Entstehen der Räders-See

Eine und eine halbe Stunde von Stolberg, eine halbe Stunde von dem Dorfe Stempeda, oder wie es dort gewöhnlich genannt wird Stempe, soll vor Zeiten ein Hüttenwerk gestanden haben, jetzt steht daselbst ein großer Teich, genannt die Räders-See. Ihr Wasser ist grün, die Fische darin sind ganz mit Moos bewachsen. Von dem Entstehn der See wird Folgendes erzählt: Ein Werkführer in dem Hüttenwerke legte breite Silberplatten zurück und verbarg sie unter die Dielen, so daß er sie ordentlich einlegte. Das that er nur, um das Silber wieder für den Grafen emporzuholen, wenn keins mehr vorhanden wäre. Aber die Magd bemerkte es und verrieth es. Wenn damals ein Bergmann nur Weniges gestohlen hatte, mußte er sterben, und darum wurde der Werkführer in Stolberg auf dem Markte vor dem jetzigen John'schen Gasthofe gerichtet. Dabei nahm er eine Semmel in die Hand und sagte: so rein und unschuldig als die Semmel wäre auch er, und so gewiß er unschuldig gerichtet würde, so gewiß würde das Hüttenwerk in dem Augenblicke untergehen, wo sein Kopf vom Rumpfe flöge, und nicht eher wieder zum Vorschein kommen, als bis drei Grafen geboren wären, von denen jeder der beiden ersten gewisse körperliche Eigenheiten hätte, und der dritte eine Haselruthe fände, die in Einem Schosse sieben Fuß hoch geschossen wäre. Alsdann müßte eine Wanne Goldes angewandt werden, ehe das Hüttenwerk wieder in Gang käme. In dem Augenblicke, wo des Werkführers Kopf fiel, soll in der Hütte ein Mann, (welches die Erscheinung des Werkführers war) gestanden und das Triebrad mit Einer Hand eingehalten haben. Danach ging das ganze Werk unter Wasser, wie es noch jetzt zu sehen ist, und soll von dem versunkenen Räderwerke die Räder-See heißen. Ein Hallore und noch ein anderer Mann sollen hinein getaucht und auf ein Gebäude gestoßen sein, der Hallore auch einen Ring von einem Eimer mit emporgebracht haben, aber selbst für tausend Thaler wollte keiner zum Zweitenmale hinein, denn sie waren unten von Geistern gepeinigt. Der Hallore brachte eine Kachel mit herauf. Was die Ruthe anlangt, so soll sie im alten Stolberg von Graf Josef gefunden, eine Hagedornruthe sein und in der Rüstkammer stehen. Er brauchte nur damit auf das Wasser zu schlagen und Alles hätte in alter Pracht wieder da gestanden.