Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforscher
60 (1)
10-12
München 2014

Positiver Trend des Fledermaus-Winterbestands in der
Einhornhöhle bei Scharzfeld, Landkreis Osterode am Harz

von
WOLFGANG RACKOW

Zusammenfassung
Die Einhornhöhle ist seit über 100.000 Jahren ein traditionsreiches Winterquartier u. a. für die Fledermausfauna. Konkrete Zählungen gab es erst seit 1987. Ab 2003 hat der Autor mit dem Team der Fledermaus-AG im NABU Osterode e.V. regelmäßige Kontrollen durchgeführt und auch die verschollene Mopsfledermaus nach über 90 Jahren wieder nachgewiesen. Die Art scheint, genau wie das Große Mausohr, in der Region einem positiven Bestandstrend zu unterliegen. Bemerkenswert ist eine ungefähre Verdoppelung der nachgewiesenen Winterschläfer innerhalb von 10 Jahren.

Abstract
Since more than 100,000 years, the Unicorn Cave near Herzberg-Scharzfeld, Landkeis Osterode am Harz, Lower Saxony, is a hibernation cave for bats and other animals. Hibernating bats were only counted since 1987. From 2003 on, the author systematically registers the hibernating bats together with the Bat Working Group of the NGO NABU Osterode e.V. In the course of this work, the missing western barbastelle bat Barbastella barbastellus was found again after more than 50 years. This species seems to have a regionally positive population trend similar to the greater mouse-eared bat Myotis myotis. The counted hibernating bats nearly doubled within ten years.

Résumé
Depuis plus de 100 000 années la grotte de la licorne près de Herzberg- Scharzfeld, arrondissement Osterode, basse saxe constitue un quartier d’hibernation traditionnelle pour les chauves souris. Des recensements exactes ne sont faites qu’ après 1987. Depuis 2003 l’auteur avec le bats-team du NABU Osterode a entrepris des contrôles régulières et prouvé après plus de 90 années la présence de la barbastelle commune. Cette espèce semble avoir une tendance positive dans la région comme le grand murin. Il est remarquable qu’on a trouvée un redoublement des chauve-souris hibernants documentés en dix ans.

Fledermäuse in der Einhornhöhle
Die Einhornhöhle liegt im Zechsteindolomit ca. 1500 m nördlich von Herzberg-Scharzfeld im niedersächsischen Landkreis Osterode am Harz und hat eine Gesamtganglänge von über 600 m. Die „Klippen mit Höhlen und Einhornhöhle im Buchenwald bei Scharzfeld“ stellen einen Geschützten Landschaftsbestandteil dar (LB OHA 11).
Als Schauhöhle bedurfte es einer neuen Betriebsgenehmigung. So wurde vom Autor und Mitgliedern der Fledermaus-AG des NABU Osterode e.V. im Auftrag des Landkreises Osterode am Harz von 2005 - 2009 jeweils eine Winterquartierkontrolle durchgeführt. Diese Kontrollen wurden dann bis 2013 weitergeführt. Mit jeweils 5 - 12 fachkundigen Personen wurde die Höhle bis auf einen Termin in 2012 regelmäßig aufgesucht und alle winterschlafenden Tiere notiert. Bei dem Termin in 2007 hatte das Frühjahr zeitig begonnen und es waren nur noch vier Winterschläfer anwesend.
Bei keiner Kontrolle wurden hibernierende Tiere im Weißen Saal, Hubertusgang und Eingangsstollen festgestellt, was vom Höhlenbetreiber Unicornu fossile e.V. (Dr. Ralf Nielbock) – allerdings zu anderen Zeiten – mit Einzelnachweisen widerlegt wurde. Der Eingangsstollen befindet sich durch die Eingangstür immer wieder im starken Durchzug. Der Weiße Saal mit dem Hubertusgang liegt im wärmsten Bereich des Höhlensystems. Sobald die Eingangstür geöffnet wird, herrscht auch hier ein starker Durchzug.
Fast alle Fledermausarten nutzten zumeist die Spalten von einer Höhe unter einem Meter bis zur Höhlendecke von ca. 10 m im Schillersaal. Der Autor geht darüber hinaus von einer 3- bis 5-fachen Dunkelziffer an hibernierenden Tieren aus, die in den vielen tiefen Spalten nicht entdeckt werden konnten. Hier sind es überwiegend Wasser- und Fransenfledermäuse, die sich gern in Spalten mit Bauch- und Rückenkontakt verkriechen. Bei den Netzfängen konnten mehrere Probeanflüge an Felsspalten beobachtet werden. Die Mausohren Myotis myotis hingen, wie alle anderen Fledermausarten, frei; es gibt aber auch kleine Gruppen von 2 - 5 Tieren.

