Osteröder Banngeschichten

I.

Einst sollte auch einem Manne in Osterode sein Haus verkaufet werden, und er gab an, daß es darin spuke. Das Gericht stellete also Wache in dem Hause auf. In der ersten Nacht polterte das Gespenst die Treppe herunter, kam der Wache näher, riß ihr das Licht aus der Hand, pustete es aus, nahm auch dem Posten eine Flasche Wein aus der Hand, die man ihm gegeben hatte, um sich Mut zu trinken, und trank sie selber aus. Darauf machte das Gespenst noch einiges Geräusch und entfernte sich dann wieder. Die zweite Nacht kamen zwei andere Posten in das Haus mit dem Befehle loszuschießen, sobald sich etwas regete. Wie das Gespenst nun in der Geisterstunde ankam, der Wache abermals das Licht auspustete und den Wein wegnahm, legte die Wache an, konnte aber wegen Armlähmung, welche plötzlich bei ihr eintrat, nicht schießen und mußte also unverrichteter Sache wieder nach Hause. Den dritten Tag kam einer, der sich anbot, das Gespenst zu erlegen und was von der Zauberkunst verstehen wollte. Es ward ihm das Haus angeboten, wenn er das Gespenst finge. Er fuhr also in einer Kutsche hin nach dem Hause. Wie es nun zwischen elf und zwölf Uhr kam und das Gespenst wieder zur Treppe hinunter polterte, lief er hin und fassete es schnell, warf es in die Kutsche und fuhr so damit ab. Es war aber des Hausbesitzers Mutter, welche hexen konnte. Der Mann sagte nachher, er habe das Gespenst in einen alten hohlen Baum gebannet und bekam das Haus als Lohn, welches er dem vorigen Besitzer, weil er selbst so reich war, daß er nichts mehr nötig hatte, wieder schenkete. Auf diese Weise kam der Mann wieder an sein Haus. Nach einiger Zeit erschien einer und befreiete die Mutter wieder aus dem Banne und bezauberte sie, daß sie von Stunde an nicht mehr hexen konnte. Und nun lebete sie noch lange Zeit mit ihrem Sohne glücklich und in Frieden in dem Hause.

II.

An einem Orte war ein Mann, der ward durch sein ruchloses Wesen bekannt. Wie er schon viele lose Streiche gemacht hatte, da hat ihn einer auf einen Scheunenboden gebannet. Aber hier ist er auch noch nicht zufrieden gewesen. Sein vieler Spuk auf dem Boden ist den Leuten lästig geworden und sie gingen nach dem Pater. Der Pater kam, überzeugete sich hiervon und wollte den Gebannten zur Rede stellen. Der Gebannte aber ließ sich von dem Pater nichts sagen, sondern schalt ihn aus und sagte, er hätte von seiner Mutter einen Dreier gestohlen; der Pater sagte: dafür habe ich Papier gekauft und Gottes Wort darauf geschrieben. »Er hätte Erbsen vom Felde gestohlen;« der Pater antwortete: die habe ich für den Hunger gegessen. Damit hatte aber der Pater schon ein gebrochen Schwert und konnte nichts mit ihm aufstellen. Kurze Zeit nachher schickten die Leute nach einem anderen Pater, welcher bannen konnte. Der bannete diesen unnützen Menschen in einen hohlen Weidenbaum. Lange Zeit nachher ließ der Besitzer den Baum abtreiben. Als der nun vor dem Hause vorbeigefahren wurde, wo der Mann vorher gewohnet hat, sprang der Unnütze heraus und lief oben ins Haus. Der Spuk aber ging nun wieder von neuem los. Die Leute liefen wieder nach dem Pater. Der sagete, daß er ihn nun nicht wieder aus dem Hause herausbringen könnte. Da ist der Unnütze von einem anderen oben auf den Boden in eine Ecke gebannet, wo er heutigen Tages noch sitzet.