Der Ilfelder Manganbergbau vom 18. bis zum 19. Jahrhundert

- Dipl. Geol. Horst Gaevert -

Viele Besucher aus nah und fern kennen die ca. 4 km westlich von Ilfeld in der herrlichen unbesiedelten Südharzer Landschaft gelegene Ausflugsgaststätte „Braunsteinhaus“.
Braunstein ist eine bergmännische Bezeichnung für Manganerz. Das Braunsteinhaus gehörte folgerichtig zu ehemaligen Manganerz-Bergwerken.
Bereits 1860, als der Bergbau noch betrieben wurde, war den meisten deutschen Bergleuten der Ilfelder Braunstein-Bergbau nicht so sehr durch gute Qualität und große Fördermengen bekannt, sondern durch die Schönheit und Größe der Manganit-Kristalle, die hier gefunden wurden (L7). Heute, nachdem der Bergbau mehr als 50 Jahre auflässig ist, ist er allen Mineraliensammlern und Besuchern einschlägiger Museen mindestens genau so bekannt.
Intensive bergmännische Tätigkeiten die in diesem Gebiet vom 18. bis zum 20. Jahrhundert zu verzeichnen waren, prägten die Landschaft. Heute verdeckt der Wald viele Wunden und Narben, die der Mensch der Landschaft zufügte. Die folgenden Zeilen sollen einen kurzen Überblick über die Geschichte des Bergbaus in diesem Gebiet vermitteln.

Der bergmännischen Tätigkeit gingen, wie allgemein üblich, die Phasen des Steinesuchens und Schürfens voraus. Sie reichen eventuell viele Jahrhunderte zurück, insbesondere, weil in unmittelbarer Nachbarschaft Eisenerze auftreten und diese möglicherweise Gegenstand der ersten bergmännischen Tätigkeiten waren. Die Arbeiten waren relativ leicht zu organisieren und auch ungefährlich, so dass kaum eine Notwendigkeit bestand, über Eigentumsfragen, Arbeitsmethoden und Fördermengen Schriftgut anzulegen. Es folgte die Gewinnung im Tagebau. Dabei förderte man die Erze aus Schurfschächten oder steinbruchartigen Gebilden. Diese Arbeiten brachten bereits erhebliche Gefahrenmomente mit sich, die gewisse Reglementierungen und demzufolge Sicherheitsvorschriften für den Arbeitsablauf erforderlich machten. Insgesamt gesehen reichte es jedoch aus, wenn die Gräfliche Forstverwaltung die Schirmherrschaft über die Mangan-Gewinnung übernahm. Es ist davon auszugehen, dass sie die Besitz- und Eigentumsverhältnisse überwachte und, falls der feudale Staat beteiligt war, Arbeitskräfte- und Lohnfragen regelte. Des Weiteren dürfte die Forstverwaltung für die Förderung und den Absatz der gewonnenen Erze verantwortlich gewesen sein. Über alle diese Aktivitäten liegen bisher nur Vermutungen und indirekte Hinweise vor.

Als zunächst lokal und später allgemein zum Tiefbau, d. h. zur eigentlichen bergmännischen Tätigkeit übergegangen wurde, wurden fachliche Anleitung und Bergaufsicht dringend erforderlich. Da der Bergbau der Forstverwaltung unterstellt war, kam es zu einem laienhaft geführten Raubbau. Das unbergmännische Herangehen an die Erkundung und den Abbau der Lagerstätten führte zu einer chaotischen, schwer zu überschauenden Situation. Damit war die absolute Notwendigkeit für eine fachliche Betreuung sowie Aufsicht der bergmännischen Tätigkeiten herangereift. Zunächst wurde im August des Jahres 1724 von Oberförster Seibd der erste bekannte Bericht über den Braunstein-Bergbau angefertigt. Um die oben erläuterten Zustände zu ändern und einen „beständigen Nutzen für längere Zeiträume“ zu gewährleisten, schlug er vor, einen Bergmann einzustellen (A 1, S. 7). Dieser sollte zunächst mit dem Forstschreiber alle Bergwerke befahren und seine Vorschläge protokollieren. Von der Forstverwaltung, die vor dem Jahre 1724 die Braunstein-Bergwerke von Sophienhof aus mit verwaltete, sollten zukünftig Memorialien (Berichte) angefertigt werden, in denen über Unzulänglichkeiten, Schulden und „Nutzen“ Stellung zu nehmen sei.
Im Januar 1725 legte Berg-Inspektor J. G. Sander den ersten Bericht eines Bergbau-Spezialisten vor (A 1, S. 2-6). Darin sind „alle über Ilfeld liegenden Reviere, worauff sonst (bisher) Braunstein gefördert worden, bestmöglichermaßen untersuchet“.

