunetum) über.

Abb. 1: Großes Windröschen (Anemone sylvestris)
(Foto: H. Herdam)

 
Abb. 2: Kleine Wachsblume (Cerinthe minor)
(Foto: H. Herdam)
Abb. 3: Gipsflur nördlich Kleinleinungen
(Foto: H. Herdam)
Abb. 4: Berg-Steinkraut (Alyssum montanum) in der im Bild 3 gezeigten Felsflur (Foto: H. Herdam)

Eine weitere typische Art der Felsfluren auf Gips und Kalk, die jedoch im betrachteten Gebiet im Gegensatz zu den westlicheren Teilen des Südharzkarstes deutlich zurücktritt, ist das Blaugras (Sesleria varia). Es handelt sich um eine dealpine Art. MEUSEL (108) bezeichnet gar die Südharzer Seslerieten als einen dealpinen Vegetationstyp. Soziologisch ist dies die Gesellschaft des Kreuzblümchen-Blaugras-Halbtrockenrasens (Polygalo amarae-Seslerietum). Im Gegensatz zur Vegetation des westlichen Südharzkarstes ist im betrachteten östlichen Teil die dealpine Prägung schwächer, dagegen sind submediterrane und kontinentale Einflüsse stärker, jedoch ist letzterer noch deutlich geringer als im Kyffhäuser. Von den vor allem in Blaugrasmatten westlich des Alten Stolbergs anzutreffenden arktisch-alpinen Relikten bzw. alpinen Vorposten gibt es aus dem betrachteten Gebiet lediglich eine nicht ausreichend belegte Meldung der Felsen-Schaumkresse (Cardaminopsis petraea). Sehr selten treten Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) sowie Fransen- und Deutscher Enzian (Gentianella eiliota, G. germanica) in Gesellschaft des Blaugrases auf. Eine Besonderheit der steilen, oft schattigen Gipshänge ist das dealpine Berg-Reitgras (Calamagrostis varia, Abb. 6) welches in Sachsen-Anhalt aktuell nur vom Alten Stolberg bis südlich Hainrode nachgewiesen ist.
Eine Felsgrusgesellschaft auf Kalk, Dolomit, Gips oder anderen Gesteinen ist die Zwerghornkraut-Flur (Cerastietum pumilii), in welcher neben Scharfem und Mildem Mauerpfeffer (Sedum acre, S. sexangulare) eine Reihe recht kurzlebiger Arten wie Dunkles und Bleiches Zwerghornkraut (Cerastium pumilum, C. glutinosum), Fünfmänniges und Kleinblütiges Hornkraut (Cerastium semidecandrum, C. brachypetalum), Trauben-Gamander (Teucrium botrys), Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides), Durchwachsenblättriges Hellerkraut (Thlaspi pedoliatum) und Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima) anzutreffen sind.
Verschiedene Gesteine bilden das Substrat für zahlreiche weitere ephemere Vertreter der mauerpfefferreichen Pionierfluren wie den Fingersteinbrech (Saxifraga tridaclylites) und den Frühen Ehrenpreis (Veronica praecox). Auf einigen nicht oder gering wiederbewaldeten Bergbauhalden, insbesondere östlich Hainrode, findet sich eine Schwermetall-Pflanzengesellschaft, die eine verarmte Ausbildung der Kupfer-Grasnelken-Flur (Armerietum halleri) darstellt, in der als diagnostisch wichtige Art das Zwerg-Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris var. humilis) vorkommt. Die namensgebende Galmei-Grasnelke (Armerio halleri) sowie die Kupferblume oder Frühlings-Miere (Minuartia verna) treten östlich Morungen hin und wieder hinzu. Letztere wurde im westlichen Teil des Gebietes bisher nur auf einer Halde bei Rottleberode gefunden (62).
