Südharz-Symposium, Herzberg
Ralf Nielbock:

Faunen des Eiszeitaltes -

Funde und Grabungen in Schlotten und Höhlen des Südharzes

Einleitung
In der erdgeschichtlichen Entwicklung ist das vor über einer Millionen Jahren beginnende Quartär die jüngste Formation und zugleich die Zeit, in der wir heute leben. Das Quartär wird unterteilt in Pleistozän (Eiszeitalter) und Holozän (Nacheiszeit), das vor erst ca. 10.000 Jahren begann. Das Eiszeitalter ist geprägt von starken und tiefgreifenden Klimaschwankungen mit zeitweise sehr niedrigen Temperaturen. Diese lagen während der Glaziale (Kaltphasen) um durchschnittlich 10 Grad niedriger als heute. Die dazwischen liegenden Interglaziale (Warmzeiten) hingegen waren mitunter sogar wärmer als unsere jetzige Warmzeit. In den mehrfach aufeinanderfolgenden Klimaphasen lebten jeweils unterschiedliche Tier- und Pflanzengemeinschaften.

In Mitteleuropa entsprachen die Lebensbedingungen während der Kaltzeiten denen des heutigen Nordskandinaviens und des nördlichen Sibiriens. Den Klima- und Vegetationsverhältnissen angepaßt, lebten vor allem großwüchsige Herdentiere, die ohne die Behinderung geschlossener Waldflächen die Kurzgras- und Kräuterflora der hiesigen Tundra abweiden konnten. Zu nennen sind hier neben Pferd, Rentier und Riesenhirsch vor allem das Mammut Mammuthus primigenius, das Wollhaarnashorn Coelodonta antiquitatis und die Wisentart Bison priscus.

Bedingt durch schnell voranschreitende Klima- und Vegetationsveränderungen, aber vermutlich auch infolge der intensiver werdenden Bejagung durch den Menschen, starben viele dieser Tierarten gegen Ende der letzten Eiszeit vor ca. 15.000 - 10.000 Jahren aus. Mit ihnen verschwanden auch die eiszeitlichen Großraubtiere Höhlenlöwe, Höhlenhyäne sowie der bekannte Höhlenbär Ursus spelaeus.

Fossilfunde im Karst
Aus dem Quartär stammen die erdgeschichtlich jüngsten Fossilien des Südwestharzes. Hierbei handelt es sich überwiegend um Tierknochenfunde aus Höhlen und Schlotten im Bereich der verkarstungsfähigen Zechstein-Gesteine. Forschungsgeschichtlich herausragend sind hier bereits die erstmaligen Funde und damit verbundene Tierarten-Erstbeschreibungen vom Wollhaarnashorn bei Düna im Jahre 1751 und 1808 vom Mammut bei Ührde. Da Höhlen und Schlotten überhaupt ideale Voraussetzungen für die Einbettung und die Erhaltung eiszeitlicher Tierknochen bieten, kommt den Höhlen des Harzes innerhalb der Quartärforschung eine besondere Stellung zu, da sie die nördlichsten in Europa sind, in denen reichhaltig eiszeitliche Tierknochenfunde auftreten.

Die größten Hohlraumbildungen finden hier im Gips statt, aber es gibt auch Höhlensysteme im Zechsteindolomit. Hierzu gehören die Einhornhöhle und die Steinkirche bei Scharzfeld. Zu beachten ist dabei, daß es sich bei Höhlen in Karbonatgesteinen (Kalk und Dolomit) im Gegensatz zu Sulfatgesteinshöhlen um relativ langlebige Gebilde handelt - die Einhornhöhle entstand sicher bereits vor einer Millionen Jahren. Die Existenz von Gipshöhlen ist in Relation dazu, schon durch die hohe Löslichkeit des Gesteins und deshalb durch das ständige Nachbrechen der Firste bedingt, nur von kurzer Dauer. Alle heute im Südharz bekannten Gipshöhlen haben nur ein Alter von einigen Jahrtausenden und dürften überwiegend erst nach der letzten Vereisung entstanden sein. Übertragen auf die paläontologisch/archäologische Forschung bedeutet dies für Kalk- und Dolomithöhlen: mit dem jüngsten Holozän beginnend, sind Funde aus allen Zeit- bzw. Kulturstufen des Quartärs möglich. Hingegen lassen heute zugängliche Gipshöhlen nur nacheiszeitliche Funde erwarten, wie beispielsweise im Landkreis Osterode die Kleine Jettenhöhle bei Düna mit holozäner Kleinsäugerfauna und Fundbelegen aus dem mittleren bis späten Neolithikum, der Bronzezeit und der Eisenzeit, sowie die Lichtensteinhöhle bei Förste mit einer Begehungsphase in der späten Bronzezeit. Fauna und Artefakte aus dem Jungpleistozän können allerdings in heute durch Sedimentation wieder verfüllten Gipsschlotten, Kleinhöhlen und Dolinen gefunden werden. Der südwestliche Harzrand mit seinem teilweise bis zu 10 km breitem Zechsteinausstrich bietet somit gute Voraussetzungen für quartärzeitliche paläontologische sowie für ur- und frühgeschichtliche Funde in einer Karst- und Höhlenlandschaft.

Die genannten "Sedimentfallen" des Zechsteinkarstes wurden und werden vor allem bei der Rohstoffsuche angeschnitten und angefahren. Viele der Fundstellen mit Quartärfauna verdanken ihre Entdeckung der seit dem Beginn des industriellen Aufschwungs im letzten Jahrhundert einsetzenden verstärkten Erschließung der einheimischen mineralischen Rohstoffe. Gerade am Südharzrand sind im permischen Zechstein zahlreiche Steinbrüche zur Gewinnung von Gips, Anhydrit, Kalk und Dolomit entstanden. Durch diese Abbautätigkeit wurden und werden recht häufig mit eiszeitlichen Sedimenten verfüllte Karsthohlräume aufgeschlossen. Dabei gelang wiederholt die Entdeckung pleistozäner Säugetierknochen. Anzumerken ist allerdings, daß durch den heutigen modernen Abbau mit Großraummaschinen die Chancen auf Entdeckung von Fossilien und Artefakten immer geringer wird, obwohl bei nahezu jeder zufälligen Einzelbegehung der Bodenabbaubetriebe nach dem Freilegen neuer Schlottenfüllungen auch Funde geborgen werden können.