Die einzelnen Reviere und Gänge charakterisierte er wie folgt:
 
HARZEBURGER REVIERDer Hauptschacht an der Harzeburg hatte eine Teufe von 4 m erreicht. Die bauwürdigen Erze waren abgeschnitten. Da ohnehin Wasserhaltungsschwierigkeiten bestanden, wollte man den Gang vom Talniveau aus „Stoll Orts weise erbrechen lassen“. Sollten bei der Auffahrung des Stollens bauwürdige Erze angefahren werden, wollte man einen „recht bergmännischen Stroßen Bau“ vorrichten.
HEILIGENBERGER GANGDer Braunstein war hier 1 Schuh mächtig, „doch etwas unrein“. Seiner Meinung nach hatten die Bergleute „liederlich hin gebauet“. Er hatte ihnen „anbefohlen“, vom Tal aus ebenfalls einen „ordentlichen bergmännischen Stroßen Bau“ vorzurichten.
MÜNCHEBERGDer Bergbau war auflässig und abgesoffen. „Dem Berichte nach“ sollten hier „feine Trümmer Braunstein“ anstehen.
SILBERBACH„In Höhe auf den dasigen (dortigen) Gängen soll vor 1725 viel Braunstein in tagesnahen Bauen gefördert worden sein. Man vermutete im talnahen Bereich, der noch nicht untersucht war, die mächtigsten Gänge von allen Revieren.
HINTERE HARZEBURGIn einem 15 m tiefen, damals auflässigen Schacht soll der Braunstein etwa 1 Schuh mächtig gewesen sein. Man wollte die Arbeiten wieder aufnehmen, sobald man die „Wasser zwingen“ könne.

Am Schluss seines Berichtes schlug Sander folgende konkrete Maßnahmen zur Sanierung des Braunstein-Bergbaus vor:

