Die Zwerge in der Jettenhöhle

Als die Schweden im Lande hausten und nichts vor ihnen sicher war, da mußten die Bewohner der Dörfer sich oft im Waldesdickicht, in Abgründen und Höhlen verbergen. Die Leute von Düna und Hörden fanden Schutz in einer großen Höhle, die zwischen den beiden Dörfern im Hainholz lag. So kam es denn, dass tief unten in der Erde auch einmal ein Kind geboren wurde. Und da die Kindsmutter mit Vornamen Jette hieß, so nannte man die Höhle „Jettenhöhle“, diesen Namen führt sie bis auf den heutigen Tag. Der Sohn, der da unten geboren war, soll Klaproth geheißen haben und ist der Stammvater der Familie Klaproth geworden, die zuerst in dem Dorfe Obernrode nahe bei Hattorf gewohnt hat. Dann, als Obernrode Wüstung wurde, sind die Klaproths in die Nachbardörfer gezogen, wo ihre Nachkommen jetzt noch leben.Später wohnte in der Jettenhöhle ein Zwergenvolk. Aber die Bauern mochten die Zwerge nicht leiden, weil sie an den Feldfrüchten in der ganzen Umgebung großen Schaden anrichteten. Nun hatte einmal ein Bauer aus Hörden nahe bei der Jettenhöhle ein Feld Erbsen, das von diesen Zwergen geplündert und ganz zertreten war. Sein Schimpfen hatte keinen Zweck. Da sagte ihm sein Nachbar, der etwas davon verstand: „Das tun die Zwerge. Die setzen sich Nebelkappen auf und sind dann unsichtbar. Du musst eine lange Stange nehmen und damit über dem Felde hin- und herfahren!“ Das tat denn auch der Mann und siehe, ... da kniete mitten im Felde ein alter, dürrer Zwerg. Er trug um den Hals einen Beutel, der war bis oben hin mit Schoten gefüllt. Zornig eilte der Bauer auf den Bösewicht zu, schalt ihn heftig und drohte, ihn zu schlagen. Da verlegte der Zwerg sich aufs Bitten und versprach, den Schaden wieder gutzumachen. Der Bauer möge doch am nächsten Tage um die gleiche Zeit wieder an Ort und Stelle sein, dann stünde hier ein Sack für ihn bereit. Der Bestohlene gab sich zufrieden und ließ den kleinen Kerl laufen.
Am nächsten Tage stand wirklich ein gefüllter Sack vor dem Erbsenfelde. Wie enttäuscht aber war unser Bauer, als er nur altes Eisen darin fand. Er meinte, der Zwerg hätte ihn betrogen, aber trotzdem quälte er den schweren Sack auf seinen Wagen und dachte: „Wat mehr is as ne Lus, dat nümm’ste mie na Hus.“ Wie groß war doch seine Freude, als sich daheim ergab, dass sich das alte Eisen in pures Gold verwandelt hatte.