Buchbesprechung:

Heiko Steuer und Ulrich Zimmermann (Hrsg.)

Alter Bergbau in Deutschland

Brosch., 128 S. mit 122 Abb., Stuttgart (Konrad-Theiss-Verlag) 1993, Sonderheft von "Archäologie in Deutschland"; ISBN 3-8062-1066-7.

Das vorliegende Buch zeigt die gesamte Entwicklung des Bergbaus in historisch-chronologischer Reihenfolge der Kulturepochen, die ja eng an die Innovationssprünge in der Rohstoff- und Erzgewinnung sowie Metallverarbeitung angeknüpft sind. Die von 11 Fachautoren verfaßten Kapitel sind entsprechend - mit den mineralischen Rohstoffen der Steinzeit beginnend bis hin zur technischen Revolution des Bergbaus im Mittelalter - aneinandergereiht. Zu den einzelnen Beschreibungen geben šbersichtskarten die jeweiligen Lagerstätten, Abbaugebiete und Fundpunkte an, beispielsweise für Blei/Silber den Rammelsberg und Bad Grund oder für Eisen die Ortschaft Lerbach.

Im Anschluß wird auch über die neuen Forschungszweige Bergbauumweltbelastung und Bergbauspuren/Montanarchäologie berichtet. In einer folgenden Auflistung von 107 Museen und Schaubergwerken ist bereits die erst kürzlich wieder aufgefahrene Scholmzeche in Bad Lauterberg aufgeführt, das Bergbaumuseum in Bad Grund fehlt jedoch leider.

Dem Harzgebiet insgesamt, einer bereits frühzeitig durch den Bergbau geprägten Industrielandschaft, begegnen wir in etlichen Kapiteln. Auf der Karte der steinzeitlichen Feuersteinbergwerke wegen fehlender Flintvorkommen noch ein weißer Fleck, werden auch für die Bronzezeit und Eisenzeit noch kein Angaben gemacht, obwohl es neuerdings gute Forschungsansätze gibt. Die Bergbau-Nachweise für den Harz setzen erst im 3.Jahrhundert ein. Hierbei spielt die frühe Siedlung Düna eine Schlüsselrolle, aber auch die frühmittelalterlichen Verhüttungsplätze von Badenhausen und Gittelde werden aufgeführt (S.79ff). Alle drei werden auch als "frühe Bergstädte" tituliert. Herausgehoben wird die Bedeutung gerade des Harzer Kupfers für ganz Mitteleuropa bis zum 14. Jahrhundert. Ausführlich widmet sich das Buch der technischen Revolution des Bergbaus und Hüttenwesens im Mittelalter, hier geht es vor allem um den Einsatz der Wasserkraft auch im Harz.

"Alter Bergbau in Deutschland" zeigt nicht nur allgemein die Chronologie der Montangeschichte bis ins 16. Jahrhundert auf, anhand etlicher Beispiele aus dem hiesigen Bereich spiegelt sich auch gut die Bergbauentwicklung des Harzes wieder.

Buchbesprechung:

Preussag Metall AG (Hrsg.)

Das Erzbergwerk Grund

Gebund., 149 S. und 196 Abb. , Goslar/Hannover (Preussag Metall AG) 1992.

Anläßlich der Grubenschließung herausgegeben, wird in dieser Publikation die Entwicklung des Bergbaus in und mit der Bergstadt Bad Grund sowie die Betriebsgeschichte des Erzbergwerkes Grund (EBG), der jüngsten, letzten und bedeutendsten Grube des Oberharzer Gangerzrevieres, dargestellt.

Ausgehend von den Erzlagerstätten und ihrer Genese wird chronologisch die Entwicklung der Grunder Gruben bis hin zum modernen Betrieb des EBG beschrieben. Herausgestellt werden auch die Anfänge des Bergbaus und damit der Siedlung selbst: Eisensteingewinnung am Iberg und damit verbunden Erlaßd er ersten Bergfreiheit des Harzes für Grund im Jahre 1532. Eingerahmt von zahlreichen historischen Stichen, Darstellungen, Karten und Rißzeichnungen wird die wechselvolle Geschichte der dortigen Grubenbetriebe beschrieben. Hierbei geht es den Autoren nicht nur die rein bergbaukundlichen und technikgeschichtlichen Daten und Fakten, es werden auch die wirtschaftspolitischen, verwaltungshistorischen und sozialgeschichtlichen Aspekte während der letzten Jahrhunderte durchleuchtet. Die Darstellung der letzten 100 Jahre des Grundner Bergbaus ist zudem durch das umfangreiche eingearbeitete Fotomaterial gut dokumentiert.