  • Erhöhung des Preises,
  • Einrichtung einer Planstelle für einen Steiger,
  • Es sollte bergmännisch, d. h. fachgerecht nach den damaligen Erkenntnissen gearbeitet werden.
Da das zur Verfügung stehende Kapital offensichtlich sehr gering war, empfahl er, einen Steiger mit dem geringen Lohn von 8 bis 10 Guten Groschen pro Woche einzustellen. In der Zeit, in der er nicht als Steiger benötigt wurde, sollte er als Bergmann mitarbeiten. Unter bergmännisch bauen verstand er folgendes: Bisher waren im Kuppenbereich und den oberen Hanglagen der Berge Tagebaue und flache Schächte bis max. 10 m Teufe angelegt worden. Hierdurch entstanden einerseits Wasserhaltungsschwierigkeiten und andererseits blieb die Lagerstättensituation in größeren Tiefen unbekannt. Daher plädierte er für eine Erschließung der Gänge vom Tal aus (wie bereits beim Harzeburger Revier und Heiligenberger Gang erwähnt). Außerdem sollten vorhandene Schächte tiefer geteuft werden, um Erkenntnisse darüber zu erhalte, ob und wie sich das Braunstein-Erz „hin und wieder nesterweis an den Bergen liegt“ und sich nicht nach der Tiefe hin fortsetzt.
Die Realisierung der genannten Maßnahmen ließ nicht lange auf sich warten, denn im gleichen Monat wurde ein Wünschelrutengänger bestellt, der alle Gänge ausgehen sollte A 1, S. 10r). Die einzelnen Gänge wurden an der Tagesoberfläche im Abstand von 10 Lachtern (ca. 20 m) durch Pfähle gekennzeichnet. Aus dem Bericht über die Arbeit des Wünschelrutengängers vom Februar 1725 (A 1, S. 11) geht hervor, dass sich die bergmännischen Arbeiten auf die Harzeburg, den Heiligenberger Gang und dem Müncheberg konzentrierten. Die besten Anbrüche waren auf dem Heiligenberger Gang und dem Münchberg zu verzeichnen. Am Müncheberg wurde der Bergbau jedoch nicht fachgerecht betrieben. Nach Aussagen des Berichterstatters hielten die Bergleute ihre Gruben „nicht rein“, sondern „würgten den Berg hinter sich“. Im März 1725 wurde das freie Schürfrecht für jedermann proklamiert (A 1, S. 14), jedoch mit der Einschränkung, dass keine neue Gruben aufgefahren werden dürften.
Nachdem nun einige grundlegenden Änderungen zur Gesundung des Braunstein-Bergbaus vorgenommen waren, vollzog sich in den folgenden Jahren offensichtlich eine günstige Entwicklung. Dies bringt Oberförster Seibd im November 1739 zum Ausdruck, wenn er schreibt, dass die Braunstein-Gruben „recht gut befunden“ (A 1, S. 14). Er sagt, es habe „viel Mühe und Kosten erfordert“ um die Gruben in den o. g. Zustand zu bringen. Damit hatten sich auch die Liefermöglichkeiten für Braunstein wesentlich verbessert.

Im Jahre 1740 wurde der Braunstein an 4 Örtern (Arbeitsorten) mit je 3 Zoll Mächtigkeit gewonnen. Die Bergleute bekamen für die Gewinnung von 1 Centner Braunstein 4 bis 6 Gute Groschen. Davon mussten sie ihr Gezähe und das Geleucht bezahlen.
Vor dem Jahre 1725 war am Müncheberg schon Bergbau umgegangen. Als er auflässig wurde (vor 1725), förderte man fast ausschließlich an der Harzeburg. Als im August 1755 eine Liefernachfrage aus Berlin einging, war „ziemlicher Braunstein vorrätig“ (A 1, S.47). Die bergmännische Betreuung erfolgte durch Steiger Buchmann vom Büchenberg bei Elbingerode. Da er wegen des „Braunsteinsteigens“ gelegentlich in Ilfeld übernachten musste, wurde um Tagegelder für ihn gebeten.

Die Intensität des Bergbaus war unmittelbar vom Absatz abhängig. Wenn die Nachfrage groß war, wurden kurzfristig oft nur für Tage oder wenige Wochen Bergleute angelegt. Stockte der Absatz, dann legte man sie einfach ab, ohne soziale Aspekte dabei zu beachten. Im Februar 1759 gab es nur noch zwei Bergleute (A 1, S. 58). Da der Braunstein an verschiedene Abnehmer in Holland geliefert wurde, musste der Bergbau wieder intensiviert werden. An der Harzeburg waren in mehreren abgesoffenen Schächten bauwürdige Vorräte bekannt. Um diese gewinnen zu können, bat „Forstbereuther“ Erck aus Sophienhof die Gräfliche Verwaltung in Wernigerode um Erlaubnis und Geld für den Bau eines Stollens an der Harzeburg. In den 50er Jahren gab es im Bereich der Harzeburg immer noch Schächte, die sehr eng waren (A 1, S. 68-69) (sie besaßen einen zu geringen Querschnitt). Weil kein Kübel „frey“ hineingelassen werden konnte, war einerseits die Förderung sehr beschwerlich und andererseits wurden die guten Wetter dadurch „gehindert“.