Auf waldfreien, schwach geneigten Hängen und Plateaulagen findet sich als artenreichste Gesellschaft der submediterranen Trocken- und Halbtrockenrasen, insbesondere auf Kalk und Dolomit, der durch Schafbeweidung erhaltene Enzian-Schillergras-Halbtrockenrasen (Gentiano-Koelerietum) oft auch in der Form der Streuobstwiese mit lockerem Bestand von Süßkirschen. Neben den im Gebiet nicht häufigen namensgebenden Arten Deutscher und Fransen-Enzian sowie Zierliches und Großes Schillergras (Koeleria cristata, K. pyramidata) kommen hier zahlreiche Arten der Wiesensteppen und der thermophilen Säume vor, so Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Frühlings-, Filz-, Berg- und Blaugrüne Segge (Carex caryophyllea, C. tomentosa, C. montana, C. flacca), Furchen-Schwingel (Festuca rupicola), Wiesenhafer (Avenula pratensis), Zittergras (Briza media), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa), Berg-Klee (Trifolium montanum), Wiesen-Salbei (Salvia pratensis), Taubenskabiose (Scabiosa columbario), Echtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), Rauhhaarige Gänsekresse (Arabis hirsuta agg.), Rötliches Fingerkraut (Potentilla heptaphylla), Gelber Zahntrost (Odontites luteus), Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora), Gemeines Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), Wiesen-Primel (Primula veris) und Orchideen (s.u.). Neben dem Schopf-Kreuzblümchen (Polygala comosa) findet sich an wenigen Stellen auch das Bittere Kreuzblümchen (Polygala amara agg.). In diese Gesellschaft dringen stellenweise auch Saum- und Trockenwaldarten wie Großes Windröschen (Ane mone sylvestris, Abb. 1) Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), Sichel-Hasenohr (Bupleurum falcatum), Aufrechter Ziest (Stachys recta), Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium) und Weidenblättriger Alant (Inula salicina) ein. Sehr selten tritt hier die Echte Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) auf.
Zu den kontinentalen Halbtrockenrasen zählt der oft auch unter lockeren Streuobstbeständen auf Löß stehende Furchenschwingel-Fiederzwenken-Halbtrockenrasen (Festuco rupicolae-Brachypodietum pinnati). Allgemein sind jedoch im Gebiet die Arten der kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen bzw. Steppenrasen wie Walliser Schwingel (Fesluca valesiaca), Erd-Segge (Carex humilis), Pfriemengras (Slipa capillala), Echtes Federgras (Slipa joannis), Steppen-Lieschgras (Phleum phleoides), Dänischer Tragant (Astragalus danicus) und Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) relativ schwach vertreten.
Besonders dort, wo der Zechstein nach Norden gegen die paläozoischen Gesteine des Harzes (Grauwacke, Schiefer u.a.) ausklingt, gehen die basiphilen Halbtrockenrasen in Dominanzbestände des Roten Straußgrases (Agroslis capillaris) oder azidophile Magerrasen über, in denen Arten der Borstgrasrasen vertreten sind, wie Dreizahn (Danthonia decumbens), Besenheide, Hasenbrot (Luzula campesiris), Gemeines Kreuzblümchen (Polygala vulgaris agg.), Pillen-Segge (Carex pilulifera), Blutwurz (Polenlilla erecfa), Berg-Platterbse (Lalhyrus linifolius), Heide-Labkraut (Galium pumilum agg.) und seltener auch Borstgras (Nardus stricta). Dieser Übergang ist z.B. in den Streuobstbeständen der Kleinen Haardt zwischen Questenberg und Hainrode sehr gut zu beobachten.
Ähnliche Verhältnisse liegen auch am Südrand des Gebietes am Übergang zum Buntsandstein, wie etwa am Königsgraben nördlich Rosperwenda, vor, wo verheidete Magerrasen mit schönen Beständen des Katzenpfötchens (Anlennaria dioica) auftreten. Auch Arten mit ruderaler Tendenz sowie Archäophyten können in Fels- und Schotterfluren sowie Trocken- und Halbtrockenrasen des Gebietes eindringen. Solche Arten sind im Gebiet z.B. Deutscher Ziest (Slachys germanica), Mönchskraut (Noneo pulla), Echte Hundszunge (Cynoglossum officinale), Gekieltes Rapünzchen (Valerianella carinala) und Acker-Haftdolde (Caucalis platycarpos). Im Jahre 1997 wurde im Gesteinsschutt eines ehemaligen Kalkofens die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor, Abb. 2) erstmalig für den Harzrand nachgewiesen. Als botanische Rarität mit nur drei Fundorten in ganz Sachsen-Anhalt besiedelt die Pannonische Katzenminze (Nepela pannonica) Feldraine bei Großleinungen.