Außer Einzelfunden kamen bislang auch größere Fundkomplexe zutage, beispielsweise die Großsäugerfunde von Mammuten und Wollhaarnashörnern im Gipsbruch "Peinemann" bei Osterode-Förste und auch im "Niedersachsen-Werk" bei Osterode-Dorste. In beiden Gipssteinbrüchen wurden nach der Entdeckung einzelner Knochen Ausgrabungen durchgeführt. Dabei konnten Großsäugerarten weichselzeitlicher Faunen nachgewiesen werden.

Neben diesen "Notbergungen" und vielen Einzelfunden in Bodenabbaubetrieben und Höhlen wurden im Zechsteinkarst auch Sondier- und Forschungsgrabungen durchgeführt, so vor allem im Dolomitgebiet südöstlich von Herzberg. Bereits klassische Fundstellen sind hierbei die Steinkirche und die Einhornhöhle bei Scharzfeld. Die Steinkirchen-Grabungen von 1925-28 brachten beispielsweise neben rein archäologischem Fundmaterial auch eine beträchtliche Menge an paläontologischen Funden zutage. Insgesamt wurden Knochenreste von fast 50 Wirbeltierarten geborgen.

In der nahen Einhornhöhle wurden bei den verschiedenen Grabungen der letzten 100 Jahre vor allem Säugetierknochen geborgen. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die zahllosen in der Höhle gefundenen Tierknochen für Reste des sagenumwobenen Einhorns gehalten. Heute wissen wir, daß es sich überwiegend um fossile Knochen eiszeitlicher Höhlenbären, aber auch anderer Großsäuger handelt. Bislang konnten aus den Funden dieser Höhlenfauna über 70 Arten bestimmt werden, darunter über 60 Säugetierarten von der Zwergspitzmaus bis hin zu Höhlenlöwen und Riesenhirschen. Die Einhornhöhle ist somit, denkt man auch an die Massen in mehreren Jahrhunderten ergrabener "Einhornknochen" und an die Tausende von Kubikmetern bislang unberührten Sedimentes, eine der reichhaltigsten Fundstellen eiszeitlichen Lebens überhaupt.

Bemerkungen zur Forschungsgeschichte
Die Erforschung der eiszeitlichen Fauna des Südharzes setzte bereits in der frühen Neuzeit ein. Herausragendes Objekt ist auch hier wieder die Einhornhöhle bei Scharzfeld. Sie wurde 1541 erstmals schriftlich erwähnt und bereits 1583 wurde über Grabungen nach Einhornknochen. berichtet. Im 17. Jahrhundert folgten einzelne Befahrungsberichte zur Höhle, u.a. wurde sie 1686 vom Naturforscher G.W.Leibniz aufgesucht. 1784 befuhr auch Goethe die Einhornhöhle. Entgegen diesem schon frühem auch wissenschaftlichem Interesse wurde die Höhle aber weiterhin jahrhundertelang vorrangig von Knochensammlern aufgesucht, bevor Mitte des 19. Jahrhunderts auch hier intensiv eine neuzeitliche wissenschaftliche Erforschung begann.

Die Paläontologie zählt zu einem der ältesten Zweige der Naturwissenschaften. Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts tauchte der Begriff lat. "fossilis" bei Georg Agricola auf. Neben den eigentlichen Harzfossilien erlangten auch gerade Funde von Säugetierknochen und -zähnen im Harzvorland, die schon seit Beginn der frühen Neuzeit in Steinbrüchen und Lehmgruben (Abbau von Schlottenfüllungen) durch Zufall oder, wie in der Einhornhöhle, durch Nachgraben gefunden wurden, Beachtung in den damaligen für die Naturwissenschaften aufgeschlossenen Kreisen, auch wenn die Deutung all dieser Funde aus heutiger Sicht mitunter sehr eigenartig war. Die Knochensuche galt überwiegend dem Einhorn, dessen Reste als "Heilmittel" gepriesen wurden. Bereits seit der Antike, aber vor allem in der mittelalterlichen Medizin wurde den Produkten aus Einhornresten wundertätige Wirkung zugeschrieben. Über die Natur des Einhorns wie auch die Herkunft der Knochen waren sich über Jahrhunderte hinweg sowohl Anwender als auch Apotheker und Forscher unklar. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wiesen Naturkundler wie der Franzose G.Cuvier, Begründer der Wirbeltierpaläontologie und guter Kenner der Südharzfunde, das Einhorn in das Reich der Fabel.

Funde von Knochen und Zähnen großer Tiere beim Mergelabbau in Karstschlotten des Hainholzes bei Osterode-Düna führten 1751 dann zu aufsehenerregendem Fortschritt in der paläontologischen Forschung und einer Erstbeschreibung des Nashornes in der anatomischen Literatur (vgl. Vladi 1979). Insgesamt wurden drei Nashörner in einer Schlotte gefunden. Der Göttinger Anatom Ch.Hollmann erkannte in den Funden bereits einen Faunenwandel und grenzte seine Faunenbeschreibung - immerhin 100 Jahre vor Darvin - deutlich ab von den biblisch orientierten Vorstellungen einer durch die Sintflut verursachten Tierkadaverdrift tropischer Tiere bis in unsere Breiten. Andere Fossilien aus dem Zechsteinkarst, diesmal Knochen und Zähne aus dem Gebiet um Osterode-Ührde, wurden vom Göttinger Naturforscher J.F.Blumenbach untersucht. Er erkannte, daß diese bislang für Reste von Elefanten gehaltenen Funde größer und in ihrer Ausführung abweichend von heute lebenden Elefanten waren und stellte eine neue zoologische Art, Elaphus primigenius (Mammuthus primigenius = Mammut) auf. Zugleich wurde ihm klar, daß diese Tierart wie auch das von Hollmann beschriebene Nashorn = Wollhaarnashorn als kältefeste Großsäuger in einem vormals kühlerem Klima vor Ort lebten. Die Brücke von Knochensammlern und Einhorn-Raubgräbern zur quartärpaläontologischen Erforschung dieser Region war damit geschlagen.
 

