Der Knabe aus Gittelde und die Jungfer von Burg Staufenburg

(Niederdeutsch, in der Mundart von Gittelde)

In Gittelde is en armen Taglöhner ewest, dä hät en Sohn hat, dä is twei Jahr olt ewest, dä gaht hen in't Feld un willt wickeln (Garben binden). Sau sett se düssen Jungen hen sau in de Foor (Furche), un na ne korte Tiet fänget düsse Junge op einmal sau'n fürchterlich Geschrichte an. Da löppet hei nu flugs (gleich) hen, da hät sik düssen Jungen saune Blinder-Schlange umme'n Hals eschlungen. Da lopet se'r midde na Hus, un willt er midde na'n Dokter, un hät dacht dä Schlange solle schneen (abgeschnitten, operiert) weeren. Awer kein Dokter hät wollt dä Schlange schnien, denn keinder hat 'er konnt en Kop anne finnen, kein Enne un keinen Anfang hät se 'r konnt anne finnen. Düsse Junge aber hät sik sau ower dä Schlange freut un hät esägt, dat düt sien Vogel wörre. Na'n Jahre nu da gaht se wedder up dat Stücke (Feld), da sett se dat Kind weer up düsse Steee, da fänget dat en Geschrichte an: »Sien Vogel wörre weg, un da wörre rin kropen.« Da lopet dä Lüe hen un langet en Gefäß (Gerät, Spaten) un willt dä Schlange rooen, dat se da ut hervorsall, un endlicher Wiese komet se nu up dä Schlange up, un da kummt dä Schlange ut den Locke ruter. Da willt se dä Schlange kriegen un willt dä in de Stube setten oder in sau'n olt Buer. Aber düsse Schlange dä lät sik nich holen un maket wedder in den Lokke rinter. Da fänget se wedder an te rooen, da komet se hen up en Kettel vull Geld. Un weil se hen up dat Geld komet, düsse Lüe, sägt düsse Schlange, als nu wörre sei erlöst, sei wörre 'ne verwünschte Prinßessinne von de Staufenborg. Düt Geld dat härre sei da verbuldert (eingegraben) un sei härre't all up mehrerlei Art emaket, dat se härre wollt erlöset sien, sei härre all sau schöne Blaumen up dä Stelle da eruter wassen laten un dä härren dä Lüe nich eacht un nich edan (ganz und gar nicht geachtet), dä Lüe härren sollt man dä Blaumen nafolgen, wu dä dicken Wörteln henewieset härren, denn wörren se up dat Geld henekomen un denn wörre sei erlöset ewest. Dä Lüe härren awer den Stamm (Wurzel) von dä Blaumen nich naefolget un härren dä Blaumen afferetten un rümmerher esmetten. Na einiger Tiet hät dä Junge frien wollt un da is hei wedder up düsse Stelle gahn un hät wollt Geld seuken. Da kümmt en witt Männeken un sägt: hei soll man hen gahn nar Borg, da wörre 'n Gang, da kreigte hei wat. Sau weil hei na düsse Borg henkümmet, sau sägt da düsse Prinßessinne: »Mein Sohn, was wünschest Du?« Da sägt hei, hei wolle frieen un datau soll sei öne 'n betten Geld gewen. Da sägt se, wu hei dat von gewahr eworren wörre, dat sei hier wörre. Da sägt hei, hei härre dat ehört, dat siene Oeldern härren vor öne dat veele Geld ekregen, aber hei härre da nist von ekregen un nu härre öne düt witte Männeken da esägt, dat sei da wohne. Da kricht hei en paar Stapels Gold, düsse Bursche, taur Hochtiet. Da willt dä Oeldern wedder dat Geld hewwen, aber hei hät et nich heregewen, hei hält da Hochtiet vor. Da dä Hochtiet ut is, da stirft düsse junge Mann.