Dreierlei Seelen

In Osterode sagt man, es gäbe »dreierlei Seelen,« weiße, fahle und schwarze. Die weißen sind die guten, die fahlen gehen geradezu und suchen jedem, der ihnen in den Weg kommt, was auszupuhlen (anzuhaben); die schwarzen aber sind die ganz schlechten. Einst ging eine Frau aus Osterode nach Braunschweig, wo gerade Messe war. Unterwegs eines nachts kamen drei Seelen ihr in den Weg, die weiße ging an ihre rechte Seite, die fahle hinter ihr, und die schwarze schwebete immer vor ihr her mit einem Knotenstock und einer feurigen Zunge. Diese Seelen haben die Frau eine Stunde lang verfolget, da wurden sie immer kleiner und kleiner und zuletzt waren sie ihr ganz aus den Augen verschwunden. Als aber die Frau wieder etwas gegangen war, da fing es plötzlich an über ihr Steine zu regnen und dies währete wohl eine Viertelstunde lang. Den anderen Tag, als sie in Braunschweig angekommen war, traf sie einen Mann aus Herzberg, dem es auf diesem Wege ebenso ergangen war. Was das merkwürdigste hierbei war: von den vielen Steinen, die es regnete, hatte bei beiden kein einziger getroffen.