Im Jahre 1765 standen Probleme der Verpackung in Holzfässer sowie des Transports und Versands nach Holland im Mittelpunkt. Dabei fielen folgende Kosten an (A2):

  • 1 Faß herstellen einschließlich Anfuhr zum Braunsteinhaus = 12 Gute Groschen
  • 1 Faß vom Braunsteinhaus nach Magdeburg transportieren durch Fuhrleute = 3 Reichstaler 12 Gute Groschen
  • 1 Faß von Magdeburg nach Hamburg transportieren = 1 Reichstaler
  • 1 Faß von Hamburg nach Rotterdam befördern = 1,1 Reichstaler
  • Provision für 12 Fässer befördern = 10 Reichstaler
  • 1 Faß Braunstein kostete dem Empfänger in den Niederlanden ca. 38 Reichstaler
Die Qualität des Braunsteins war im Jahre 1766 schlecht, weil er mit „Erden besetzt“ geliefert wurde (A 2, S. 50). Dadurch war einerseits der „Gebrauch nachteilig“ und andererseits das Gewicht höher. In den folgenden Jahren ging der Absatz zurück und die Vorräte waren groß (A 2, S. 120). In dieser Situation rechnete man mit einer jährlichen Förderung von 200 bis 300 Centnern. Als im Jahre 1770 die Nachfrage durch den zusätzlichen Absatz an Waesthoff und van Heurn in Holland größer wurde, wollte man so schnell wie möglich Bergleute anlegen, um „eine Quantität“ im Schicht- und Centnergedinge (Stunden- und Zeitlohn) fördern zu lassen.

Der Transport des Braunsteins über den Harz hinweg bereitete im 18. Jahrhundert noch besondere Schwierigkeiten. Da er von Bauern wahrgenommen wurde, kam er ihnen im Winter aus zeitlichen Gründen gelegen. Vom Frühling bis zum Herbst waren sie fast ausschließlich mit der Bestellung, Pflege und Ernte ihrer landwirtschaftlichen Nutzflächen beschäftigt. Die Braunsteinnachfrage stieg jedoch im Frühjahr an. Aus dieser Situation ergab sich, dass im Winter bei „guter Schlittenbahn“ Braunstein-Vorräte in Trautenstein, Wernigerode oder Cattenstedt angelegt wurden. Damit enden die Nachrichten aus dem 18. Jahrhundert.
Im 19. Jahrhundert war die Verwaltung endgültig den Bergbau-Fachleuten des Büchenberges bei Elbingerode unterstellt. Als im Jahre 1818 die Informationen wieder beginnen (A 4), war Bergschreiber Preu, der seinen Sitz am Büchenberg hatte, für den Braunstein-Bergbau des Südharzes verantwortlich. Er hielt sich jedoch nur in Ilfeld auf, um wichtige Verwaltungs- und Leitungsaufgaben wahrzunehmen, die er nicht vom Büchenberg aus erledigen konnte. Am Braunsteinhaus weilte er vor allem zum Zwecke der Befahrung und Anleitung der Bergleute. Seine Jahresberichte und Etatvorschläge für das kommende Jahr wurden von Bergkommissar C. F. Jasche als Vertreter der Gräflichen Kammer begutachtet. Beide waren ausgezeichnete Fachleute, so dass die Verwaltung des Bergbaus in guten Händen lag.
Zunächst bemühten sie sich um eine Verbesserung der Qualität des geförderten Braunsteins. Nur so konnte man höhere Preise und Gewinne erzielen. Um diese Ziel zu erreichen, war es erforderlich, ein Pochwerk zum Zerkleinern des geförderten Braunsteins zu bauen (A4, S.1). Es bestand außerdem die Notwendigkeit, wesentlich größere Mengen zu fördern, da die Nachfrage aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands sprunghaft anstieg (A 4, S. 15-28). Obgleich neue Bergleute angelegt wurden, konnte die Nachfrage nicht annähernd befriedigt werden. Im August 1818 beurteilte Preu die Situation wie folgt (A 4, S. 62-63): Es könnten keine konkreten Pläne über Fördermengen für mehrere Monate aufgestellt werden, weil sich die Lagerstättensituation laufend verändert. Sie sei „bald zum Vortheil und bald zum Nachtheil des Werkes“. Daher sei der Betrieb schwieriger zu leiten als viele andere. Er war der Meinung, dass durch die „Elemente und die häufigen Verdrückungen auf den Gängen und Trümern auftreten“, dass man als Betriebsleiter in große Verlegenheit versetzt wird. Es sei nicht immer leicht, „eine zu geringe Förderung zu vermeiden“, da hierdurch zu hohe Förderpreise entstehen würden. Man strebte gleich bleibende mittelmäßige Fördermengen an.