Fundstellenübersicht
Im folgenden werden alle heute bekannten Fundstellen mit Quartär-Wirbeltierfauna im Bereich des Landkreises Osterode am Harz mit Kurzangaben zur Entdeckung und Erforschung, zu Grabungen und Fauneninhalt aufgeführt. Die Fundstellennumerierung entspricht der Fundstellenkartei der Archäologischen Denkmalpflege der Landkreisverwaltung. Diese Kartei wird seit 1986 unter Einbeziehung nach der quartärpaläontologischen Fundstellen für das Kreisgebiet fortlaufend erstellt. Die Auflistung erfolgt, nach Gemarkungen abgegrenzt, unabhängig von der zeitlichen Stellung der Funde, in alphabetischer Reihenfolge. Streufunde in räumlich geringer Entfernung werden zusammengefaßt. Für die Tierarten werden die wissenschaftlichen Namen angegeben. Auf die Nennung der Erstbeschreibung wurde, bis auf wenige bewußt angeführte Beispiele, im Rahmen dieser Veröffentlichung verzichtet. Die jeweiligen deutschen Tiernamen sind der Auflistung im Anhang zu entnehmen.

Badenhausen: Gipsbruch Roddewig Fst.Nr. 27 (R 35 83 380; H 57 36 840)
In den 1960/70er Jahren gab es wiederholt Streufunde von eiszeitlichen Großsäugerknochen in diesem Steinbruch. Sickenberg (1969) gibt ebenfalls Badenhausen an, allerdings ohne genaue Fundortbezeichnung. Zusammengefaßt ergeben sich folgende Fundbelege:

Bison priscus, Bos sp., Cervus elaphus, Coelodonta antiquitatis, Mammuthus primigenius, Megaloceras giganteus, Sus scrofa.

Barbis: Bühbergklippe Fst.Nr. 4 ( R 35 97 480; H 57 21 450)
Nachdem er in den 1920er Jahren umfangreiche Grabungskampagnen in der Einhornhöhle und der Steinkirche geleitet hatte, führte der damalige Direktor des Nieders. Landesmuseums Jacob-Friesen 1950 im Bereich Scharzfeld und Barbis erneut Ausgrabungen auf der Suche nach ur- und frühgeschichtlichen Funden durch Eine Suchgrabung an den Barbiser Balmen (FSt.Nr.23) verlief enttäuschend, an der Bühbergklippe wurde eine zusedimentierte Kleinhöhle freigelegt. Als einziger Fund kam hier ein fast 50 cm langer Großsäugerknochen zutage. Dieser Skelettrest eines Riesenhirsches belegt aber eindeutig ein pleistozänes Alter für die Höhlenfüllung.

Megaloceras giganteus: Tibia.

Barbis: Burgruine Scharzfels Fst.Nr. 22 (R 35 97 700; H 57 22 450)
Die Burg Scharzfels war im 12. Jahrhundert auf Klippen des Zechsteindolomits erbaut worden. Kleinhöhlen in diesem Bereich wurden durch die Burgerbauer vollständig verändert, im unteren Burghof befindet sich allerdings ein größeres Abri. Hier ließ Jacob-Friesen 1950 in Rahmen seiner neuen Grabungskampagne einen Suchschnitt anlegen In dem Profil zeigte sich, daß erst in einer Tiefe von 1,30 m unter der heutigen Lauffläche ungestörter Dolomitsand ansteht. In einer Tiefe von über 2 m stieß er auf Höhlenbärenknochen: eine eindeutige Befundlage für ein pleistozänes Alter der Schicht.

Ursus spelaeus: Knochenbruch, Eckzahn, Backenzahn.

Förste: Gipsbruch "Peinemann" Fst.Nr. 17 (R 35 87 540; H 57 33 370)
Im Jahre 1974 wurde bei Abraumbeseitigungsarbeiten im Steinbruch ein Mammutstoßzahn, der sich jetzt in der Ausstellung des Heimatmuseums "Im Ritterhaus" in Osterode befindet, freigelegt. Bei den sofort durch das Geolog. Institut der Universität Göttingen erfolgten Grabungen (Jahnke & Denecke 1976) konnten an dieser Stelle und in einer weiteren Schlotte zahlreiche Säugetierknochen geborgen werden, die neben dem Mammut von nahezu 10 weiteren Arten stammen. Die Zusammensetzung der Säugetierfauna - in Verbindung mit ebenfalls gefundenen Schneckenarten - spricht für eine Datierung der Dolinensedimente in die mittlere Weichsel-Eiszeit. Die Knochen sind somit ca. 30.000 Jahre alt.

Coelodonta antiquitatis: Skeletteile; Mammuthus primigenius: Stoßzahnfragment, Backenzähne, Skeletteile; Rangifer tarandus: Geweihteile; Megaloceras  giganteus: Kiefernbruchstück. Kleinsäuger: Arvicola terrestris, Sorex araneus, Microtus arvalis/agrestris, Lemmus lemmus.

Neuhof: Gipssteinbruch Kranichstein Fst.Nr.1

Bei dieser Fundstelle handelt es sich um einen Gipssteinbruch ca. 2,5 km südöstlich von Bad Sachsa im Höhenzug des Kranichsteins, am Rande der Ortschaft Neuhof gelegen. Geborgen wurden vor allem Anfang der 1950er Jahre immer wieder Großsäugerknochen.

Bos/Bison sp., Coelodonta antiquitatis, Ursus spelaeus, Sus scrofa.