Dort, wo baumfreie Bereiche an den Wald grenzen, sind stellenweise artenreiche Gesellschaften aus dem Verband der thermophilen Säume (Geranion sanguinei) ausgeprägt, in denen sich die Arten des Waldes mit denen der waldfreien Gemeinschaften mischen. Ihre reichste Entfaltung erlangen hier Arten wie Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), Ebensträußige Wucherblume (Tanacelum corymbosum), Salomonssiegel (Polygonalum odoratum), Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), Gemeiner Dost (Origanum vulgare), Kamm-Wachtelweizen (Melampyrum crislalum), Schwalbenwurz (Vinceloxicum hirundinaria), Breitblättriges Laserkraut (Laserpilium latifolium), Hirschwurz (Peucedanum cervaria) und selten Kornelkirsche (Comus mas), Wolliger Schneeball (Viburnum lanlana), Echte Mehlbeere (Sorbus aria agg.), Färber-Meier (Asperula lincforia), Langähriger Klee (Trifolium rubens) und Echter Haarstrang (Peucedanum officinale). An steilen Gips- und Kalkhängen tritt in solcher Gemeinschaft selten auch Berg-Heilwurz (Libanolis pyrenaica) auf. Als Besonderheiten wurden 1997 bei Questenberg Berg-Kronwicke (Coronilla coronala) und erstmalig für den Südharzrand die auf der Hirschwurz parasitierende Elsässer Sommerwurz (Orobanche alsatica) festgestellt (MÜLLER, mdl. Mitt., 1998 vom Verfasser bestätigt). Einen mehr mesophilen Charakter weist der im Gebiet beobachtete Hainwachtelweizen-Saum (Trifolio medii-Melampyretum nemorosi) auf, welcher sich durch das Auftreten von Hain-Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum) und zahlreiche Straucharten auszeichnet. Von diesen Säumen bestehen fließende Übergänge zu verarmten Ausprägungen sogenannter Steppenheidewälder (Lithospermo-Quercetum petraeae; Quercetum pubescenti-petraeae) nach SCHUBERT et al., (196). Ein Teil der genannten Arten dringt auch in die wärmeliebenden Eichen-Trockenwälder ein. Letztere finden sich vorzugsweise an südlich exponierten Hängen auf kalkreichem, z.T. oberflächlich versauertem Substrat. Neben dominierender Traubeneiche (Quercus pelraea) findet man hier Elsbeere (Sorbus lorminalis), Hängebirke (Betula pendula), Waldkiefer (Pinus sylvestris), Rotbuche (Fagus sylvalica), Hainbuche (Carpinus belulus) und Feldahorn (Acer campestre). Zu dieser soziologischen Ordnung gehören auch die im Gebiet verbreiteten Gesellschaften des ostmitteleuropäisch subkontinentalen Fingerkraut-Eichentrockenwaldes (Potentillo albae-Quercetum petraeae), wobei das namensgebende Weiße Fingerkraut (Potentilla alba) im Gebiet nicht häufig ist, und der auf stärker versauerten Böden stockende Färberginster-Eichenwald (Genisto tinctorio-Quercetum). In der Krautschicht dieser Wälder treten Färberginster (Genista tinctoria), Waldreitgras (Calamagrostis arundinacea), Maiglöckchen (Convallaria majalis), Nickendes Leimkraut (Silene nutans), Wald-Klee (Trifolium alpestre), Purpurblauer Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea), Schwarze Platterbse (Lathyrus niger), Berg-Segge und viele andere auf. Im Färberginster-Eichenwald findet man vor allem Drahtschmiele (Avenella flexuosa), Schmalblättrige Hainsimse (Luzula luzuloides) und Wiesenwachtelweizen (Melampyrum pratense). An Schatthängen wächst hier auch die Heidelbeere (Vaccinium myrfilius) und seltener das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) und das Einseitswendige Birngrün (Orthilia secunda).
Basenreichere, weniger versauerte, relativ trockene Böden sind der Wuchsort des Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwaldes (Galio sylvatici-Carpinetum betuli), dessen Baumschicht von Rotbuche, Traubeneiche, Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Hainbuche, Vogelkirsche (Cerasus avium) und stellenweise Elsbeere gebildet wird. In der Strauchschicht dominiert oft die Hasel (Corylus avellana). Die Krautschicht ist sehr artenreich mit Waldlabkraut (Galium sylvaticum), Wald-Sternmiere (Stellario holostea), Buschwindröschen (Anemone nemoroso), Gelbem Windröschen (Anemone ranunculoides), Wald-Knaulgras (Dactylis polygama), Nickendem Perlgras (Melica nutans), Maiglöckchen, Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), Türkenbundlilie (Lilium martagon), Gemeinem Lungenkraut (Pulmonaria officinalis agg.), Goldnessel (Galeobdolon luteum), Waldgerste (Hordelymus europaeus) und Wunder-Veilchen (Viola mirabilis), seltener auch Märzenbecher (Leucojum vernum). Auch die auf den flachen, mit Löß überdeckten Hängen des Buntsandsteins auftretenden Winterlinden-Traubeneichen-Wälder sind dieser Gesellschaft zuzurechnen. Typisch für die Karstlandschaft ist auf den Oberhängen und Gipsbuckeln der Karst-Buchenwald oder Seggen-Buchenwald (Carici-Fagetum). Flachgründigkeit, Versauerung, klüftige Gesteinsunterlage, temporärer Wassermangel und in Bodensenken auch tiefe Laubstreu schaffen extreme Lebensbedingungen. Die hier vorherrschende Rotbuche gelangt zwar auch an die Grenze ihrer Existenzfähigkeit, ist jedoch dank ihres weitreichenden Wurzelwerkes manchmal außer Kryptogamen fast die einzige Art, die unter diesen Bedingungen überlebt. Solche Wälder ohne Strauch- und Krautschicht gaben Veranlassung zur Benennung als "Fagetum nudum". Meist treten jedoch einige Blütenpflanzenarten in der Krautschicht auf.