Es war schwierig, aus der Umgebung kurzfristig mehrere Bergleute anzulegen, weil die in Frage kommenden Bürger einerseits in der Vergangenheit gar zu häufig ihren Arbeitsplatz verloren hatten und andererseits beim Chaussee-Bau in Nordhausen mehr Geld verdienten. Daher musste man Bergleute aus Elbingerode einstellen. Eine wichtige Reserve zur Erhöhung der Produktion war die ganzjährige kontinuierliche Arbeit. Um im Winter das „Steinschneiden und Aufbewahren des unreinen und reingeschiedenen Braunsteins“ zu gewährleisten, war es erforderlich, einen Schuppen zu bauen.

Diebstahl – sogar die Mitnahme einzelner Stücke für persönliche Schauzwecke im Kreise der Familie zählte dazu – wurde mit fristloser Entlassung geahndet (A 4, S 83-86).
Der Preis für 1 Centner (114 Pfund Braunschweiger Hüttengewicht) Braunstein betrug im Jahre 1820 (A 4, S. 161):
  • An der Grube = 4 Reichstaler
  • Im Magazin = 4 ½ Reichstaler
Nach einer gemeinsamen Befahrung aller Braunstein-Bergbaugebiete im Mai 1819 bildeten sich Jasche und Preu folgendes Urteil (A 5, S. 9-11): Der „vorzüglichste und ergiebigste“ Bergbau befand sich an der Harzeburg. Die Gangmächtigkeiten betrugen ¼ bis ½ Lachter und davon die Gangtrümmer nur einige Zoll. Das „Graubraunsteinerz war sehr mit Baryt und Tonstein vermengt“ und musste „reingeschieden“ werden. Am Müncheberg kes nesterweise im Porphyrit vor. Der Hegersberg bot für die Zukunft recht gute Aussichten. Der Betrieb der Gruben war „so gestaltet, dass sich der Braunstein auf die vielfältigste Weise“ gewinnen ließ. Die weniger ergiebigen Strossen wurden „bestmöglichst ausgenutzt und auf keiner Weise Raubbau geliefert“.

Im Jahre 1820 verdienten die Bergleute im Durchschnitt in zwei Wochen drei Reichstaler 11 Gute Groschen und 9 Pfennige netto (A 7, S. 33). Vom Bruttoverdienst wurden u. a. folgende Beträge abgezogen:

  • Geleucht 4 – 10 Gute Groschen
  • Pulver 7 – 15 Gute Groschen
  • Gezähkosten 6 Gute Groschen
  • Gezäh schärfen 10 Gute Groschen
Der Hauer verdiente 6 bis 10 Gute Groschen mehr als der Bohrhauer.

Seitdem die Nachfrage im 19. Jahrhundert aufgrund umfangreicher Verwendungsmöglichkeiten in der technischen Chemie und Farbherstellung stark anstieg, bemühte man sich, den „Braunsteinbetrieb in einen möglichst guten Zustand zu stellen, wovon auch schon ein nicht unbedeutender Erfolg“ im Jahre 1821 registriert wurde (A 7, S. 60). Da die Transportkosten zum Kunden in Frankfurt/M., Höchst und Köln sehr hoch waren, suchte man Absatz in der Nähe.