Das Fundgut beinhaltet u.a. den bislang größten in Niedersachsen gefundene Höhlenbärenunterkiefer.

Osterode/ Düna: Kleine Jettenhöhle Fst.Nr.28 (R 35 88 000; H 57 28 000)
In den Jahren 1968 bis 1970 wurden von der "Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Niedersachsen" in der Kleinen Jettenhöhle im Hainholz bei Düna Vermessungsarbeiten und Sondiergrabungen durchgeführt. Neben umfangreichem archäologischem Inventar konnten dabei auch Knochen und Zähne kleiner Säugetiere geborgen werden.

Vulpes vulpes, Microtus sp.; diverse Fledermaus- und Nagetierknochen.

Osterode/ Düna: Großes Schlottenfeld (R 35 88 000; H 57 28 800)
Im Hainholzgebiet wurden zudem 1979 archäologische Sondierungsgrabungen in verschiedenen kleineren Dolinen durchgeführt (Grote 1979). wurde Eine geolog. Alterseinstufung des ergrabenen Fossilfundgutes war nicht möglich.

Bos taurus, Cervus elaphus, Equus caballus, Ovis aries, Sus scrofa.

Osterode: Gipsbruch "Niedersachsenwerk" Fst.Nr.35 (R 35 82 240; H 57 32 200)

1963 waren bei Baggerarbeiten in einer dabei angeschnittenen Doline je ein Bison- und ein Wollnashornschädel geborgen worden. Daraufhin wurden von O. Sickenberg (Hannover) Grabungen an dieser Stelle vorgenommen. Insgesamt konnten 5 Großsäugerarten einer früh-weichselzeitlichen Fauna nachgewiesen werden:

Bison priscus: Schädel und Skeletteile; Coelodonta antiquitatis: Schädel und Skeletteile; Equus sp.: Knochen; Panthera spelaea: Knochen; Rangifer tarandus: Knochen und Geweihteile.

In diesem Steinbruch wie auch in den südlich gelegenen Gipsbrüchen Hannersberg und Harkenfeld sowie weiteren Brüchen bei Förste konnten in den letzten Jahren wiederholt Großsäugerknochen geborgen werden, vor allem von Coelodonta antiquitatis, Mammuthus primigenius, Equus sp. und von Cerviden.

Für den Bereich von Osterode/Förste/Dorste gibt Sickenberg (1969: 102-105) weitere Säugetierfunde in verschiedenen Fundstellen an, bezieht sich dabei aber auch auf ältere Veröffentlichungen. Unter anderem für Förste und Osterode angegeben, in anderen Fundinventaren aber nicht aufgeführt, ist Crocuta spelaea.

Auch in Baugruben im Bereich Osterode (Kälbergraben), Pöhlde und Wulften wurden in den letzten Jahrzehnten vereinzelt Funde von Mammuthus primigenius und Coelodonta antiquitatis gemacht.

Scharzfeld: Steinkirche Fst.Nr.1 (R 35 95 650; H 57 22 980)
Bei den Ausgrabungen Jacob-Friesens, Provinzialmuseum Hannover, nach 1920 an der Steinkirche wurden neben Artefakten und menschlichen Knochenresten auch viele Fossilien geborgen: Wirbeltierknochen von Säugern, Vögeln, Amphibien und Fischen sowie Mollusken-Schalen. Schlosser (1927) führte die Erstbestimmung der Funde durch. Aus der Verteilung der fast 50 Vertebraten-Arten auf die einzelnen Schichten folgerte Schlosser, daß innerhalb der Sedimentationszeit eine Klimaverbesserung eintrat. In den liegenden Schichten herrschen noch kaltzeitliche Formen mit Rangifer tarandus (Rentier) als prägendes Element vor. Diese Fauna, von Sickenberg (1969) ins Alleröd gestellt, wird abgelöst von einer dem Präboreal zugeordneten Fauna, die zwar noch kaltzeitliche Reliktelemente wie Lagopus lagopus und L. mutus enthält, aber bereits durch Talpa europaea (Maulwurf) und Wühlmausarten geprägt ist.

Im ganzen gibt Schlosser folgende, von Zotz (1930) und Sickenberg überarbeitete Wirbeltier-Faunenliste für die Steinkirche an (Nomenklatur aktualisiert):

pleistozäne Schichten:
Sorex alpinus, Sorex minutus; Phodopus sungorus, Lemmus lemmus, Dicrostonyx henseli, Arvicola terrestris, Microtus agrestis, Microtus arvalis, Microtus oeconomus, Microtus nivalis, Microtus gregalis; Lepus timidus, Ochotona pusilla; Alopex lagopus, Vulpes vulpes, Mustela nivalis, Mustela erminea; Rangifer tarandus, Capreolus capreolus, Bos sp., Equus sp.; Lagopus mutus, Lagopus lagopus, Tetrao tetrix, Anas sp., Rallus sp., weitere Vogelarten; Esox lucius, weitere Fischarten.

holozäne Schichten:
Talpa europaea, Sorex alpinus, Sorex minutus; Cricetus cricetus, Lemmus lemmus, Arvicola terrestris, Microtus agrestis, Microtus arvalis, Microtus oeconomus, Microtus gregalis; Alopex lagopus, Vulpes vulpes, Mustela herminea, Mustela krejcii; Capreolus capreolus, Bos sp.; Lagopus mutus, Lagopus lagopus, Tetrao tetrix, Anas sp., Rallus sp., weitere Vogelarten; Rana temporaria; Triton sp., Esox lucius, weitere Fischarten.

Weitere Grabungen waren in der Steinkirche nicht möglich, da durch eine der Jacob-Friesen-Kampagne in den 1930er nachfolgende SS-Grabung, die der Suche "Germanischer Kultstätten" galt, das gesamte Areal Vorplatz und Höhle systematisch durchwühlt wurde und somit für moderne Untersuchungsmethoden keine (Be)funde mehr übrig sind.