Auf oberflächlich stark versauerten Stellen zeigen Drahtschmiele, Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Schmalblättrige Hainsimse und Waid-Habichtskraut (Hieracium murorum) den Übergang zum bodensauren Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo luzuloides-Fagetum) an. Bei geringerer Versauerung sind es neben Fingersegge (Carex digitata) vor allem einige Waldorchideen, die diesen konkurrenzfreien Raum zu nutzen vermögen (s.u.). Es handelt sich dabei nicht, wie einige Forscher glaubten, um ein künstliches Degradationsstadium reicherer Waldgesellschaften, sondern um eine natürliche Bildung (108). In der Laubstreu finden besonders Saprophyten wie Nestwurz (Neottia nidus-avis) und Fichtenspargel (Monotropa hypopitys agg.) günstige Bedingungen. An besonders flachgründigen Stellen in Nord- und Nordwestexposition wurde kleinflächig auch der Weißmoos-Buchenwald beobachtet (9), welcher nach SCHUBERT et al. (196) in die Gesellschaft des Schattenblümchen-Rotbuchenwaldes (Maianthemo-Fagetum) fällt.
Schon in relativ kurzer Entfernung von den Buckeln und Hangkanten gehen die Buchenwälder auf Plateaulagen in reichere Ausprägungen über, in denen ein großer Teil der vorher bei den Eichen-Trockenwäldern und Eichen-Hainbuchen-Wäldern genannten Arten vorkommen kann und Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), Seidelbast (Daphne mezereum), Leberblümchen (Hepatica nobilis), Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus), Akelei (Aquilegia vulgaris), Haselwurz (Asarum europaeum) und andere, so z.B. selten auch Erbsen-Wicke (Vicia pisiformis), hinzutreten.
In frischeren und/oder schattigen Lagen der Unterhänge kommt es zur Ausbildung geophytenreicher Gesellschaften der Ordnung buchenreicher Bergahornwälder (Aceri-Fagion) wie des Moschuskraut-Bergahornwaldes (Adoxo-Aceretum pseudoplatani) mit Rotbuchendominanz und einer teilweise voll deckenden Krautschicht aus Frühjahrsgeophyten und anderen Stauden, darunter Hohler und Mittlerer Lerchensporn (Corydalis cava, C. intermedia), Moschuskraut (Adoxa moschatellina), Aronstab (Arum maculatum), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Großes Hexenkraut (Circaea lutetiana), Wolliger Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus), Christophskraut (Actaea spicata) und Einbeere (Paris quadrifolia). Aus feuchten Gründchen und Sohlen flacher Dolinen zieht sich Bärlauch (Allium ursinum) oft weit die Hänge herauf. Noch feuchtkühlere Lagen der Hänge der Auslaugungstäler sowie der Hänge und Sohlen von Dolinen und Bachschwinden werden vom Eschen-Bergahorn-Schluchtwald (Fraxino-Aceretum pseudoplatani) eingenommen. Neben den namensgebenden Arten treten in der Baumschicht auch Bergulme (Ulmus glabra), Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und andere Arten auf. Das für Schluchtwälder im Harz typische Ausdauernde Silberblatt (Lunaria rediviva) fehlt im Gebiet fast völlig und wurde nur am Krebsbach unter der Grasburg beobachtet. Die relativ hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt vor allem die Farnpflanzen. So kommt als charakteristische Art des Schluchtwaldes in der Mooskammer und bei Breitungen der Hirschzungenfarn (Phyllitis scolopendrium) vor. Auch andere Farne kann man im Schluchtwald antreffen, so die für frische bis feuchte Felsen typischen Arten Zerbrechlicher Blasenfarn (Cystopteris fragilis) und Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes) sowie den an basiphile Fels- und Schotterfluren gebundenen Ruprechtsfarn (Gymnocarpium robertianum). Unter den übrigen Arten sind Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Großes Springkraut (Impatiens noli-tangere), Spring-Schaumkraut (Cardamine impatiens), Gelber Eisenhut (Aconitum vulparia) und sehr selten Weiße Pestwurz (Petasites albus) zu nennen. Auch der Wald-Schwingel (Festuca altissima) kann im Schluchtwald des Zechsteins nachgewiesen werden.
