Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz
Teil 1

Die Flora im Biosphärenreservat
Karstlandschaft Südharz

Von A. Hoch

Das Biosphärenreservat zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten aus. Verschiedene Klimagradienten, die geologische Vielfalt und unterschiedliche Nutzungsarten auf kleinstem Raum sind dafür die Ursache. Etwa 1500 Arten der Farn- und Blütenpflanzen sind bisher nachgewiesen, davon gelten 16% als verschollen oder ausgestorben, da sie seit dem Jahr 2000 nicht mehr nachgewiesen werden konnten. Der Anteil geschützter und gefährdeter Pflanzenarten ist mit 28% sehr hoch.

Der Waldanteil beträgt mit 16.790 ha über 55% der Fläche des Biosphärenreservates und wird überwiegend (70%) aus sommergrünen Laubmischwäldern gebildet. Ausgedehnte buchenreiche Laubwälder bestimmen das Landschaftsbild am Auerberg bei Stolberg und an der südlichen Harzabdachung. Die Palette reicht von den ausgedehnten bodensauren Hainsimsen- Rotbuchenwäldern über die Waldmeister-Buchenwälder bis zu den Orchideen-Buchenwäldern, die kleinflächig im Gipskarstgürtel vorkommen.

Im zeitigen Frühjahr blühen hier zahlreich das Busch-Windröschen, das Gelbe

Windröschen, der Hohle Lerchensporn, das Wald-Bingelkraut, das Wald- und das Hain-Veilchen, das Scharbockskraut und der Gefleckte Aronstab. In den Laubwäldern im Zechsteingürtel kommen das Gewöhnliche Leberblümchen, die Türkenbund-Lilie, der Gewöhnliche Seidelbast, die Gewöhnliche Akelei und einige Orchideenarten, wie z. B. das Weiße, das Schwertblättrige und das Rote Waldvögelein, die Vogel-Nestwurz sowie die Breitblättrige und die Kleinblättrige Stendelwurz vor.

Von den Quellgebieten im Unterharz fließen zahlreiche Bäche durch die Täler der südlichen Harzabdachung.

 
Bach-Nelkenwurz      Fotos: A. Hoch
Weißer Diptam
Gewöhnlicher Bergfarn
Breitblättriges Knabenkraut


 12 Der Harz 02/2013
 
Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz
Diese Bachläufe werden von Wäldern aus Rot-Erle, Berg-Ahorn und Gewöhnlicher Esche begleitet, in denen auch die Berg-Ulme vorkommt. An sumpfigen Stellen der Bachläufe erscheinen der Scheiden-Gelbstern, das Gegenblättrige und das Wechselblättrige Milzkraut.

Einige tief eingeschnittene Täler weisen kühl-feuchte Schlucht- und Hangmischwälder auf. Hier kommen das Ausdauernde Silberblatt und der Gelbe Eisenhut vor. An den Silikatfelsen der steilen Böschungen und Hänge haben sich verschiedene Farne, wie der Braune Streifenfarn, der Tüpfelfarn, der Gelappte Schildfarn und der Zerbrechliche Blasenfarn angesiedelt. Die wenigen Vorkommen vom Hirschzungenfarn sind eng an die Karstmorphologie angepasst und wachsen an schattigen Gipsfelsen der Erdfälle und Dolinen. Hier kommt auch der Ruprechtsfarn vor. Der Gesägte Tüpfelfarn dagegen besiedelt offene, sonnige Partien der Gipsfelsen.

Feuchte Hochstaudenflure mit der Gewöhnlichen Pestwurz, dem Echten Mädesüß, dem Rauhaarigen Weidenröschen und dem Bunten Hohlzahn begleiten die Bachläufe. Andere Hochstaudenfluren mit Vorkommen der Behaarten Karde und dem Hohen Steinklee wachsen entlang der Waldwege. An den Ufern weniger Stillgewässer wachsen die Sumpf-Schwertlilie und der Sumpf-Farn.

Am Auerberg erreichen einige Vertreter der submontanen Vegetation das Gebiet des Biosphärenreservates, u. a.

die Wald-Hainsimse, der Europäische Siebenstern und die Bär-Wurz, sowie der Keulen-Bärlapp, der Gewöhnliche Buchenfarn, der Gewöhnliche Bergfarn und der Gewöhnliche Rippenfarn.

Eingebettet in den Wäldern entlang der Harzabdachung befinden sich Feucht- und Quellwiesen mit Vorkommen des Breitblättrigen Knabenkrautes, des Schmalblättrigen Wollgrases, des Schlangen-Wiesenknöterichs, der Bach-Nelkenwurz, der Igel-Segge und der Gelb-Segge. In einer Feuchtwiese bei Lengefeld wachsen die Sumpf-Brenndolde und das Gräben-Veilchen. Eine Besonderheit sind kleinflächig auftretende Kalk-Flachmoore mit dem Gewöhnliches Fettkraut, der Sumpf-Stendelwurz und dem Sumpf-Dreizack.

Im Osten und Südosten des Biosphärenreservates überwiegen in den Wäldern die Baumarten Trauben-Eiche und Hainbuche. Hier kommen das Schöne Johanniskraut, die Süße Wolfsmilch und die Violette Stendelwurz vor. Prägende Pflanze der wärmeliebenden Trauben-Eichenwälder im Süden des Biosphärenreservates sind der Weiße Diptam, die Färber-Scharte, die Straußblütige Wucherblume sowie die Astlose und die Ästige Graslilie. Hier hat die Elsbeere einen Verbreitungsschwerpunkt und an wenigen Stellen kommt der Speierling vor.

(Fortsetzung in Der Harz 04/2013)


Vogel-Nestwurz


Herbst-Drehwurz

 
Gewöhnliches Leberblümchen
Wechselblättriges Milzkraut

 Der Harz 02/2013 13