Scharzfeld: Einhornhöhle Fst.Nr.2 (Eingang: R 35 97 280; H 57 23 240)
Die Einhornhöhle bietet innerhalb des niedersächsischen Raumes die bislang einmalige Gelegenheit, anhand einer Höhlenfauna vielseitige Auskunft über die hiesige tierische Lebewelt während eines größeren Zeitraumes innerhalb des jüngeren Pleistozäns und zu Beginn des Holozäns zu erhalten. Die Höhle war jahrhundertelang Anziehungspunkt für Knochensammler, die die oberflächennahen Schichten der Sedimentfüllung entsprechend "durchwühlten".

Zwischen 1872 und der Jahrhundertwende führten dann nacheinander R.Virchow, C.Struckmann und P.v.Alten umfangreiche Grabungen in der Höhle durch. Struckmann wies bei Grabungen vor allem in der Blauen Grotte Artefakte und menschliche Knochenreste seit der Zeit des Neolithikums nach. 1905-08 grub die Rudolf-Virchow-Stiftung unter Windhausen und Favreau weiter. Bei allen Grabungen wurden neue Höhlenteile ergraben, so vor allem von v. Alten und später dann von Jacob-Friesen, der 1925/26 u.a. den nach ihm benannten Jacob-Friesen-Gang freilegte. In neuerer Zeit wurden 1956-59 unter der Leitung von Meischner, Göttingen, und 1968 von Duphorn, Hannover, kleinere Grabungen vorgenommen. Beide Kampagnen brachten für die Einhornhöhlenforschung keine Fortschritte.

Bei den letzten Ausgrabungen in den Jahren 1985/86 und 1987/88 konnten für die Einhornhöhle bislang insgesamt fast 60 Vertebraten-Arten nachgewiesen werden, wobei erstmals für nahezu alle untersuchten Schichten auch Kleinsäuger und andere kleinere Wirbeltiere belegt wurden. Ergänzt man diese Funde um das Material früherer Grabungen aus den Jahren 1880 bis 1930, so erhöht sich die Vielfalt dieser Höhlenfauna auf über 70 Arten, darunter über 60 Säugetierarten. Die Auswertung der Grabungskampagne 1987/88 ist allerdings noch nicht abgeschlossen, die wissenschaftliche Bearbeitung vieler der Mikromammalia-Funde steht noch aus. Auch in diesem Fundinventar überwiegen jedoch insgesamt eindeutig Knochenfunde von Höhlenbären.

Da die Bären der Einhornhöhle und eine zugehörige "Begleitfauna" bislang (Schütt 1968, Sickenberg 1969) als "Ursus deningeri v.Reichenau 1906" in die Cromer-Warmzeit gestellt wurden, lag das Schwergewicht der paläontologischen Untersuchungen der aktuellen Grabungen vor allem in der Bearbeitung des neuen Höhlenbärenmaterials, das überwiegend erstmals aus ungestörten Sedimenten geborgen wurde. Die spezifizierte Auswertung des umfangreichen Bärenmaterials und die Grabungsbefunde ergaben, daß die Bärenfunde aus der Einhornhöhle zu einem - wenn auch etwas niedrigen - Stadium der spelaeoiden Evolutionsstufe der Höhlenbären zuzuordnen sind und dem Formenkreis des "Ursusspelaeus Rosenmüller & Heinroth 1793" angehören. Th/U-Datierungen der Bärenschichten zeigen je nach Fundstelle Werte zwischen 40.000 und 170.000 Jahren b.p. an. Diese Datierungsergebnisse heben deutlich hervor, über welch lange Zeiträume hinweg die Höhle von Bärenpopulationen aufgesucht wurde. Die Begleitfaunen des Höhlenbären setzen sich in der Einhornhöhle deshalb je nach Schichtzugehörigkeit und damit auch geologischem Alter unterschiedlich zusammen. Zu bedenken ist allerdings, daß Höhlenfaunen durch verschiedenartige Selektion nur bestimmte Tierarten der jeweiligen Zeitphasen enthalten, das natürliche Artenspektrum somit nicht vollzählig ist.

Eine Zusammenfassung der Fauneninhalte zeitgleicher Fundschichten aus den verschiedenen Grabungsstellen innerhalb der Höhle ergibt die folgende Grobeinstufung der einzelnen Faunenkomplexe:

Holozän (frühes Postglazial bis rezent; Waldfaunen mit teilweise kaltzeitl. Reliktarten, teilweise zudem wärmeliebenden Arten):

Bufo bufo, Rana temporaria, Rana ridibunda; Anguis fragilis; Aves sp.; Erinaceus europaeus, Talpa europaea, Crocidura leucodon, Neomys anomalus, Sorex minutus, Sorex alpinus, Sorex araneus; Rhinolophus hipposideros, Myotis emarginatus, Myotis mystacinus/brandti, Myotis nattereri, Myotis bechsteini, Myotis myotis, Pipistrellus pipistrellus, Barbastella barbastellus, Plecotus auritus; Eliomys quercinus, Glis glis, Muscardinus avellanarius, Micromys minutus, Cricetus cricetus, Apodemus sylvaticus, Apodemus flavicolis, Myophus schisticolor / Lemmus lemmus, Clethrionomys glareolus, Arvicola terrestris, Microtus subterraneus, Microtus arvalis, Microtus agrestis; Felis silvestris, Martes martes, Meles meles, Mustela erminea; Lepus europaeus; Bos primigenius, Capreolus capreolus, Sus scrofa.

Pleistozän (Bereiche der Weichsel-Zeit; überwiegend Offenland- Biotope mit feucht-kühlem Klima):

Talpa europaea; Microtus oeconomus, Microtus sp., Arvicola terrestris; Ursus spelaeus, Canis lupus, Panthera spelaea; Bison priscus.

Pleistozän (Frühweichsel / spätes Eem; Offenland-Biotope bei feucht-kühl bis feucht gemäßigtem Klima):

Pisces indet.; Talpa europaea, Sorex araneus -(Gruppe); Microtus nivalis, Microtus arvalis / agrestis, Microtus oeconomus, Clethrionomys glareolus, Arvicola cantiana-terrestris; Canis lupus, Ursus spelaeus, Panthera spelaea; Cervidae indet.