Zur Verbesserung des Grubenbetriebes gehörte auch die Erweiterung des Gebäudeinventars. Zu Beginn der 20er Jahre errichtet man einen Vorratsschuppen, der auch zum Klauben sowie der Aufbewahrung von Gezähe diente.
Der Braunstein fand vor allem für chemische Bleichen Verwendung (Glasherstellung).
Mitte des Jahres 1822 war bereits eine Konjunkturflaute zu verzeichnen. Die Nachfrage konzentrierte sich neuerdings auf schlechtere Qualitäten. Am Ende des Jahres 1822 wurde der Betrieb eingeschränkt. Um den Förderpreis niedrig zu halten, wurden wenig Erkundungs- und Vorrichtungsarbeiten durchgeführt. Im Jahre 1825 war die Nachfrage wieder etwas stärker als das Angebot. Die Lohnkosten für den Bergbau auf Braunstein betrugen im Jahre 1824:

  • Schichtlohn = 8 Reichstaler
  • Lachtergedinge = 483 Reichstaler (Entlohnung nach Streckenvortrieb)
  • Centnergedinge = 2010 Reichstaler (Entlohnung nach Fördermenge)
Daraus geht hervor, dass die Bergleute vorwiegend im Leistungslohn arbeiteten. Aufgrund der stärkeren Nachfrage im Jahre 1826 wurden mehrere Arbeitskräfte eingestellt, die Erkundungs- und Vorrichtungsarbeiten durchführen mussten. Die mittelmäßige Förderung des Jahres 1827 kam dadurch zustande, dass an der Harzeburg und am Müncheberg häufig „Verdrückungen auf den Gängen und Trümern“ festgestellt wurden (A 6, S. 1). Daher kam das Lachtergedinge häufiger als das Centnergedinge zur Anwendung. Bei Preisherabsetzungen wurden Erkundungs- und Vorrichtungsarbeiten vernachlässigt und bei Preisheraufsetzungen „wird man oft verleitet, Versuche und Vorrichtungen zu unternehmen“ (A 6, S. 4). Da der Braunstein zum großen Teil im Tagebaubetrieb gewonnen wurde, orientierte man vorwiegend auf den Sommerbetrieb. Überstunden wurden im Jahre 1829 den „fleißigen geschickten Arbeitern“ erlaubt, um „ihr Lohn mit Gewinn für hohes Herrschaftliches Interesse etwas zu erhöhen“. Die Bergbau-Verwaltung bemühte sich, von allen Revieren Risse (Lagepläne) anzufertigen, „um in Zukunft kostspielige Ausgaben“ bei der Erkundung von Vorräten zu vermeiden. „Bei der geführten Aufsicht sind die Markscheidergeschäfte mit versehen worden“ (A 6, S. 116). Im Jahre 1832 sprach man von einem nicht zu beschränkten Braunsteinbetriebe (A 6, S. 188). Die Braunsteingewinnung geschah vorwiegend in sog. Krummholzarbeit (A 6, S. 6). Eine Knappschaftskasse, die für die notdürftige Unterhaltung von Witwen und Waisen zur Verfügung stand, war ein bescheidener Vorläufer unseres heutigen Sozialversicherungswesens. Im Sommer wurden solche Arbeiter entlassen, die einen anderen Beruf hatten und als „Mäher, Früchtebinder, Holzarbeiter und Steinbrecher gut zu gebrauchen sind“. Man achtete aber darauf, dass einige gute erfahrene Bergleute auch im Sommer im Bergbau blieben.

1835 wurden in verstärktem Maße alte Baue aufgewältigt und Restvorräte gewonnen. Obgleich die Lagerstättensituation ständig zwischen gut und schlecht wechselte, war „der Bergmann im Jahre 1839 stets in guter Hoffnung und beim Braunstein hat sie bis jetzt nicht betrogen“, denn in den letzten 20 Jahren waren viele Tausend Zentner gefördert worden.

Um 1840 ging die Nachfrage nach Braunstein zurück. Aus diesem Grunde wurde die Anzahl der Braunstein-Bergleute von etwa 100 auf ca. 20 reduziert (L 7, S. 103). Die verbliebenen Arbeitskräfte betrieben vor allem Tagebaue am Kleinen Müncheberg. Anzahl und Dimensionen der heute noch sichtbaren Röschen, Löcher, Senken und Steilwände lassen uns ahnen, welche Erzmengen in den folgenden zwei Jahrzehnten hier gewonnen wurden.