Auf nicht konsolidierten Hängen des Gebietes wächst der Spitzahorn-Sommerlindenwald (Aceri platanoides-Tilietum platyphylli), auf nährstoffärmeren, trockenen Böden sowohl des Buntsandsteins als auch der Harzrumpfscholle ist der Hainsimsen-Rotbuchenwald (Luzulo luzuloides-Fagetum) verbreitet, welcher in der Feldschicht Arten wie Schmalblättrige Hainsimse, Drahtschmiele, Wald-Reitgras, Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella), Wiesen-Wachtelweizen, Berg-Platterbse, Heidelbeere und in höheren Lagen als montane Elemente Quirlblättrige Weißwurz (Polygonatum verticillatum) und Berg-Rispengras (Poa chaixii) aufweist. Er geht bei besserer Wasser- und Nährstoffversorgung in den Waldmeister-Rotbuchenwald (Galio odorati-Fagetum) über. Die Feldschicht enthält Arten wie Wald-Segge (Carex sylvatica), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) und Buschwindröschen. Je nach Höhenlage, Exposition, Hangneigung und Bodenfeuchte zeigt der Waldmeister-Rotbuchenwald Varianten, in denen Waldmeister (Galium odoratum), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora), Zwiebel-Zahnwurz (Dentaria bulbifera) oder Wald-Schwingel die Feldschicht dominieren. Das Vorkommen der im westlichen Harz verbreiteten Tollkirsche (Atropa bella-donna) klingt hier nach Osten aus.
Bachauen werden stellenweise von einem Hainmieren-Schwarzerlenwald (Stellario nemorum-Alnetum glutinosae) besiedelt. In ihm wird die Baumschicht von der Schwarzerle (Ainus glutinosa) bestimmt. In der Krautschicht dominiert die Hain-Sternmiere (Stellario nemorum), auch die Winkel-Segge (Carex remota) weist hohe Stetigkeit auf. Bemerkenswert ist das Vorkommen von Mittlerem Hexenkraut (Circaea intermedia) und von Märzbecher. Der demontane Rauhhaarige Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum) tritt in den Bachauen bis an den Harzrand herunter. Auffällig in der Bachaue der Nasse ist die Behaarte Schuppenkarde (Virga pilosa). Dort, wo Bäche sich in das Silikatgebirge eingeschnitten haben, wie z.B. an der Felsenenge der Nasse oberhalb von Questenberg, treten Silikatfelsfluren mit reichem Besatz von Tüpfelfarn (Polypodium vulgare agg.) und Braunstieligem Streifenfarn dicht an den Bach heran.
An quelligen Stellen und solchen mit stagnierender Nässe findet sich stellenweise Erlen-Bruchwald, der zum Walzenseggen-Erlen-Bruch (Carici elongatae-Alnetum) gestellt wird, obwohl die Langährige oder Walzen-Segge (Carex elongata) im Gebiet fehlt. Er wird von der Schwarzerle aufgebaut. Neben Großseggenarten wie Ufer-, Sumpf- und Schlanksegge (Carex riparia, C. acutiformis, C. acuta) beherbergt er unter anderem Gemeinen Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Bunten Hohlzahn (Galeopsis speciosa) und Bitteres Schaumkraut (Cardamine amara).