Pleistozän (Eem; Waldfauna mit wärmeliebenden Arten; feucht-warmes Klima ):

Bufo bufo; Talpa europaea, Sorex araneus -(Gruppe); Myotis emarginatus, Myotis bechsteini, Myotis daubentoni, Myotis dasycneme, Plecotus auritus; Eliomys quercinus, Glis glis, Apodemus sylvaticus / flavicollis, Microtus arvalis / agrestis, Clethrionomys glareolus, Arvicola cantiana-terrestris; Ursus spelaeus, Felis silvestris, Panthera spelaea.

Zusätzliche Funde in gestörten Schichten und zeitlich nicht näher einzuordnenden Grabungsstellen sowie weitere Arten aus Fundinventaren älterer Grabungskampagnen:

Sciurus vulgaris, Dryomys nitedula; Mustela nivalis, Vulpes vulpes, Ursus arctos, Lutra vulgaris, Gulo gulo; Lepus timidus, Lepus sp.; Bos/Bison sp.; Cervus elaphus, Megaloceras giganteus, Didermoceros hemitoechus, Equus spec.; ferner die Haustiere Pferd, Rind, Schaf, Ziege und Hund.

All diese Funde stammen nur aus den maximal oberen zwei Metern Sediment einer, wie Peilstangenbohrungen ergaben, bis zu 30 m mächtigen Lockergestein-Höhlenfüllung. Durch diese Bohrungen wurden die Dimensionen der Einhornhöhle und ihres potentiellen Fossilreichtums erst erkennbar, weisen doch zudem alle bislang ergrabenen Schichten bereits ein recht hohes Fossilaufkommen auf. Zum heutigen Zeitpunkt sind allerdings noch keinerlei Aussagen über Alter, Fauna und auch mögliche archäologische Befunde der tieferen Sedimentschichten zu treffen.

Die Fossilinventare der genannten Grabungskampagnen verteilen sich auf mehrere Institutionen: Geologischen Institutes der TU Clausthal, Heimatmuseum Osterode, Nieders. Landesmuseum Hannover, Neben den genannten Aufbewahrungsorten von Fossilmaterial aus der Einhornhöhle gibt es sich noch eine Fülle an Kleininventaren. Einzelfunde befinden sich beispielsweise im Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld oder im Goslarer Museum, auch in der BGR Hannover. U.a. durch diverse Raubgrabungen, die auch in jüngster Zeit noch durchgeführt wurden, ist ein unbekanntes Quantum an Einhornhöhlenfunden in privater Hand und somit für die Forschung nicht zugänglich.

Scharzfeld: Abris am Schul-Berg Fst.Nr. 10,11,12,25,27,29
(mehrere Fundstellen um R 35 96 100; H 57 23 000)
Die neben der Steinkirche und der Einhornhöhle im Dolomitkarst der Umgebung von Scharzfeld vorhandenen weiteren Kleinhöhlen und Abris weisen ebenfalls quartäre Faunenreste auf. Untersucht wurden die Abris am Schulberg und dem Steinberg von Zotz (1930), die Bestimmungsarbeiten der Vertebraten wurden wie auch bei den Steinkirchen-Funden von Schlosser durchgeführt. Eine Zusammenfassung der Grabungsbefunde unter Einbeziehung der zeitlichen Stellung der Faunen erfolgte durch Grote (1982). Beide Autoren geben die folgenden Fundkomplexe an (die Wirbeltiernamen wurden jetzt der gültigen Nomenklatur angepaßt):

Abri Schul-Berg/ Jugendheim (überwiegend holozäne Formen):
Vesperugo sp.; Erinaceus europaeus; Arvicola terrestris, Microtus oeconomus, Clethrionomys glareolus, Apodemus sylvaticus; Vulpes vulpes; Capreolus capreolus; Bufo bufo, Rana esculenta.

Abri Schul-Berg/ Felsenburg (überwiegend holozäne Formen):
Vespertilio sp.; Arvicola terrestris, Microtus sp.; Lepus timidus; Felis silvestris; Capreolus capreolus, Cervus elaphus, Sus scrofa, Bos sp., Ovis sp.; Rana esculenta; Gallus sp., Turdus sp., Coccothraustes sp..

Abri Schul-Berg/ Lüttje Kammer (obere holozäne Schichten):
Bufo bufo; Sciurus vulgaris, Castor fiber; Lepus timidus; Felis silvestris, Vulpes vulpes, Martes martes; Sus scrofa, Ovis sp., Cervus elaphus, Capreolus capreolus; Corvus sp., Nucifraga caryocatactes, Picus sp..
Abri Schul-Berg/ Lüttje Kammer (liegende Schicht mit holozänen "Wühlern", aber auch pleistozänen Formen):

Sorex araneus; Cricetus cricetus, Arvicola terrestris, Microtus agrestis, Microtus arvalis, Microtus oeconomus, Dicrostonyx henseli, Apodemus sylvaticus; Lepus sp.; Mustela nivalis, Mustela krejcii; Rana sp., Salamandra salamandra; Lagopus lagopus; Ardea sp.;Pisces indet..

Abri Schul-Berg/ Wasserwerk (holozäne Formen):
Erinaceus europaeus; Castor fiber, Microtus sp.; Lepus sp.; Lynx lynx, Vulpes vulpes, Meles meles; Capreolus capreolus, Bos sp., Cervus elaphus; Rana sp.; Columba sp., Corvus sp., Gallus sp., Lagopus lagopus, Tetrao tetrix, Aves indet..

Abris Steinberg:
Cricetus cricetus; Sus scrofa, Bos sp.; Vulpes sp., Martes martes.