Anhand der Grube Hilfe Gottes, 1831 aufgenommen, wird ausführlich die technische Entwicklung von Abbau, Förderung und Aufbereitung der Grundner Buntmetallerze geschildert. Die Betriebsperiode als Grubenbetrieb der Preußischen Bergwerks- und Hütten AG (PREUSSAG) ab 1923 bis zur Stillegung 1992 wird detailliert behandelt, vor allem die letzte Blüteperiode ab 1948 mit u.a. der Inbetriebnahme des Wiemannsbuchtschachtes 1951 und dem Einsatz modernster Technologie wie dem Beton-Pumpversatz-Verfahren zum Rückbau abgebauter Erzlager.

Der vorliegende Band, vor allem gedacht als Gabe an die Betriebsangehärigen des EBG zur Grubenschließung 1992, ist zudem ein immens wichtiger Beitrag zum Montanwesen des Harzes und sollte zur Pflichtlektüre für jeden an der Harzer Bergbaugeschichte Interessierten werden.


Beitrag für:

"Kunstdenkmäler und Museen im Harz"

Bergbaumuseum "Schachtanlage Knesebeck" Bad Grund (Harz)

Einleitung:

Die Entstehung der Ansiedlung "im Grunde" Anfang des 15. Jahrhunderts lag im Bergbau begründet, Geschichte und Entwicklung der Stadt Bad Grund waren bis in die Gegenwart immer eng mit ihm verknüpft. Am Iberg, heutzutage durch die "Iberger Tropfsteinhöhle" weit bekannt, wurde lange vor dem Jahr 1500 Eisenstein abgebaut, mindestens bis ins frühe 16. Jahrhundert reicht auch der Bergbau auf Blei und Silber zurück. Bereits 1524 erhielt die Stadt die erste Bergfreiheit des Harzes, 1532 wurde Grund freie Bergstadt.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte folgten Perioden reicher Ausbeute allerdings immer wieder Zeiten, in denen die Grundner Blei- und Silbergruben zum Erliegen kamen, so auch im Bereich der Grube "Hilfe Gottes". Auf der Suche nach lohnenden Erzvorkommen wurde der Bergbau hier 1831 erneut aufgenommen. Es folgte die erfolgreichste Betriebsphase eines Bergwerks des Oberharzer Gangerzreviers. Das "Erzbergwerk Grund", das sich aus den ersten Versuchsbauen der neuen Grube "Hilfe Gottes" entwickelte, war das jüngste, zudem ergiebigste und bedeutendste. aber auch letzte Bergwerk dieser Region. Insgesamt wurden hier, auf dem sog. "Silbernaaler Gangzug", fast 20 Mio. Tonnen silberhaltige Blei-Zink-Erze gefördert: die größte und metallreichste Lagerstätte des Oberharzes. Das Erzbergwerk Grund förderte bis 1992.

Der Knesebeck-Schacht:

Die Schachtanlage Knesebeck ist Bestandteil des Erzbergwerkes Grund, das zu Beginn der 90er Jahre noch vier Schächte in Gebrauch hatte: Neben dieser Einrichtung den Achenbachschacht (in Nachfolge des ersten Hilfe-Gottes-Schachtes) als Hauptförderschacht, den Wiemannsbucht-Schacht und den Westschacht. Der Knesebeck-Schacht wurde ab 1855 abgeteuft und erreichte nach mehrmaliger Erweiterung eine Endteufe von knapp 500m. Bis 1974 war der Schacht für die Befahrung und Versorgung der Grube in Betrieb und dient bislang noch als Wetterschacht. 1980 wurde damit begonnen, auf dem Gelände und in den Werksgebäuden der Schachtanlage Knesebeck ein Bergbaumuseum anzusiedeln. Das Museum wurde 1986 eröffnet und befindet sich in Besitz und Trägerschaft der Bergstadt Bad Grund (Harz). Es ist das einzige seiner Art im Westharz, das die technische Entwicklung einer Schachtanlage des Gangerzbergbaus über den Zeitraum der letzten 150 Jahren von Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zum jetzigen Betriebsende anhand von Orginalsubstanz komplex darstellen kann.

Die museale Einrichtung "Schachtanlage Knesebeck" beinhaltet in ihrem momentanen Zustand drei Einheiten: Neben dem Denkmalensemble der Schachtanlage selbst bilden die Darstellung der technischen Entwicklung des Bad Grundner Erzbergbaus durch Untertagegerätschaften und -fahrzeuge in einer Freigelände-Präsentation und die derzeitige Ausstellung "Rohstoffquelle Harz", in der etliche mineralische Rohstoffe des Harzes sowie ihre Verarbeitungs- und Endprodukte vorgestellt werden, die Schwerpunkte des Museums.

