Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforscher30 (4)79 - 81München 1984

Die Mansfelder Schlotten

— ein Nachtrag —

von

FRIEDRICH STOLBERG †

mit einem Nachwort von

FRITZ REINBOTH

In der Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde, Jg. 1942/43 (Berlin 1943) S. 11 - 35, sind die Mansfelder Schlotten, soweit bekannt, von mir ausführlich beschrieben worden. Es waren 18 Schlotten, die nach Literatur, Angaben von Mansfeld A. G. und eigener Anschauung genannt werden konnten. Innerhalb der Katasternumerierung der Harzhöhlen (Zeitschrift 1942/43, S. 221 - 226) erhielten diese Schlotten die laufenden Nummern 97 - 114.
Infolge falscher Angabe seitens der Mansfeld A. G. wurde aber eine Schlotte irrtümlicherweise übergangen und daher auch nicht in das Kataster-Nummernverzeichnis aufgenommen: Es ist dies die Schlotte im Eikendorfe.
Kurz sei noch einmal darauf hingewiesen, daß es sich bei den »Schlotten« um natürliche Laughöhlen bedeutender Ausmaße handelt, die im Anhydrit, Älteren Gips, Jüngeren Gips gelegen sich tief unter Tage erstrecken und durch den mansfeldischen Kupferschiefer-Bergbau angefahren wurden. Ihre klassischen Verbreitungsgebiete sind die Mansfelder Mulde und das Sangerhäuser Revier, womit sie den Harzhöhlen zuzuzählen sind. Da die Schlotten ausschließlich innerhalb der Grubenbaue liegen, sind sie der Allgemeinheit unzugänglich; ihre Mehrzahl ist überhaupt, nach Auflassen der betreffenden Reviere, wieder in Verborgenheit versunken.
NAUWERCK nennt in seiner Arbeit (Beitrag zur Kenntnis der Gypse mit ihren Schlotten usw. — Bergwerksfreund Neue Folge Bd. I, Lief. 2, Eisleben 1860) auf S. 138 ». . . große Schlottenräume im sogenannten Eikendorfe im jüngeren . . Gypse . . .«. Auf diesbezügliche Anfrage teilte seinerzeit die Mansfeld A. G. mit, daß ein Eikendorfer Revier unbekannt sei und es sich vielleicht um ein Revier bei Eikendorf unweit der Saale handele. Mithin schied also diese Schlotte aus dem Kreis der Betrachtungen aus und blieb unberücksichtigt, sowohl in der Abhandlung, als auch in der Katasternumerierung.
Studien auf anderem Gebiet ließen aber bei H. GRÖSSER: »Die Wüstungen des Friesenfeldes und Hassegaues. — Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 8 Jg., Wernigerode 1875« auf S. 346 eine wüste Flur »Eikendorf« feststellen. Sie befindet sich 2,5 km NW Eisleben, rechts des Fußsteiges Eisleben — Helbra, somit also im Herzen des Schlottengebietes! Es kann also kein Zweifel darüber herrschen, daß hier jene verschollene, von NAUWERCK erwähnte Schlotte im Eikendorfe zu suchen ist. Mithin erhöht sich die Zahl der bisher bekannt gewordenen Schlotten auf 19 und die Katasternumerierung ist mit der »Schlotte im Eikendorfe« auf Nr. 115 (früher unbesetzt) zu ergänzen. Für die Arbeit in der Zeitschrift 1942/43 aber erhält der Nachtrag folgenden Wortlaut:

Schlotte im Eikendorf (Nr. 115)
(Meßtischblatt 2530 Eisleben)
Die Schlotte steht in jüngerem Gips und scheint noch zu NAUWERCKs Zeiten, um 1860, zugänglich gewesen zu sein. Ihre genaue Lage ist heute unbekannt, sie dürfte nahe dem aufgelassenen Ernst-Schacht, irgendwo unter der Höhe 229,4 oder unter dem Tal der Glume liegen, dort wo einst die um 900 erwähnte, 1573 längst wüste Gemarkung Eikendorf ausgebreitet war. NAUWERCK spricht von großen Höhlenräumen; die Schlottensohle mag bei etwa 150 m NN verlaufen.
Auf dem Lageplan in der Zeitschrift 1942/43 ist die Eikendorfer Schlotte ungefähr zwischen Nr. 105 (Schlotte am Schacht Ottiliae) und Nr. 111 (Schlotte am Otto-Schacht) einzuzeichnen. Anschließend wird noch einmal das Verzeichnis der bekannt gewordenen Schlotten, ergänzt durch Nr. 115, wiedergegeben:

Nr.Name der HöhleSeehöheMeßtischblatt
97Schlotte im Hohewarter Revier
?
2528 Wippra
98Schlotte am Schacht Elisabeth
200
2528 Wippra
99Schlotte im Segengottesstollen
150
2528 Wippra
100Schlotte im Kupferberger Revier
185
2529 Mansfeld
101Schlotte bei Welfesholz
?
2457 Hettstedt
102Schlotte bei Burgörner
?
2457 Hettstedt
103Schlotte im Eduardschacht
?
2457 Hettstedt
104Schlotte am Schacht E
ca.
100
2529 Mansfeld
105Schlotte am Schacht Ottiliae
ca.
100
2529 Mansfeld
106Schlotte bei Creisfeld
?
2529 Mansfeld
107Schlotte am Schacht W
60
2530 Eisleben
108Schlotte am Froschmühlenstollen
85
2530 Eisleben
109Schlotte im Hermannsschacht
?
2603 Erdeborn
110Schlotte Tiefbausohle II Eisleben
?
2530 Eisleben
111Schlotte am Ottoschacht
-112
2530 Eisleben
112Schlotte Tiefbausohle IV Eisleben
-160
2530 Eisleben
113Schlotte am Hohenthalsschacht
-160
2530 Eisleben
114Schlotte am Paulschacht
-240
2457 Hettstedt
115Schlotte im Eikendorf
ca.
150
2530 Eisleben

Ihrer Morphologie nach zählt die Schlotte im Eikendorf zu jenen des »Wimmelburger Typus«, das heißt zu jenen langgestreckten Höhlengebilden, innerhalb derer niedrige, schlauchförmige Strecken wechseln mit weitgespannten Flach-Hallen und hohen Kuppel-Domen (vergl. FULDA: Die Verbreitung und Entstehung der Schlotten in der Mansfelder Mulde. — Prüfungsarbeit Preuß. Geol Landesanstalt, Berlin 1912). Sie ist daher gruppenmäßig den Katasternummem 97 - 109 einzugliedern.
Der Vollständigkeit halber und abschließend sei hinzugefügt, daß NAUWERCK auf S. 138, unter Berufung auf JASCHKE, auch für die Ilsenburger Gegend (Nord-Harz) »Schlotten im jüngeren Gips« nennt. Hier dürfte es sich um die Auslaugungen in jenen Gipslagern handeln, die zwischen Ilsenburg und Wernigerode im Klosterholz zu Tage treten. Ihrer ist unter Nr. 40 der Katasternumerierung der Harzhöhlen gedacht.