Die genannten Abris sind größtenteils vollständig gegraben und teilweise durch Straßenbautätigkeit in den 1970er Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen worden, moderne Untersuchungen somit nahezu ausgeschlossen. Abris-Grabungen im potentiellen Fundgebiet der Einhornhöhle stehen allerdings insgesamt noch aus, wobei an den Brandköpfen und den Rottsteinklippen eine Vielzahl an Abris und zusedimentierten Kleinhöhlen, u.a. die Kaiserklippenhöhle im Bereich eines heute zerfallenen, ursprünglichen Höhlenportals der Einhornhöhle, vorhanden ist

Walkenried
Ohne genaue Fundlokalitäten gab schon Struckmann (1884) für Walkenried nur eine Fossilliste an, die von Sickenberg (1969) und auch hier nur wiederholt werden kann:

Bison priscus, Bos primigenius, Cervus elaphus, Coelodonta antiquitatis, Equus sp., Rangifer tarandus.
 

Ausblick
Der vorliegende Beitrag hat u.a. aufgezeigt, daß sich zwar bereits "Generationen" von Paläontologen und Urgeschichtlern mit der Materie Südharz-Quartärsäugetiere befaßt haben, die Erforschung dieses Fachbereiches aber noch lange nicht abgeschlossen ist. Im Gegenteil, gerade durch die letzten Untersuchungen der Einhornhöhle und ihrer Umgebung wurde deutlich, daß hier noch viele paläontologische und archäologische Funde der Entdeckung harren. Ein reiches Betätigungsfeld zukünftiger interdisziplinären Grabungen.

Schriftenverzeichnis:
In dem Schriftenverzeichnis sind die wichtigsten Beiträge der letzten 100 Jahre zur Quartärpaläozoologie des südestlichen Harzrandes enthalten. Eine vollständige Bibliographie zu diesem Thema wurde vom Verfasser in der Kunde Jg. 94, veröffentlicht. Angaben zur älteren, auch forschungsgeschichtlich interessanten Literatur sind dem Beitrag Vladi (1979) über die Nashornfunde zu Düna zu entnehmen. Er gibt hierin einen Überblick über die Anfänge der paläontologischen Erforschung des Südharzkarstgebietes und führt u.a. die in der frühwissenschaftlichen Phase der Paläontologie richtungsweisenden Werke von Hollmann (1753;'54;'76) und Blumenbach (1803;'08;'13;'16) an.

Neben der alphabetischen Auflistung werden im folgenden auch kurze Anmerkungen zum Inhalt der jeweiligen Titel gegeben.

Alten, Paul von, 1907: Die Ausgrabungen in der Einhornhöhle bei Scharzfeld (Südharz). - Der Harz 2&3, 14.Jg.: 35-49 & 65-75; Quedlinburg. (Grabungsberichte).

Grote, Klaus, 1979: Steinzeitliche Wildfanggruben im Naturschutzgebiet Hainholz bei Düna, Kr. Osterode am Harz. - Heimatbl. südwestl. Harzrand, H.35: 55-62, 9 Abb.; Osterode. (Grabungsbericht 1979 mit Fauna).

-"-, 1982: Die Felsschutzdächer (Abris) im südniedersächsischen Bergland - Ihre archäologischen Funde und Befunde - . - Nachr. aus Nieders. Urgeschichte (NNU) 51: 17-70, 27 Abb., 2 Tab.; Hildesheim. (52-57: Abris und Höhlenvorplätze am südwestlichen Harzrand; mit Abgabe der Tierknochenfunde).

Jahnke, H. & Denecke, W., 1976: Neue Funde von Fauna des Jungpleistozäns bei Osterode. - Heimatbl. südwestl. Harzrand, H.32: 48-60; Osterode. (Grabung 1974 Gipsbruch Peinemann bei Förste).

Jacob-Friesen, Karl-Hermann, 1926: Die Einhornhöhle bei Scharzfeld, Kreis Osterode a. Harz. - Führer zu urgeschichtlichen Fundstätten Niedersachsens, Nr.2: 34 S., 10 Abb.; Hannover. (Ausführlicher Höhlenführer mit Beitrag zum Einhorn und zur Höhlenfauna).

Nielbock, Ralf, 1987: Holozäne und jungpleistozäne Wirbeltierfaunen der Einhornhöhle/Harz. - Dissertation TU Clausthal: 194 S., 121 Abb., 21 Tab.; Clausthal. (Paläontologisch-biostratigraphische Untersuchungsergebnisse der Höhlengrabungen 1985-87).

-"-, 1989: Die Tierknochenfunde der Ausgrabungen 1987/88 in der Einhornhöhle bei Scharzfeld. - Arch. Korrbl. 19: 217-230; Mainz. (Paläontologischer Vorbericht zur Grabung 1987/88).

-"-, 1990: Die Einhornhöhle - ein quartärwissenschaftliches Kleinod im Südharz. - Mitt. Verb. dt. Höhlen- & Karstforscher, H.36(2): 24-27; München. (Bericht zum Forschungsstand 1990, incl. einer aktuellen Faunenliste).

-"-, 1994: Quartärfaunen am südwestlichen Harzrand. - Die Kunde N.F.45: 191-220, 16 Abb. Tab.; Hannover (Überblick über alle Fundstellen und Grabungen; Biblographie).

Schlosser, Max, 1927: Die Mikrofauna aus der Steinkirche bei Scharzfeld am Harz. - Centralbl. Miner. Geol. Paläont., Abt. B: 211-215; Stuttgart. (Faunenauswertung und -liste).

Schütt, Gerda, 1965: Die cromerzeitlichen Bären aus der Einhornhöhle bei Scharzfeld. - Mitt. Geol. Inst. TH Hannover, H.7: 120 S.; Hannover. (Diss. über Höhlenbären-Altfunde).

Sickenberg, Otto, 1964: Neue Säugetierfunde aus dem Gipskarst von Osterode/Harz. - Mitt. Geol. Inst. TH Hannover, H.2: S. 12 ff; Hannover. (Knochenfunde im Gipsbruch Niedersachsenwerk bei Dorste 1963).