In vielen Bachauen findet sich die Giersch-Pestwurz-Flur (Phalarido arundinaceae-Petasitetum hybridi), besonders auffällig im Krummschlachttal mit ausgedehnten Beständen der Gemeinen Pestwurz (Petasites hybridus). An natürlichen oder künstlichen Stillgewässern kommt stellenweise Schilf-Röhricht (Phragmitetum australis) vor, wo neben dem dominierenden Schilf (Phragmites australis) und weit verbreiteten Sumpfpflanzen auch Flügel-Braunwurz (Scrophularia umbrosa) angetroffen wird. Aus dem Verband der Großseggen-Rieder, welche im Gebiet vorzugsweise in Dolinen- bzw. Erdfallsümpfen auftreten, sind zu nennen: das Rispenseggenried (Caricetum paniculatae) südlich von Questenberg mit Rispen- und Ufer-Segge (Carex panieulata, C. riparia) und Kriechendem Baldrian (Valeriana repens), das Steifseggen-Ried (Caricetum elatae) bei Wettelrode und Pölsfeld mit Steif- und Ufer-Segge (Carex elata, C. riparia) und Sumpf-Reitgras (Calamagrostis canescens), das Fuchsseggen-Ried (Caricetum vulpinae) südöstlich von Hainrode mit Fuchs-, Blasen- und Zweizeiliger Segge (Carex vulpina, C. vesicaria, C. distieha) sowie verschiedene von der Sumpfsegge (Carex acutiformis) geprägte Bestände. Neben den genannten Arten kommen in den Dolinen- und Erdfallsümpfen noch viele andere Arten vor, darunter Wasser-Schwertlilie (Iris pseudaeorus), Grau-Weide (Salix cinerea), Gemeiner Blutweiderich (Lythrum salicaria), Hunds-Straußgras (Agrostis canina) und Wasser-Knöterich (Poygonum amphibium). Eingehend befaßte sich WEIN (259) mit der Pflanzenwelt dieser Sümpfe am West- und Südharz. Als besonders bemerkenswerte Arten nannte er dabei Zwerg-Igelkolben (Sparganium natans) bei Wettelrode (eventuell identisch mit "Kulk bei Lengefeld" in Herbar JOACHIM in Gatersleben) und Pölsfeld, Zungen-Hahnenfuß (Ranuneulus lingua) zwischen Uftrungen und Berga, Breitblättrigen Merk (Sium latifolium) vom See bei Uftrungen, Sumpffarn (Thelypteris palustris) in der Elsgrube bei Uftrungen, Blutauge (Potentilla palustris) und Faden-Segge (Carex lasioearpa) bei Wettelrode. Wie eine erste Nachkontrolle zeigt, dürften einige dieser Arten auch jetzt noch dort zu bestätigen sein. So ist z.B. der Bestand des Sumpffarns in der Elsgrube noch existent. Das relativ ungewöhnliche Vorkommen einer Reihe dieser Arten an derart isolierten Orten wurde von WEIN (259) als Relikt aus der Eiszeit bzw. Nacheiszeit interpretiert.
Von den wirtschaftlich genutzten Feuchtwiesen ist die Engelwurz-Kohldistel-Wiese (Angelico sylvestris-Cirsietum oleracei) zu nennen, welche neben der Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum) auch Großes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Schlank-Segge (Carex acuta), Wald-Simse (Seirpus sylvatieus), Sumpf-Hornklee (Lotus uliginosus), Kuckucks-Lichtnelke (Lyehnis flos-eueuli) und Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) trägt. Seltener beobachtet man hier auch Herbstzeitlose (Colehieum autumnale), Hirse-Segge (Carex panicea), Zweizeilige Segge (Carex distieha), Sumpf-Labkraut (Galium uliginosum), Kleinen Baldrian (Valeriana dioica) sowie im trockeneren Flügel Flaumigen Wiesenhafer (Avenula pubescens), Goldhafer (Trisetum flavescens), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Gebirgs- und Hybrid-Frauenmantel (Alehemilla monticola, A. glaucescens). An den geringer genutzten Feuchtwiesenrändern oder nach Aufgabe der Nutzung ist die Mädesüß-Sumpfstorchschnabel-Staudenflur (Filipendulo ulmariae-Geranietum palustris) ausgebildet, in der das Große Mädesüß hohe Deckungswerte erreichen kann. Hervorzuheben ist in dieser Gesellschaft der Nachweis des Gelbgrünen Frauenmantels (Alehemilla xanthoehlora), einer Kleinart des Gemeinen Frauenmantels (A. vulgaris agg.), sowie des Riesen-Straußgrases (Agrostis gigantea).
Zu den Gebirgswiesen zählen im submontanen Bereich (z.B. im Quellgebiet der Nasse bei Höhenlagen um 420 m ü. NN) die Teufelskrallen-Rotschwingel-Wiesen (Phyteumato-Festucetum rubrae) mit Rot-Schwingel (Festuca rubra), Rotem Straußgras, Berg-Rispengras, Kanten-Hartheu (Hyperieum maeulatum), Sumpf-Kratzdistel (Cirsium palustre), Wiesen-Segge (Carex nigra) und anderen. Bemerkenswert ist, daß hier 1996 auch das Gebirgs-Hellerkraut (Thlaspi eaerulescens) gefunden wurde, welches im Harz bisher nur im Selkegebiet von Straßberg abwärts und an zwei Punkten im Einzugsgebiet der Hassel nachgewiesen wurde.

