Erfahrungen
vom
Innern der Gebirge

Fünfter Brief Mineralogische Beschreibung des Harzes

- von Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra -

S. 94 - 96

[...] Gleich unten am Fuße dieser Gebirge, nur wenig weiter gegen Abend herunter, an dem Hauptthale, welches in dieser Gegend um den ganzen Harz, nach der Hauptrichtung von Mittag gegen Mitternacht sich herum ziehet, in welches bey Lauterberg die Oder, bey Herzberg die Sieber, von den höhern Harzgebirgen herabfließen, stoßen oben bey Lauterberg, jenseit dem Thale, in den Höhen der Oder gegen Abend, fortdaurend bis Nordhausen, die Flötz- Kalk- Gyps- und Mergel-Gebirge an, die jedoch bey Scharzfeld und unten bey Herzberg, auch über das Thal herüber, in die Ufer der Sieber gegen Morgen, an die Harzgebirge sich heran ziehn. Einige dieser Berge nahe bey Lauterberg, bestehen aus einem lichtbraunen, sehr porösen grobkörnigen Kalkstein. In ihnen finden sich Gänge, die Bleyglanz in schmalen Trümmern 2, I Zoll, 1/2 Zoll mächtig, da der ganze Gang kaum 4 Zoll mächtig ist, in einer Gangart führen, die ein eben solcher, nur etwas feinkörnigerer, dichterer, und dunklerer Kalkstein ist, als der, welcher die Gebirgart ausmacht. Es ist verschiedenes auf diesen Gängen versucht worden, das zu glücklichen Erfolgen aber nicht hat einschlagen wollen; weil die Erze nur schmaltrümmricht blieben, und auf das reinste ansgeschieden, zwar bis zu 80 p. C. Bley, aber äußerst wenig, kaum I Loth Silber hielten. Eben so sind in dieser Gegend, und bis nach Herzberg herunter, Versuche nach Kupferschieferflötzen gemacht worden, die hier zu suchen, allerdings entscheidende Merkmale veranlaßten, aber auch diese haben noch keine erwünscht glücklichen Erfolge gehabt. In einer Gegend über Herzberg gegen Morgen herauf, nahe an den Harzgebirgen, am sogenannten Silberhey, liegen sogar eine Menge Halden und Pingen, von vormals auf dem Flötz schon betriebenen Bergbau, und es ist mit einem neuen Versuchschachte in dieser Gegend, das Kupferflötz wirklich wieder (*) ersunken worden, ich habe es selbst befahren, habe mit unter in seinem (**) Dachgestein Fische im Schiefer, und Spuren von Sanderzen unter dem Schieferflötz gefunden. Aber das Flötz war in diesem Schachte zu arm am Gehalt, ob seinen Schiefern gleich auch etwas Bley beygemischt war, welches so wie zu Ilmenau, auch in dieser Gegend mit vorkömmt. Es lag zu nahe unter Tage, kaum 3 Lachter tief, und noch am Kopfe des Berges. Doch auch ein zweiter Versuchschacht, weiter in dem Abfalle des Berges herunter angelegt, gewährte kein besseres Glück. Er wurde bis zu 15 3/8 Lachter Tiefe, anfangs in Kalksteinarten von solchen Abwechslungen, wie sie in andern bebaueten Flötzgebirgen mehrentheils sich finden abgesunken, in diesen fand sich endlich, eine ziemlich horizontal liegende dürre Kluft, auf der Kiese zart angeflogen gespürt wurden, und unter dieser hörte bald der Kalk gänzlich auf, verlief sich in wahren Thonschiefer der Art ähnlich, woraus unsere Landwärts liegenden Vorgebirge des Harzes bestehen, der eisenschüssig roth, und hier und da, nur auf den Klüften noch kalkartig war.

Von den merkwürdigen Höhlen in den Mergel- und Kalkgebirgen dieser Gegend, der sogenannten Knochenhöhle, dem Einhornloch und den übrigen, worinne so manche kleine und große Knochen, im Mergel und zwischen dem Kalk, wie in der Baumannshöhle gefunden worden sind, habe ich nur das sogenannte Weingartenloch, in der Gegend des Dorfs Osterhagen ohnweit Lauterberg durchkrochen. Ich bin bey dieser mühseligen, theils auch gefährlichen Untersuchung überzeugt worden, daß diese Höhlen nichts weiter sind, als von den Wassern in dem Kalkstein oder im Mergel ausgewaschene Räume, noch mehr zu ihrer jetzigen Gestalt dadurch befördert, daß der Kalkfelsen, an mehr Orten in seinem Zusammenhalte von den ihn durchwaschenden Wassern getrennt, zusammen stürzte, wobey ein Bruchstück an das andere unordentlich sich anlehnte, und oben an der Oberfläche des Berges Vertiefungen entstunden. Wir kennen die letztern, unter der Benennung von Erdfällen ziemlich allgemein, da sich die erstern der Bergmann der Flötzgebirge Kalkschlotten genennt hat.

(*) Erlangt, angetroffen, wenn es mit Niederbringung eines Schachtes geschehen ist, übersetzt der Bergmann in ersunken.
(**) Dachgestein, werden die obern Lagen des Schiefers der Kupferflötze genennt.

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