Im Jahre 1860 förderte man ca. 1000 Zentner Manganerze (L 7, S. 103). Ihr Preis betrug von der Grube aus je nach Qualität und Sorte (es gab drei Sorten) 2/3 bis 4 ½ Taler pro Zentner. Seit geraumer Zeit kaufte vor allem Russland die guten Sorten von der Gräflichen Stolberg-Wernigerodischen Bergbau-Administration Büchenberg bei Elbingerode.

Im Jahre 1869 war der Braunstein-Betrieb offensichtlich auflässig, denn die Gräflich Wernigeröder Bergbau-Administration zu Ilfeld mutete (einen Antrag auf Erwerbung von Bergbaurechten stellen) eine Fläche von 500 000 Quardratlachtern unter dem Namen Braunsteinzeche bei Ilfeld. Im gleichen Jahr erfolgte eine weitere Mutung auf eine gleich große Fläche unter dem Namen Bergmanns Hoffnung.

Wenige Jahre später – im Jahre 1872 – wurde Manganerz in 20 kleinen Tagebauen und einem Stollen gewonnen (L 2). Bis in die Mitte der achtziger Jahre war ein kontinuierlicher Absatz vorwiegend nach Russland gegeben. Als dann dort bedeutende Lagerstätten in Förderung kamen und außerdem Spanien sowie Indien den deutschen Markt belieferten, wurde der Ilfelder Mangan-Bergbau im Jahre 1890 auflässig.

Als Eduard Gossel aus Nordhausen im gleichen Jahre erneut die gesamten Braunstein-Bergwerke muten wollte, erfolgte in den nächsten Jahren eine globale Beurteilung der Bergbau-Situation durch die Kammer der Fürstlich Stolberg- Wernigerodischen Bergbauverwaltung. Im Bericht von Schleifenbaum angefertigt, wurden Vergabe von Bergbaurechten und Wiederaufnahme des Bergbaus mit folgender Begründung abgelehnt:

Absatzschwierigkeiten – In „früheren Jahren“ fand der Braunstein u. a. seinen Absatz in Russland und Holland. Inzwischen wurden im Kaukasus und in Spanien bessere Manganerze gewonnen. Um 1890 räumte Schleifenbaum dem Ilfelder Braunstein nur noch einen beschränkten Absatz in der Glasfabrikation ein. Geringe Absatzmengen und geringer Preis würden eine Wiederaufnahme des Bergbaus nicht rechtfertigen.
Ungünstige Lagerstättensituation – Die nutzbaren Vorräte befanden sich nur unmittelbar unter der Tagesoberfläche (Rasenläufer). Die gewinnbaren Vorräte waren fast vollständig angebaut.

Als im I. Weltkrieg die Nachfrage nach Manganerzen stieg, wurde im Jahre 1916 der Bergbau durch die Südharzer Schwerspatwerke Max Döring, die einen Pachtvertrag mit der Fürstlichen Kammer in Wernigerode abgeschlossen hatten, wieder aufgenommen. Ab 1917 übernahm die Firma Pretzschmer und Fitzsching aus Dresden den Mangan-Bergbau. Dieser Betrieb schloss gleichzeitig einen Kaufvertrag mit der Königlichen Klosterkammer in Hannover ab und erwarb das Grubenfeld Ilfelds Mangan.
Der Mechanisierungsgrad war noch sehr gering. Handbohrmaschinen, die ihre Pressluft von einem Kleinkompressor erhielten, waren das wesentlichste Element. Das Nutzgestein wurde mit Handkarren zum Zechenhaus transportiert, wo es auf einer Klaubebank reingeschieden wurde. Das Erz kam, wie schon im 18. Jahrhundert, in Holzfässern zum Versand. Das Produkt war wertvoll und der Preis entsprechend hoch. Der Abbau war im Vergleich zum 18. und 19. Jahrhundert intensiver. Bis zum Jahre 1921 förderte man 33 110 Zentner Erz, wobei die höchste Jahresleistung 1918 mit 9 410 Zentner erreicht wurde (L 5, S. 182). Die Konkurrenz des nach dem 1. Weltkrieges wieder auf den deutschen Markt drängenden ausländischen Manganerzes führte am 31.3.1922 (L 1, L 4, L 5, L 6) zur Einstellung der Ilfelder Braunstein-Bergwerke. Seit dieser Zeit ruht der Betrieb.
Obgleich (L 3) die Verhältnisse für eine erneute Inbetriebnahme in den 30er Jahren als günstig angesehen wurden, kam es weder im 2. Weltkrieg noch in der Folgezeit zu erneuten Aktivitäten. Der wesentlichste Grund dürfte (L 1) wohl in der fast vollständigen Erschöpfung der Vorräte liegen.