Abb. 5: Diptam
(Foto: K. -J. Hofer)
Abb. 6: Horst des Berg-Reitgrases (Calamagrostis varia)
(Foto: H. Herdam)

Die meisten Frischwiesen der submontanen Lagen, vereinzelt auch bis in das Zechsteingebiet reichend, sind der Gesellschaft der Frauenmantel-Glatthaferwiese (Alchemillo vulgaris-Arrhenatheretum elatioris) zuzurechnen. In ihr tritt neben dem Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und anderen Gräsern oft auch der bereits erwähnte Gebirgs-Frauenmantel (Alchemilla monticola) als Vertreter der Artengruppe des Gemeinen Frauenmantels auf. Seltener sind in dieser Gesellschaft einige der bereits genannten Feuchtwiesenarten anzutreffen. Nur in einzelnen Fällen wurden Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor), Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) und Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum) gefunden.
Die zu den Flutrasen gehörende Knickfuchsschwanz-Gesellschaft (Ranunculo repentis-Alopecuretum geniculati) wurde auf dem trockengefallenen Teichboden des Episodischen Sees (Bauerngraben) beobachtet. Neben Knick-Fuchsschwanz (Alopecurus geniculatus) enthält sie unter anderem auch Vielsamigen Gänsefuß (Chenopodium polyspermum). Gleichfalls dort, jedoch auch andernorts, wurden Zweizahn-Gesellschaften (Bidention tripartitae) mit Dreiteiligem und Schwarzfrüchtigen Zweizahn (Bidens tripartita, B. frondosa), Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus), Wasserdarm (Myosoton aquaticum) und anderen festgestellt.
Die meisten der bisher genannten Pflanzengesellschaften sind in Sachsen-Anhalt in unterschiedlichem Grade gefährdet und fast alle durch sie charakterisierten Biotope sind nach § 30 des Naturschutzgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt geschützt. Dies trifft auch für einen großen Teil der im Gebiet vorkommenden Arten zu. Nach Bundesartenschutzverordnung geschützt sind auch alle Orchideenarten, von denen das Gebiet im Gegensatz zu den nördlich und südlich angrenzenden Landschaften eine bemerkenswert hohe Anzahl aufweist. Große Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Bienenragwurz (Ophrys apifera) besiedeln Halbtrockenrasen, während Fliegenragwurz (Ophrys insectifera), Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula), Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) und Großes Zweiblatt (Listera ovata) diese sowie lichte Wälder bewohnen. Besonders hervorzuheben ist das Bleiche Knabenkraut (Orchis pallens), das kleine Bestände im Gebiet aufweist, welche bis vor kurzem noch als Nordgrenze der Verbreitung der Art galten. Inzwischen wurde die Art in wenigen Exemplaren auch am Nordharzrand nachgewiesen. Auch der Bastard zwischen Stattlichem und Bleichem Knabenkraut (Orchis x loreziana) wurde beobachtet. Steinbrüche und Halden werden von Braunroter Sitter (Epipactis atrorubens) als Standort bevorzugt. Karstbuchenwälder sind typische Standorte von Bleichem, Schwertblättrigem und Rotem Waldvöglein (Cephalanthera damasonium, C. longifolia, C. rubra) sowie Schmallippiger und Kleinblättriger Sitter (Epipactis leptochila, E. microphylla). In verschiedenen Waldtypen finden sich Breitblättrige Sitter (Epipactis helleborine), Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata agg.), Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis) und Violette Sitter (Epipactis purpurata). Auf Feuchtwiesen kommt an sehr wenigen Stellen das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza maialis) vor. Zu den großen Seltenheiten des Gebietes zählen Dreizähniges, Brand- und Helm-Knabenkraut (Orchis tridentata, O. ustulata, O. militaris), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Grünliche Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha) und Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis). Somit liegen von 24 Orchideenarten aktuelle Nachweise im Gebiet vor.
