Die
Südharzstrecke:

Schon vor über 150 Jahren
gab es Schicksalsschläge!

Ein Review der Initiative
"Höchste Eisenbahn
für den Südharz"

c/o Burkhard Breme, Scharzfelder Str. 98, 37431 Bad Lauterberg im Harz, Tel.: 05524 / 931173

Internet: http://www.suedharzstrecke.de

Stand: 27.12.1997

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Streit um die Linienführung

3 Bau des Walkenrieder Tunnels

4 Streckeneröffnungen

5 Literaturhinweise
 

Einleitung

Der sachkundige Leser mag sich fragen, warum der Titel dieses Reviews " Die Südharzstrecke: Schon vor über 150 Jahren gab es Schicksalsschläge! " heißt, obwohl die Südharzstrecke auf dem ersten Teilstück im Jahr 1998 erst 129 Jahre alt wird.

Die Antwort liegt in der Tatsache begründet, daß es bereits in der Planungsphase viele Rückschläge gab, welche sich bis in die heutige Zeit fortsetzten.

Schon vor 150 Jahren haben Ländergrenzen und unterschiedliche Zuständigkeiten den Bau der Südharzstrecke behindert.

Die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg ging durch das Herz der Südharzstrecke.

Auch nach der Wiedervereinigung Deutschlands behindern weiterhin die vorherrschenden Ländergrenzen von Niedersachsen und Thüringen die Renaissance dieser Eisenbahnlinie. Dies ist die Folge der unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Südharzstrecke. Sie liegt zwar im Zentrum Deutschlands, wird aber dennoch von den Verantwortlichen als Randstrecke behandelt.

Streit um die Linienführung

Nordhausen bemühte sich ab 1840 um einen Eisenbahnanschluß. Um 1844 regte die preußische Landesregierung den Bau einer Strecke von Halle nach Northeim an. Es sollte die kürzeste Verbindung über Nordhausen gebaut werden. Erste Vermessungsarbeiten erfolgten 1846.

Allerdings waren sich die Nachbarstaaten über die Linienführung nicht einig, weil jeder Staat andere Interessen verfolgte:

    Hannover war an einem Anschluß an seine mögliche Südbahn in Northeim interessiert

    Kurhessen dachte an eine Verlängerung der Strecke in seine Hauptstadt Cassel, welche Deutschlands Eisenbahnknotenpunkt werden sollte

Die Revolution von 1848/49 führte zu weiteren Verzögerungen.

Es sollte noch bis 1863 dauern, bis die preußische Regierung der „Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahngesellschaft" eine Konzession erteilte. In ihr wurden der Bau und Betrieb einer Zweigbahn von Halle über Nordhausen nach Heiligenstadt und weiter nach Cassel genehmigt, aber nicht nach Northeim.

Dies war eine herber Rückschlag für die geplante Südharzstrecke.

Die "Südharzbahn", wie sie damals genannt wurde, kam erst nach weiterem Zögern der Regierung in Hannover in das Bauprogramm.

Zu viele Vorstellungen der möglichen Linienführungen waren weitere Verzögerungsgründe. Ein Blick auf die Übersichtskarte verdeutlicht die verschiedenen Positionen.

Übersichtskarte zur Planung der Südharzbahn
    Hannover hielt an einer Linienführung über Osterode fest.

    Preußen und die Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahngesellschaft strebten weiterhin die kürzeste Verbindung zwischen Nordhausen und Northeim an (Helmetalbahn).

    Die Gemeinden vom Herzogtum Braunschweig, wie Badenhausen und Walkenried, sollten wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage mit angebunden werden. Außerdem wäre bei einer Linienführung über Walkenried auch Lokalverkehr zu den Nachbarorten möglich.

    Daraufhin brachte die Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahngesellschaft die Sachsengrabenlinie ins Spiel.

Erst 1865 einigte sich die Regierung in Hannover mit dem Nachbarn Preußen über die Linienführung.

Allerdings wurde erst durch die Eingliederung des Königreichs Hannover in den preußischen Staatsverband (nach dem Krieg von 1866) die Entscheidung entgültig getroffen.

Bis auf die Linienführung im Bereich Walkenried!

Der Eisenbahningenieur Heusinger schlug eine Linienführung nördlich des Ortes vor.

Die Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahngesellschaft wollte die Strecke über Braunschweiger Gebiet so kurz wie möglich halten und damit eine südliche Streckenführung von Walkenried.

Am 18.04.1867 wurde ein Staatsvertrag zwischen Preußen und Braunschweig abgeschlossen, daß die Bahnlinie Nordhausen - Northeim über Braunschweiger Gebiet geführt wird.

Am 11.10.1867 fand die endgültige Prüfung der vorgeschlagenen Streckenführung der Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahngesellschaft im Bereich Walkenried statt. Die Streckenführung sollte südlich von Walkenried verlaufen.

3 Bau des Walkenrieder Tunnels
 


Da die Streckenführung südlich von Walkenried verlaufen sollte, war ein 268 m langer Tunnel durch das Himmelreich notwendig. Das Gestein des Himmelreichs besteht hauptsächlich aus Gips. Er entstand durch die Zuführung von Wasser zu dem Basisgestein Anhydrit.

Bei den Tunnelarbeiten stieß man am 10.07.1868 auf eine Riesenhöhle, die durch die o.g. Umwandlungsprozesse entstanden war.

Walkenrieder Tunnel und Himmelreichhöhle (1924)

Dadurch entstanden in den folgenden Jahren erhöhte Wartungsaufwendungen.

Streckeneröffnungen

Die ersten Züge verkehrten zwischen Göttingen und Hannover seit dem 01.08.1854. Ab dem 01.05.1853 war schon das Teilstück von Hannover nach Alfeld befahrbar.

Am 01.12.1868 war es endlich soweit. Das erste Teilstück der Südharzstrecke wurde zwischen Northeim und Herzberg eröffnet. Der Abschnitt von Herzberg nach Nordhausen folgte am 01.08.1869.

Es folgten die Eröffnungen der Anschlußstrecken an die Südharzstrecke:
 

EröffnungsjahrTagStrecke
187010.10.Osterode - Herzberg
187101.09.Seesen Osterode
187815.01.Northeim - Ottbergen
188410.07.Scharzfeld - Bad Lauterberg
188401.11.Bad Lauterberg - St. Andreasberg
188901.11.Wulften - Duderstadt
189701.09.Duderstadt - Leinefelde
191101.11.Herzberg - Rhumspringe - Bischofferode
193101.07.Herzberg - Siebertal

Literaturhinweise

Reinboth, Michael, Streifzüge durch die Walkenrieder Eisenbahngeschichte, Walkenried 1988