DUVAL, C. (1840): Himmelgarten.- In: Thüringen und der Harz, mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden, 2. Band, S. 211-212, Sondershausen


Himmelgarten.


Die Mädchen bleichen Wäsche,
Und springen im Gras herum;
Das Mühlrad stäubt Diamanten,
Ich höre sein fernes Gesumm.

H. Heine.
 

  Weder durch schöne oder alterthümliche Gebäude, noch durch eine reizende Umgebung ausgezeichnet, liegt, eine kleine Stunde von Nordhausen entfernt, das ehemalige Augustinerkloster und jezige Stolbergsche Kammergut Himmelgarten. Obwohl in der Nähe der Stadt, liegt es doch in friedlicher Stille und ländlicher Abgeschiedenheit da und hat zu seiner Nachbarschaft nichts als eine Mühle, die Kukuksmühle, welche zugleich Wirtshaus ist.
  Nur Weniges ist uns von seiner Geschichte aufbewahrt. – Aus einer alten Urkunde vom Jahr 1297 geht hervor, daß dasselbe von den Grafen von Hohenstein gestiftet worden ist, zu welcher Zeit dies aber geschehen, ist unbekannt. Erst gegen das Ende des dreizehnten Jahrhunderts wird es hier und da erwähnt. Herr von Rohr vermuthet, daß es seine ersten Conventualen aus dem Augustinerkloster zu Erfurt bekommen habe, weil die Mönche zu Himmelgarten nichts unternahmen, was nicht von jenem Kloster in Erfurt gebilligt wurde. Uebrigens lag schon vor Gründung des Klosters hier ein Vorwerk, welches Rustungen oder Rossingen hieß, weshalb der von hier an der Nordhäuser Grenze hinfließende Bach noch heute der Rossingsbach genannt wird. Man bemerkte aber in dem dabei gelegenen Garten sehr oft einen blendend hellen Glanz, welcher vom Himmel herabkam und immer auf einer und derselben Stelle verweilte, und da man dadurch aufmerksam wurde und an der bezeichneten Stelle nachgrub, fand man eine gesegnete Hostie in der Erde, welche unter großen Feierlichkeiten von der Geistlichkeit herausgenommen und hinweggetrgen wurde. Das gläubige Volk strömte zahlreich herbei, gab reichliche Geschenke und so wurde an die Stelle des vom Himmel selbst bezeichneten Gartens das Kloster erbaut und Himmelgarten genannt. Der Magistrat zu Nordhausen wollte aber diese Namensveränderung nicht leiden, war den Mönchen auf alle Weise hinderlich und wenn ihnen auch Länderei oder Gebäude geschenkt oder vermacht wurden, so mußten sie es binnen Jahresfrist verkaufen. Geschah dies nicht, so bemächtigte sich Nordhausen des Grundstücks, verkaufte es und gab dann das Geld an die Mönche. Deshalb besaßen dieselben auch in der Stadt nichts und nur zwei, am Töpferthore belegene Plätze hatten sie nach manchen Schwierigkeiten käuflich an sich gebracht. Gegen das Jahr 1339 fingen sie an, wider des Rathes Wissen und Willen auf diesen Plätzen eine Kirche zu bauen, die sie mit großer Eile zu Stande brachten und eben so geschwind einweiheten. Als sie später reich wurden und viele Güter und Einkünfte besaßen, bauten sie die Anfangs unbedeutenden Klostergebäude von Neuem auf und ließen auch im J. 1507 eine herrliche Orgel für die Kirche verfertigen.
  Die Bauern, welche so manches Kloster auf dem Gewissen haben, zerstörten im J. 1525 auch Himmelgarten. Sie plünderten es und zündeten es dann an. Die Mönche waren mit ihren besten Sachen und der Bibliothek bereits nach Nordhausen geflohen, und wurde dieselbe in der St. Blasiikirche aufgestellt, wo sie sich noch heute befindet. Unter den Büchern sieht man eins mit einem in Holz geschnittenen Christusbilde, neben welches eine Wunde gemalt ist und wobei die Worte stehen: Diese Gestalt ist dem Bilde der Gottseligkeit unsers Herrn Jesu Christi eingedrückt worden, die Figur der Wunde stellt vor die Wunde seiner Seite nach der Breite und Länge. Wer nun aus besonderer Andacht und Zerknirschung seines Herzens dieses Bild anschauen oder küssen wird, der soll von dem heiligen Pabste Innocenz VIII. auf 7 Jahre Ablaß haben. – Ferner war ein hölzernes Kreuz vorhanden, auf dem man folgende Worte las: Dieses hier gegenwärtige Zeichen des Kreuzes stellt, wenn es zwanzigmal nach der Länge genommen wird, die Länge des Körpers Christi dar und wenn Jemand aus herzlicher Inbrunst und Andacht dieses Kreuz ehren und küssen wird, der soll den Tag über von der bösen Seuche befreit bleiben. –
  Das verwüstete Kloster wurde nicht wieder zu kirchlichem Zwecke eingerichtet. Die Mönche gingen fast alle in das Augustinerkloster zu Erfurt und die Grafen von Stolberg nahmen als Landesherren Himmelgarten in Besitz. Später verpfändeten sie es, nebst Stempeda, wo es von den Grafen von Stolberg für 15,000 Gulden wieder eingelöst wurde und seit der Zeit auch bei Stolberg geblieben ist. (cf. v. Rohr: Merkw. des Unterharzes p. 159 – 64). Leuckfeld's Chronik von Marienberg.

C. Duval