Insgesamt sind mindestens 86 der im Gebiet aktuell nachgewiesenen ca. 1 000 Farn- und Blütenpflanzenarten in der Roten Liste des Landes Sachsen-Anhalt (43) enthalten. Sie sind folgenden Gefährdungsgraden zuzurechnen:
Kategorie 0(bisher als erloschen oder verschollen geltend): 2 Arten,
Kategorie 1(vom Aussterben bedroht): 4 Arten,
Kategorie 2(stark gefährdet): 13 Arten,
Kategorie 3(gefährdet): 62 Arten,
Kategorie P(infolge Seltenheit potentiell gefährdet): 5 Arten.

Da große Teile des beschriebenen Gebietes schon sehr lange einem Nutzungsdruck durch den Menschen unterliegen, ist hier auch die Vegetation sehr stark anthropogen überformt. Insbesondere die Anlage von Wohnstätten und Verkehrswegen, der Bergbau sowie die Flächennutzung durch Land- und Forstwirtschaft haben zu großen Veränderungen geführt, ein Prozeß, welcher sich ständig fortsetzt. Teile der Wälder wurden in Forsten umgewandelt und haben durch intensive Nutzung, Monokultur sowie Einbringung standortsfremder Baumarten, vor allem von Koniferen (Fichte, Schwarz- und Weymouthskiefer, Lärche), ihre Naturnähe eingebüßt. Wiesen, Trocken- und Magerrasen wurden zunächst durch Rodung, Mahd und Weidegang stark gefördert, sind dann iedoch durch intensive Nutzung einschließlich Entwässerung und durch hohe Düngung in ihrem Artenspektrum stark reduziert worden. Intensiv bewirtschaftete Streuobstflächen tragen statt der Halbtrockenrasen die Glatthafer-Wiese (Dauco carotae-Arrhenatheretum elatioris). Meist in Siedlungsnähe findet sich auf frischen, nährstoffreichen Standorten die Fettweide (Lolio perennis-Cynosuretum cristati). Besonders die Fließgewässer, die im Auslaugungstal parallel zum Harzrand verlaufen, wurden zum Teil in Gräben verwandelt und haben ihre natürliche Vegetation verloren. Einige, teilweise auch versumpfte, Dolinen wurden mit Schutt, Müll oder Abraum verfüllt. Teile der ehemaligen Waldflächen in Tal-, Plateau- und flachen Hanglagen tragen heute Getreide- und Hackfruchtäcker oder Saatgrasland. Hier haben sich verschiedene Ackerwildkrautfluren entwickelt, so z.B. die Ackerfrauenmantel-Kamillen-Gesellschaft (Aphano-Matricarietum chamomillae) die durch verstärkte Herbizidanwendung stark im Rückgang begriffen ist. Wildpflanzen extensiv bewirtschafteter Äcker, wie Ackerfrauenmantel (Aphanes arvensis), Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) oder Ackerkohl (Conringia orientalis), werden immer seltener beobachtet. Weißdorn-Schlehen-Gebüsche (Crataego-Prunetum spinosae) lockern die Ackerlandschaft auf und sind auch auf Kupferschieferhalden anzutreffen.
Trotz weitreichender, oft negativer Veränderung zeigt die Vegetation des Gebietes im Vergleich zum Umland jedoch noch einen bemerkenswerten Reichtum, den es zu bewahren gilt. Gerade die vielfältige Biotopstruktur des Gebietes bietet günstige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Synthese von Natur und Kultur.


9. BAUER, L. (Hrsg): Naturschutzgebiete der Bezirke Magdeburg und Halle (Saale). - Leipzig; Jena; Berlin: Urania Verlag, 1979. - 277 S. - (Handbuch der Naturschutzgebiete der Deutschen Demokratischen Republik; 3)

43. FRANK, D. et al.: Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen des Landes Sachsen-Anhalt. - Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. - Halle (1992)1. - S. 44-63

62. HERDAM, H.: Nachweise zur Flora Sachsen-Anhalts. - Mitteilungen zur Floristischen Kartierung Sachsen-Anhalt. - Halle (1997)2. - S. 39-52

108. MEUSEL, H.: Die Vegetationsverhältnisse der Gipsberge im Kyffhäuser und im südlichen Harzvorland: ein Beitrag zur Steppenheidefrage. - Hercynia. - Halle; Berlin 2(1939)4, - 372 S.

196. SCHUBERT, R., HILBIG, W., KLOTZ, S.: Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Mittel- und Nordostdeutschlands. - Jena; Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1995. - 403 S.

259. WEIN, K.: Die Pflanzenwelt der Erdfälle des West- und Südharzvorlandes. - Der Nordhäuser Roland. - Nordhausen (1955)SH. - S. 80-88