Quellenverzeichnis
 
A 1Den Betrieb der Braunstein-Gruben im Hohnsteinschen 1724 – 1763 – STAM, Rep H Stolberg-Wernigerode, Kammer, Repon. Reg., Fach 522, O II, Nr. 10
A 2Den Betrieb und Handel des Braunsteins 1765 – 1771 – STAM, Rep H Stolberg-Wernigerode, Repon. Reg., Fach 605, O IIIa, Nr. 6
A 3Den Betrieb und Handel des Braunsteins 1772 – 1777 – STAM, Rep H Stolberg-Wernigerode, Repon. Reg., Fach 605, O IIIa, Nr. 7
A 4Den Betrieb der Braunstein-Gruben im Hohnsteinischen betr. 1818 – 1819 – STAM, Rep H Stolberg-Wernigerode, Kammer, Repon. Reg., O IIIa, Fach 605, Nr. 9
A 5Den Betrieb der Braunstein-Gruben im Hohnsteinischen betr. 1819 – 1827 – STAM, Rep H Stolberg-Wernigerode, Kammer, Repon. Reg., O IIIa, Nr. 8
A 6Den Betrieb und die Verwaltung des Braunstein-Bergwerks im Hohnsteinischen Forst 1828 – 1835 - STAM, Rep H Stolberg-Wernigerode, Kammer, Repon. Reg., Fach 523, O II, Nr. 2
A 7Das Braunstein-Bergwerk im Hohnsteinischen Forst 1836 – 1844 – STAM, Rep. H Stolberg-Wernigerode, Kammer, Repon. Reg., O II, Fach 523, Nr. 6
A 8Die Mangan-Bergwerke Bergmanns-Hoffnung und Braunsteinzeche bei Ilfeld 1869 – 1892 – STAM, Rep. H Stolberg-Wernigerode, Kammer, Repon, Reg., Fach 523, Nr. 21
 
L 1BORNEMANN, M.: Der Manganerzbergbau bei Ilfeld. – Unveröff. Manuskript 1978
L 2BRÜNING, K.: Der Bergbau im Harze und im Mansfeldischen. – Braunschweig/Hamburg 1926
L 3HILLER: Untersuchungen über die Manganerzvorkommen von Ilfeld und Sülzhayn und ihre wirtschaftliche Verwendbarkeit im Rahmen des Vierjahresplanes. – Unveröff. Clausthal um 1938
L 4NEITZKE, G.: Einst Steigerhaus – heute Ausflugsziel. – „Das Volk“ vom 23.11.1977
L 5OELKE, E.: Die Industrie des mittleren und östlichen Harzes unter besonderer Berücksichtigung ihrer Lokalisation und Entwicklung. – Unveröff. Dissertation, Halle 1965
L 6RUMSCHEIDT, W.: Beitrag zur Kenntnis der Manganerzlagerstätten zwischen Ilfeld und Sülzhayn im Südharz und die Geschichte ihres Bergbaus. – Jb. D. Halleschen Verbandes für die Erforschung der mitteldeutschen Bodenschätze und ihrer Verwendung. 5. Band, 1926
L 7ZERRENNER, C.: Die Braunstein oder Manganerzbaue in Deutschland, Frankreich, und Spanien. – Freiberg 1861, 186 Seiten