Technisches Denkmal:

Zur Knesebeck-Anlage, einem ca. 5000 m² großen Areal, gehören ein Betriebsgebäude mit Schachthalle, Kaue, Trafostation sowie Kompressorenhalle, ferner das Fördermaschinenhaus, ein Lüftergebäude und als singuläres Montandenkmal von überregionaler Bedeutung der 47 m hohe "Hydrokompressorenturm". Er bildet den bergbauhistorisch herausragenden Mittelpunkt des Ensembles. Der Turm wurde 1912 erstmals errichtet und diente zusammengehörig mit weiteren über- und untertägigen wasserführenden Einrichtungen bis 1977 zur Drucklufterzeugung für die Grube. Das Fördermaschinenhaus mit dem Fördergerüst wurde in Nachfolge älterer fördertechnischer Einrichtungen und Bebauungen 1923 errichtet. Zugleich wurden strombetriebene Kompressoren installiert. Durch den immer größeren Bedarf an Druckluft ergänzten sie die Hydrokompressorenanlage. Einer der Kompressoren ist in der 1952 erweiterten Kompressorenhalle noch erhalten. Diese wird jetzt für die Museumsausstellung genutzt.

Neben den moderneren Betriebsanlagen befinden sich auf dem Gelände des Knesebeck-Schachtes Relikte des historischen Bergbaus. Zu nennen sind hier ein 1894 angehauener Suchstollen und vor allem die noch gut erhaltenen Substruktionen der übertägigen Kunst - und Kehrradstube aus der ersten Betriebsphase des Schachtes sowie die zugehörigen bis zum heutigen Tage intakten Wasserläufe. Dieser z.T. auch untertägige wasserwirtschaftliche Bereich soll ab 1995 stufenweise in den Museumsbetrieb mit einbezogen werden.

Das gesamte Ensemble zeigt in situ deutlich die technische Entwicklung des Bergbaus von älteren Techniken wie der jahrhundertelang ausschließlich genutzten Wasserkraft hin zu pneumatischen und elektrischen Antriebsarten:

Wasserkraftmaschinen - Druckluftantrieb; Hydrokompressor - Stromkompressor; Wasserräder - elektrische Fördermaschine; Wetterschächte (Lichtlöcher) - Grubenlüfter (Elektroventilator).

Ausstellung:

In der ca. 100 m² großen Kompressorenhalle werden momentan Mineralien sowie Erze und deren Aufbereitungs- und Verhüttungsprodukte aus den Grubenrevieren Bad Grund und Goslar (Rammelsberg) gezeigt, ferner neben weiteren die Rohstoffe Kalk (Steinbruch Winterberg bei Bad Grund), Gips/Anhydrith (Abbaubetriebe bei Osterode), Dolomit (Scharzfeld) und Baryt (Schwerspatgruben bei Bad Lauterberg) sowie deren Verarbeitungsprodukte. Aus dem Bereich des Grundner Bergwerks finden sich in der Ausstellung mehrere dreidimensionale Glaskasten-Grubenmodelle, eine Fotoserie über untertägige Arbeitsvorgänge in den 50er bis 70er Jahren, unterschiedlichste Gerätschaften sowie Uniformteile und Fahnen, desweiteren allgemeine Abbildungen und Illustrationen zur Geschichte des Bergbaus. In der Ausstellung wird zukünftig der Dokumentation des historischen bis modernen Grundner Eisenstein- und Gangerzbergbaus mehr Gewicht gegeben.

Freigelände:

Das großflächige Plateau der Abraumhalde der am Berghang gelegenen Bergwerksanlage wird als Museums-Freigelände genutzt. Hier sind bislang etliche ältere Untertage-Fahrzeuge aus dem Bad Grundner Erzrevier unter verschiedenen Ausbau-Nachbauten ausgestellt. Herausragendes Exponat ist eine 1914 erbaute E-Lok, die über 60 Jahre lang in der Grube ihren Dienst verrichtete. Durch die Bergwerksschließung bedingt, konnten jetzt alle in den letzten Jahrzehnten untertage eingesetzten Fahrzeugtypen von einfachen Loren bis hin zu dieselgetriebenen Großraumförderwagen der neuesten Bauart in den Fundus des Museums aufgenommen werden. Die Freigelände-Ausstellung wird momentan um einen größeren Streckennachbau erweitert, um den Arbeitseinsatzes dieser Fahrzeuge darstellen zu können.

Dr. Ralf Nielbock