Vorwort
 


Der Karstlandschaft im Südharz war bereits im Jahr 1998 ein Sonderheft der Zeitschriftenreihe „Naturschutz in Sachsen-Anhalt“ gewidmet. In geologischen Zeitbegriffen gedacht, ist das noch nicht lange her, betrachtet man aber die Gebietsentwicklung und den Zuwachs an wissenschaftlichen Erkenntnissen sind 14 Jahre eine Ewigkeit. Deshalb freue ich mich, dass mit dem Sonderheft 2011 das Thema Natura 2000 im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz (BR KSH) aufgegriffen wird.

Mit der Gründung der Verwaltung des Biosphärenreservates im Jahr 2002 wurde der Grundstein für die naturwissenschaftliche Bearbeitung und Betreuung des Gebietes in neuer Qualität gelegt. So konnte die Kartierung der Offenlandlebensraumtypen und eines Großteils der Waldlebensraumtypen nach Anhang I der FFH-Richtlinie durch eigenes Personal realisiert werden. Aber auch die Kartierungen der Farn- und Blütenpflanzen, die Erfassung der Vogel- und Fledermausarten, der Reptilien und Amphibien sowie anderer Artengruppen waren Schwerpunkte unserer Arbeit.

Mit einer Vielzahl ehrenamtlich Tätiger, mit Studenten und Wissenschaftlern wurden weitere Artengruppen bearbeitet, so dass wir heute über einen guten Fundus an Daten zur Biodiversität verfügen. Dennoch sind bei weitem nicht alle Artengruppen bearbeitet. So sind die Kenntnisse über die Moos- und Flechtenflora sowie über viele Insektenartengruppen noch unzureichend. Nach einer langen Gründungsphase ist das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz seit 2009 als Schutzgebiet nach Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt ausgewiesen. In den vergangenen drei Jahren wurde unter Beteiligung vieler regionaler Akteure ein Rahmenkonzept erarbeitet, das Grundlage des mittelfristigen Handelns ist. Mit der Umsetzung haben wir begonnen.

Gleichzeitig erfolgte die Formulierung des Antrages zur Anerkennung des Biosphärenreservates bei der UNESCO, der bei Zustimmung der Kommunen auf den Weg gebracht werden kann.

Die Aufgaben der Biosphärenreservatsverwaltung beschränken sich allerdings nicht auf die Erfassung der Artenvielfalt im Gebiet, sondern liegen ebenso in der Unterstützung einer nachhaltigen Regionalentwicklung. Dazu gehören vor allem landschaftspflegerische Maßnahmen zur Erhaltung der Kulturlandschaft, die nur gemeinsam mit den Landschaftspflegeverbänden und den Land- und Forstwirtschaftsbetrieben durchgeführt werden können. Mit Projekten zur extensiven Bewirtschaftung von Offenlandlebensräumen durch Beweidung mit Schafen, Ziegen und Rindern sind wertvolle Flächen gepflegt worden. Nachhaltige Regionalentwicklung bedeutet aber auch Unterstützung der regionalen Wirtschaftskraft. Hier steht vor allem die Verbesserung und Entwicklung der touristischen Infrastruktur im Mittelpunkt, die bereits im Rahmen des Konjunkturpaketes II durch die Biosphärenreservatsverwaltung unterstützt werden konnte.

Besonders stolz sind wir auf die Zertifizierung des Karstwanderweges nach den Kriterien „Wanderbares Deutschland“.

Einen wesentlichen Bestandteil unserer Arbeit bilden Öffentlichkeitsarbeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung, wo wir sehr erfolgreich mit Kindertagesstätten und Schulen zusammenarbeiten. Besonders beliebt bei den Kindern sind die Aktivitäten im Junior-Ranger-Programm von EUROPARC Deutschland.

In Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Harz als Träger des Naturparks „Harz/Sachsen-Anhalt“ und dem Geopark „Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen“ wird im Schloss Stolberg eine Dauerausstellung zum Thema Natura 2000 gestaltet.

Forschung und Monitoring im Sinne des Europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000 werden auch in Zukunft einen wichtigen Platz in unserer Arbeit einnehmen.

Dr. Holger Piegert
Leiter der Verwaltung des Biosphärenreservates
Karstlandschaft Südharz