Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz

Die Tierwelt in der Südharzer Karstlandschaft - Teil 1: Wirbellose

Hotspots der Biologischen Vielfalt

Von Harald Bock

Biologische Forschung und Monitoring gehören nach den UNESCO-Kriterien zu den Hauptaufgaben von Biosphären- reservaten. Dazu zählt auch die Erfassung der Artenvielfalt als Teil der Biodiversität.

Naturnahe Wälder im Südharz, die Gipskarstlandschaft mit ihren vielfaltigen Biotopstrukturen und abwechslungsreiche Offenlandschaften bieten einer Vielzahl von Tierarten, darunter auch sehr seltenen, einen idealen Lebensraum.

Entsprechend der Vielgestaltigkeit und der klimatischen Verhältnisse verlaufen Arealgrenzen für verschiedene Arten durch das Gebiet. Dies gilt besonders auch für Wärme liebende Insektenarten, von denen viele ihre Verbreitungsschwerpunkte in Süd- und Südwesteuropa haben. Neben einer hohen Artenvielfalt sind auch die Bestandesdichten einiger Artengruppen hervorzuheben, die anderen Ortes so nicht mehr zu finden sind.

Schachbrettfalter (Melanargia galanthea)

Fotos: Harald Bock

Derzeit werden für das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz ein Rahmen- konzept und der UNESCO-Antrag erarbeitet. Dazu war es notwendig, aktuelle faunistische Artenlisten zu erstellen.

In diesem ersten Teil sollen die bisher näher untersuchten Gruppen der wirbellosen Tiere vorgestellt werden.

Die Webspinnen und Kanker werden seit

einigen Jahren im Rahmen von Werkverträgen gezielt erforscht. Aktuell sind Vorkommen von etwa 240 Arten bekannt, darunter beispielsweise die Rote Röhrenspinne, die Wespenspinne und die für Sachsen-Anhalt erstmals nachgewiesene Baldachinspinne Lepthyphantes lepthyphantiformis.

An den Fließ- und Standgewässern können 36 Libellenarten beobachtet werden. Besonderheiten sind beide Quelljungferarten, Blauflügel-Prachtlibelle, Gefleckte Heidelibelle und Großes Granatauge.

Zu den 35 vorkommenden Heuschreckenarten, die von der Quellwiese bis hin zum Trockenrasen die verschiedensten Wald- und Offenland- lebensräume besiedeln, gehören unter anderen Blauflügelige Ödlandschrecke, Sumpfschrecke und Kleiner Heide- grashüpfer.
Im Biosphärenreservat konnten bisher über 800 Käferarten nachgewiesen werden. Experten schätzen ein, dass damit erst ein Drittel des Artenpotentials bekannt ist.

Der imposante Hirschkäfer hat im Südharz einen seiner Verbreitungsschwerpunkte. Der größte und auffälligste europäische Käfer besiedelt hier besonders Eichenmischwälder aber auch alte Streuobstwiesen. Nicht selten wird er während der Schwärmphase auch innerhalb von Ortschaften angetroffen. Bemerkenswert sind auch verschiedene vom Aussterben bedrohte Bock- und Prachtkäferarten.

Die zu den Hautflüglern gehörenden Artengruppen, wie zum Beispiel Wildbienen, Hummeln und Grabwespen, sind mit über 370 Arten vertreten.

Darunter befinden sich mit Sandfilzbiene, Erdbauhummel, Kupfer-Goldwespe und Waldschenkelbiene ebenfalls sehr seltene Arten.


Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)

Die reiche Schmetterlingsfauna mit über 600 bisher nachgewiesenen Arten ist in einigen Abschnitten des Biosphärenreservates recht gut erforscht. Bei den Tagfaltern sind hier Großer Schillerfalter, Kleiner und Großer Eisvogel, Perlbinde und Klee-Widderchen besonders bemerkenswert. Das Flaggschiff des Südharzes, der Schwarze Apollo, ist leider seit etwa 20 Jahren im Gebiet nicht mehr nachgewiesen worden. Auch die Nachtfalterfauna ist sehr artenreich. Zahlreiche Eulenfalter, Spanner, Schwärmer und Spinner können hier beobachtet werden.

Die Schwebfliegen, eine Artengruppe der Insekten, mit der sich nur wenige Spezialisten beschäftigen, sind mit etwa 180 Arten ebenfalls recht gut untersucht.
Beispiele sind hier die Pelzige Hummelschwebfliege, die Totenkopfschwebfliege und die Braune Bärenschwebfliege.

Auf Grund ihrer Seltenheit und Gefahrdung sind viele wirbellose Arten im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz durch internationale und nationale Schutzabkommen gesetzlich geschützt, so durch das Washingtoner Artenschutzabkommen, die EG-Richtlinie 338/98, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die Bundesartenschutzverordnung.

Über 260 Arten sind in den Roten Listen Sachsen-Anhalts aufgeführt.


14 Der Harz 10/2011