Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforscher
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München 2010

Professor Dr. Dieter Meischner 75

Am 21. November 2009 beging Dieter Meischner seinen 75. Geburtstag. Er hat sich seit seiner Schulzeit bis heute mit Fragen des Karstes beschäftigt. So war er denn auch schon mehrfach Autor beim Verband, aber wir haben ihn noch nicht persönlich vorgestellt. Das sei hiermit nachgeholt.

Geboren 1934 in Braunschweig, wo er auch zur Schule ging und das Abitur ablegte, begann er 1955 mit einem Studium der Geologie/Paläontologie und Zoologie an der Universität Göttingen. 1957 stieg er mit einem Berufspraktikum bei der Erzbergbau Salzgitter AG in die Praxis ein. Es folgte u.a. eine Beschäftigung in der Markscheiderei der Kali-Chemie AG, Schacht Sehnde II. Thema seiner Diplomarbeit war 1960 "Das Mitteldevon-Gebiet westlich Bad Wildungen". Bereits 1961 folgte die Dissertation "Rhenaer Kalk und Posidonienkalk im Kulm des nordöstlichen Rheinischen Schiefergebirges und der Kohlenkalk von Schreufa (Eder)". Zunächst wissenschaftlicher Assistent, bekam er 1966 die venia legendi für Geologie und Paläontologie als Privat-Dozent an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen. 1970 folgte die Berufung zum Professor und Vorsteher der Abteilung Sediment-Geologie am Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Göttingen. 2000 wurde Prof. Meischner pensioniert.

Schon als Schüler lernte Dieter Meischner die Einhornhöhle bei Scharzfeld im Südharz kennen. Die Kolke in der Einhornhöhle lieferten ihm ein frühes genetisches Schlüsselerlebnis, er schrieb uns: „Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich als Schüler die extremen Kolkungen in der Einhornhöhle gesehen und mich gewundert habe, und wie diese Verwunderung zugenommen hat, je mehr Wildbachkolke ich in Norwegen, in den Alpen und den Dinariden gesehen habe. Die Barbarossa-Höhle brachte die Erleuchtung“.

Als Student organisierte er 1956 und 1958 mit Freunden Grabungen in der Einhornhöhle, deren Entstehung und Inventar ihn bis heute beschäftigen. Kurz nach einer der Grabungskampagnen entdeckte der damalige Höhlenführer Wilhelm Rögener die erste norddeutsche Höhlenmalerei. Dargestellt fand er in Kohle gezeichnet zwei Mammute, deren einem ein in Rötel ausgeführter Jäger von hinten einen Speer hineinstößt. Welch Sensation! Sie wurde sofort in der Lokalpresse verkündet. Alsbald hieß es aber, da die Fachwelt skeptisch war, es handele sich um einen modernen Ulk. Jahre später, etwa um 1990, kamen wir mit Prof. Meischner auf das Thema zu sprechen, und er löste das ulkige Rätsel. Der Künstler bleibt ungenannt…

Auch der Großerdfall Jues in Herzberg am Harz und der Karst im Iberg-Winterberg bei Bad Grund waren und sind Arbeitsgebiete Meischners – seine Betreuung führte hier zu zahlreichen Diplomarbeiten und Dissertationen.

Längere Zeit arbeitete Meischner in Slowenien. Er leitete einen karbonatgeologischen Kurs mit Exkursionen für die Universitäten Ljubljana und Zagreb sowie die Geologischen Dienste von Slowenien und Kroatien, ebenfalls zwei UNESCO-Kurse, zeitweise als Dozent der Universität Ljubljana. Damals hat er dort zahlreiche Höhlen befahren. Viele Jahre arbeitete er auch im Editorial Board von Geologia Croatica mit.

Seine mehrjährigen Forschungsvorhaben zur Entstehung der karibischen Korallen-
Inseln in den Warmzeiten des Pleistozäns waren selbstverständlich nicht möglich ohne das Studium der dortigen Höhlen, die sich in Zeiten stabilen Meeresspiegels gebildet haben. Die großartigen Tropfsteinhöhlen auf Bermuda, den Bahamas und Barbados sind heute größtenteils vom Meer geflutet und nur für Höhlentaucher zugänglich. Die holozänen Höhlen sind teilweise als Schauhöhlen hergerichtet, aber bei uns wenig bekannt.

Ehrungen blieben bei einem Forscher seiner Erfahrung nicht aus: Hermann Credner-Preis der Deutschen Geologischen Gesellschaft (Heidelberg 1969), Boris Kidric- Preis der Slowenischen Akademie der Wissenschaften, anteilig (Ljubljana 1975), Lifetime Member of the Corporation, Bermuda Biological Station for Research, Inc. (St. George's, Bermuda 1978) und Gustav Steinmann-Medaille der Geologischen Vereinigung e.V. (Amsterdam 1996).

Die geowissenschaftliche Höhlen- und Karstforschung im Westharzgebiet wurde in den 1970er Jahren intensiv von der Studentengruppe um Andreas Brandt, Stephan Kempe, Martin Seeger und Firouz Vladi am Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Hamburg betrieben. Vom Institut selbst bekam die Gruppe damals aber kaum Unterstützung – Hamburg war noch ganz der klassischen Paläontologie verschrieben („über dem Devon beginnt der Abraum“). Doch kreuzten die vier Studenten oft in Göttingen bei Prof. Meischner und seinen Mitarbeitern auf – von dort bekamen sie jede erdenkliche Hilfe. Z.B. wurden die Mittel aus dem niedersächsischen Zahlenlotto für die ersten Projekte der Arbeitsgemeinschaft für Niedersächsische Höhlen in Göttingen von Prof. Meischner verwaltet.

Wo immer wir seine Hilfe im Harzer Karst benötigten, sei es beim Streit um den Dünaer Gipskarst oder bei Forschungsprojekten, hat sich Dieter Meischner stets engagiert. Dafür gebührt ihm der Dank der Höhlenforscher!

Humor ist ein wichtiger Teil seines Wesens, wobei er sich auch selbst auf die Schippe nehmen kann. Diese Eigenschaft ist in der Wissenschaftlerszene nicht allgemein verbreitet.

Mögen Dieter Meischner seine Schaffenskraft und sein Humor noch lange erhalten bleiben!

Weitere Informationen in www.dieter-meischner.de

Dr. Friedhart Knolle und Firouz Vladi


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