-"-, 1969: Die Wirbeltierfaunen der Höhlen und Spalten des Harzes und seines südlichen Vorlandes. - in: Hermann, A. und Pfeiffer, D. (Schrlt.): Der Südharz - seine Geologie, seine Höhlen und Karsterscheinungen. - Jh. Karst- und Höhlenkunde, Nr. 9: 91-106; München. (Faunenübersicht Gipskarst, Scharzfeld und Rübeland).

Struckmann, Carl, 1883: Die Einhornhöhle bei Scharzfeld am Harz - Ein Beitrag zur Urgeschichte des nordwestlichen Deutschlands. - Archiv Antrhopologie, Bd. XIV: 191-234, 3 Taf.; Braunschweig. (Bericht zum Forschungsstand).

-"-, 1884: Über die in der Provinz Hannover aufgefundenen fossilen und subfossilen Reste quartärer Säugethiere. - 33. Jber. nat.hist. Ges. Hannover: 1-54; Hannover (1882-1884). (Faunenlisten).

Vladi, Firouz, 1979: Die Nashornfunde zu Düna (NSG Hainholz) vom Jahre 1751. - Heimatbl. südwestl. Harzrand, H.35: S.39 ff; Osterode. (Beitrag zur paläontologischen Forschungsgeschichte).

Zotz, Lothar, 1930: Die vorgeschichtliche Besiedlung des Schulberges und Steinberges bei Scharzfeld, und das Auftreten diluvialer Sande daselbst. - Jb. Preuß. Geolog. Landesanstalten; Bd.51/1: 106-129, 9 Abb.; Berlin. (Grabungsbericht mit Faunenliste).
 

Anhang:
Zusammenstellung der zoologischen Nomenklatur und der jeweiligen deutschen Namen aller in diesem Bericht und in der weiteren Literatur über Eiszeitfaunen am Südharz aufgeführten Wirbeltierarten:

Alopex lagopus = Eisfuchs
Anas sp. = Enten-Art
Anguis fragilis = Blindschleiche
Apodemus flavicolis = Gelbhalsmaus
Apodemus sylvaticus = Waldmaus
Arvicola cantiana-terrestris
= eiszeitl. Schermaus
Arvicola terrestris = Schermaus
Aves sp. = Vogel-Art
Barbastella barbastellus = Mopsfledermaus
Bison priscus = Steppenwisent
Bos primigenius = Wisent
Bos sp. = Rinder-Art
Bufo bufo = Erdkröte
Canis lupus = Wolf
Capreolus capreolus = Reh
Castor fiber = Biber
Cervidae indet. = Hirsch-Art
Cervus elaphus = Rothirsch
Clethrionomys glareolus = Rötelmaus
Coelodonta antiquitatis = Wollhaarnashorn
Columba sp. = Tauben-Art
Corvus sp. = Krähen-Art
Cricetus cricetus = Feldhamster
Crocidura leucodon = Feldspitzmaus
Crocuta spelaea = Höhlenhyäne
Dicrostonyx henseli = Lemmingart
Didermoceros hemitoechus
= eiszeitl. Nashornart
Dryomys nitedula = Baumschläfer
Eliomys quercinus = Gartenschläfer
Erinaceus europaeus = Igel
Equus sp. = Pferde-Art
Equus spec. = hier: mittelpleist. Pferdeart
Esox lucius = Hecht
Felis silvestris = Wildkatze
Galus sp. = Hühner-Art
Glis glis = Siebenschläfer
Gulo gulo = Vielfraß
Lagopus mutus = Alpenschneehuhn
Lagopus lagopus = Schneehuhn
Lemmus lemmus = Berglemming
Lepus europaeus = Feldhase
Lepus timidus = Schneehase
Lutra vulgaris = Fischotter
Lynx lynx = Luchs
Mammuthus primigenius = Mammut
Megaloceras giganteus = Riesenhirsch
Martes martes = Baummarder
Meles meles = Dachs
Micromys minutus = Zwergmaus
Microtus agrestis = Erdmaus
Microtus arvalis = Feldmaus
Microtus gregalis = Wühlmausart
Microtus nivalis = Schneemaus
Microtus oeconomus = Nordmaus
Microtus subterraneus = Kurzohrmaus
Muscardinus avellanarius = Haselmaus
Mustela erminea = Hermelin
Mustela krejcii = eiszeitl. Wieselart
Mustela nivalis = Mauswiesel
Myophus schisticolor = Waldlemming
Myotis bechsteini = Bechstein-Fledermaus
Myotis dasycneme = Teichfledermaus
Myotis daubentoni = Wasserfledermaus
Myotis emarginatus = Wimperfledermaus
Myotis mystacinus/brandti
= Bartfledermäuse
Myotis myotis = Mausohr
Myotis nattereri = Fransenfledermaus
Neomys anomalus = Sumpfspitzmaus
Ochotona pusilla = Pfeifhase
Ovis sp. = Schaf-Art
Panthera spelaea = Höhlenlöwe
Phodopus sungorus = Lemmingart
Pipistrellus pipistrellus
= Zwergfledermaus
Pisces indet. = Fisch-Art
Plecotus auritus = Braunes Langohr
Rallus sp. = Rallen-Art
Rana esculenta = Wasserfrosch
Rana temporaria = Grasfrosch
Rana ridibunda = Seefrosch
Rangifer tarandus = Rentier
Rhinolophus hipposideros
=
Große Hufeisennase
Salamandra salamandra = Feuersalamander
Sciurus vulgaris = Eichhörnchen
Sorex alpinus = Alpenspitzmaus
Sorex araneus = Waldspitzmaus
Sorex minutus = Zwergspitzmaus
Sus scrofa = Wildschwein
Talpa europaea = Maulwurf
Tetrao tetrix = Birkhuhn
Ursus arctos = Braunbär
Ursus spelaeus = Höhlenbär
Vespertilio sp.= Glattnasen-Fledermausart
Vulpes vulpes = Fuchs


Referent:
Dipl.-Geol. Dr. Ralf Nielbock, Im Strange 12,
37520 Osterode am Harz