Nachwort

Die vorstehende Arbeit des 1975 verstorbenen Harzer Höhlenforschers F. STOLBERG war ursprünglich zur Veröffentlichung in den Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Karstforschung (Red.: R. SPÖCKER, Nürnberg) vorgesehen. Die Veröffentlichung kam nicht mehr zustande, da die Zeitschrift mit Nr. 4/1950 ihr Erscheinen einstellte.
Durch die exakte Tagebuchführung STOLBERGs sind wir in der Lage, die »Entstehungsgeschichte« vorliegenden Aufsatzes zurückverfolgen zu können. Am 13. 3. 1951 erschien K.-W. SANDERS, Schriftleiter der Harz-Zeitschrift, bei STOLBERG in Goslar, um Literaturangaben für eine Harzbibliographie zu erbitten. »Durch Sanders Besuch angeregt, Ergänzung zu meinem Schlotten-Aufsatz 1942/43 verfaßt (die damals nicht berücksichtigte Schlotte im Eikendorfe).« Später, aber auch unter dem 13. 3.: » . . . vollendete . . . den Aufsatz nebst Schreiben nach Nürnberg. Trug den Brief um 20 Uhr zum Postkasten.« (Tagebuch 1951). Spätere Rückfrage von STOLBERG bei SPÖCKER und HELLER via BINDER ergab, daß der Beitrag nicht mehr vorhanden war (briefl. Mitt. BINDER v. 4. 1. 1965). Er fand sich jedoch in Durchschrift im Nachlaß von STOLBERG; diese ist Grundlage der jetzigen Veröffentlichung.
Die unter dem Sammelnamen »Mansfelder Schlotten« zusammengefaßten Höhlen in Gips und Anhydrit wurden ausnahmslos durch den Kupferschieferbergbau in der Sangerhäuser Mulde im Hangenden des Kupferschieferflözes angefahren und gehören zu den größten Naturhöhlen Deutschlands. Daß keine dieser Schlotten für die Karstforscher aus der Bundesrepublik zugänglich ist, ändert nichts an ihrem internationalen Rang als Karstobjekt.
Galten diese Riesenhöhlen mit Ausnahme der beiden Schlottenzüge bei Wimmelburg nach Auflässigwerden der Reviere als für immer unzugänglich, so gelang es den DDR-Höhlenforschern nach eingehendem Studium bergbaulicher Unterlagen, einige der größten Schlotten durch den Gonnaer Stollen und den Segen-Gottes-Stollen erstmals nach 100 Jahren wieder zu erreichen: ein geradezu spektakulärer Erfolg. Über die Ergebnisse der Expeditionen ist in mehreren Sonderheften des Karstmuseums Heimkehle (Uftrungen) und Aufsätzen erschöpfend berichtet. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Untersuchungen für die Kenntnis der Gipsverkarstung ist kaum abzusehen.
Unter diesen noch vor weniger als zehn Jahren ungeahnten Aspekten darf die Frage gestellt werden, ob die Veröffentlichung eines vor über 30 Jahren entstandenen Aufsatzes noch gerechtfertigt ist. Ein Blick in das »Register der DDR-Höhlen« von 1982 zeigt aber, daß die hier behandelte Schlotte unbekannt geblieben ist. Die Arbeit STOLBERGs (1942/43), welche durch die hier vorgelegte Veröffentlichung ergänzt wird, ist — wenn auch in manchen Details durch die Neuforschungen im Archiv und vor Ort überholt — immer noch die umfassendste Abhandlung über das Phänomen »Schlotten« und als solche unentbehrlich.

Neueres Schrifttum zu den Mansfelder Schlotten

STOLBERG, F. (1942/43): Die Mansfelder Schlotten. — Z. f. Karst-u. Höhlenkd., Berlin, S. 11 - 35
REUTER, F., MOLEK. H. u. KOCKERT, W. (1977): Schlotten bei Eisleben. — In: Einführung in die Ingenieurgeologie des Salz-und Gipskarstes. Exkursionsführer zu ausgewählten Objekten des Salz- und Gipskarstes im subherzynen Becken, in der Mansfelder Mulde und im Südharzgebiet. — Freiberg, S. 87 - 91
VÖLKER, R. (1978): Expedition in die Wimmelburger Schlotten. — Jb. des Höhlenforschers. Kulturbund der DDR, Arbeitskreis Höhlen- und Karstf., o. O., S. 2 - 7
VÖLKER, R. u. C. (1982 a): Die Elisabethschächter Schlotte. — Arbeitskreis Höhlen- und Karstf. beim Kulturbund der DDR, Karstmuseum Heimkehle: Heft 2 (Uftrungen)
dies. (1982 b): Die Segen-Gottes-Schlotte. — Karstmuseum Heimkehle: Heft 3 (Uftrungen)
KORTE, OSTERLOH u. VÖLKER (1982): Die Geschichte des Sangerhäuser Kupferschieferbergbaus. — Karstmuseum Heimkehle (Uftrungen)
WINKELHÖFER, R. (1982): Register der DDR-Höhlen. — Deutscher Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf der DDR, Fachkommission Höhlenforschung. — Dresden
VÖLKER, C. u. R. (1983 a): Schlotten: Gegenstand der 10. zentralen Tagung für Höhlen- und Karstf. beim Kulturbund der DDR. — Fundgrube XIX, H. 2, S 34 - 35, Berlin
dies. (1983 b): Kenntnisstand über die im Sangerhäuser Revier bisher aufgefundenen Schlotten. — Fundgrube XIX, H. 2, S. 36 - 45, Berlin
VÖLKER, C. (1983): Die historischen Vorgänge bei der Entdeckung der Elisabethschächter Schlotte. — Fundgrube XIX, H. 2, S. 45 - 50. Berlin

Über die ältere Literatur finden sich Angaben bei STOLBERG (1942/43) und VÖLKER (1982 a) und (1982 b).


Abb. 1: Die Mansfelder Schlotten. Aus: STOLBERG (1942/43).