Der Ritter von der Schnabelsburg

Ueber dem Barfüßerthor in Nordhausen ist das Wappen der Stadt in Stein ausgehauen angebracht, und das besteht wie das am Rathhause aus einem Schild mit einem Adler und einem geschloßenen Helm mit Büffelhörnern. Das ganze ist hier indeß aus zwei Steinen zusammengesetzt, die sich etwas verrückt haben, und während der Helm auf dem oberen noch gut erhalten, ist der Stein mit dem Schilde verwittert und schwer zu erkennen. Davon erzählt man, der Helm solle den Kopf eines Ritters von der Schnabelsburg vorstellen, der früher auf dem Schnabel bei Salze, gegenüber dem hannöverschen Zoll gehaust hat. Der war nämlich ein Raubritter und lag immer mit den Nordhäusern in Fehde und trieb ihnen die Heerden weg, oder plagte sie anderweitig. Da sie aber nichts mit Gewalt gegen ihn vermochten, beschloßen sie endlich, zur List ihre Zuflucht zu nehmen. Sie stellten sich nämlich, als wollten sie ihm die Schnabelsburg, da sie der Stadt so nahe läge, abkaufen, und forderten ihn deshalb auf, nach Nordhausen zu kommen, um mit ihnen zu unterhandeln. Das that er denn auch und brachte zu seiner Sicherheit viele Leute mit; als er aber auf dem Rathhause war, machten sich mehrere Nordhäuser auf, überfielen die Schnabelsburg und steckten sie in Brand. Als nun die Flamme hell aufschlug, führten ihn die Rathsherren hinaus auf die Gallerie des Hauses und zeigten ihm seine brennende Burg. Da wurde er wüthend, sprang hinab, schwang sich auf sein Pferd und wollte sich durch die Nordhäuser, die nun von allen Seiten auf ihn eindrangen, Bahn brechen. Bis an's Barfüßerthor kam er auch, da aber überwältigten sie ihn, schlugen ihm den Kopf ab und steckten ihn auf einer Stange am Thor auf. Zum Andenken hat man nachher diesen Kopf in Stein ausgehauen und das ist der Helm, der Schild darunter aber soll sein Wappen sein, wie man auch noch an einem der Nebensteine seine Hand erkennen will, die ihm gleichfalls abgehauen wurde. Man erzählt auch, der welcher ihm den Kopf abgeschlagen, sei ein Stellmacher gewesen, und daher komme es, daß in kaiserlichen Zeiten die Stellmacher in Nordhausen unehrlich waren und vor dem Hagen wohnen mußten.

Uebrigens soll sich der Graf von der Schnabelsburg noch öfter, auf einem Schimmel reitend, sowohl auf dem Schnabel als am Kohnstein und namentlich zwischen 11 und 12 Uhr des Tages, wo er erschlagen wurde, sehen laßen; mancher umgeht deshalb noch heute die Stelle.