Abb. 1: Grundriss der Einhornhöhle 
Datum                    Arten
Winterquartierergebnisse
gesamt
20.12.19873 Mausohren3 Bartfledermäuse1 Wasserfleder-
maus
1 Braunes
Langohr
8
08.02.19974 Mausohren3 Bartfledermäuse
7
16.02.20036 Mausohren9 Bartfledermäuse/
1 Große Bartfledermaus
beringt
3 Wasserfleder-
mäuse
2 Braune
Langohren
1 Breitflügelfleder-
maus
22
20.03.20047 Mausohren10 Bartfledermäuse3 Wasserfleder-
mäuse
20
29.01.20054 Mausohren5 Bartfledermäuse2 Wasserfleder-
mäuse
1 Braunes
Langohr
12
23.05.200510 Mausohren8 Bartfledermäuse2 Wasserfleder-
mäuse
1 Braunes
Langohr
1 Fledermaus
22
26.03.200618 Mausohren4 Bartfledermäuse/
1 Kleine Bartfledermaus/
1 Große Bartfledermaus
4 Wasserfleder-
mäuse
1 Braunes
Langohr
1 Mopsfledermaus
30
06.04.20071 Mausohr2 Bartfledermäuse
1 Fransenfledermaus
4
21.03.200813 Mausohren10 Bartfledermäuse/
2 Kleine Bartfledermäuse
3 Große Bartfledermäuse
1 Wasserfleder-
maus
1 Fransenfleder-
maus/
1 Breitflügelfleder-
maus
31
22.03.200911 Mausohren7 Bartfledermäuse/
3 Kleine Bartfledermäuse/
1 Große Bartfledermäuse
1 Breitflügelfleder-
maus
23
28.03.20109 Mausohren2 Bartfledermäuse1 Wasserfleder-
maus
2 Braune
Langohren
2 Mopsfledermäuse
16
12.02.201135 Mausohren4 Bartfledermäuse3 Wasserfleder-
mäuse
2 Myotis spec.
43
24.03.201326 Mausohren7 Bartfledermäuse1 Wasserfleder-
maus
5 Mopsfledermäuse/
1 Breitflügelfleder-
maus
40
Netzfänge
12.09.2003
1 Wasserfleder-
maus 
1 Fransenfleder-
maus
2
28.08.2011
1 Kleine Bartfledermaus 3 Wasserfleder-
mäuse:
1 Mopsfledermaus
5
Tab. 1: Winterquartierergebnisse und Netzfänge in der Einhornhöhle bei Scharzfeld

Positiver Bestandstrend
Der Durchschnitt in den letzten fünf Jahren betrug rund 22 Fledermäuse pro Erfassung. Bemerkenswert sind der stetige Anstieg von Mausohren (Höchstzahl 35 in 2011) und der Nachweis von fünf Mopsfledermäusen in 2013.
Schon LÖNS (1906) erwähnte die Mopsfledermaus „in Mengen in der Einhornhöhle“, die dann aber fast 100 Jahre verschollen war und erst 2006 wiederentdeckt wurde (PHILLIP & RACKOW 2005), siehe Tab. 1. Im Bestand des Niedersächsischen Landesmuseums in Hannover ist noch ein Exemplar von Löns vorhanden (RACKOW 2010).
Die positiven Bestandszahlen bzw. Funde und Fänge des Mausohrs im Landkreis Osterode (RACKOW 2005) sind auch auf die Öffentlichkeitsarbeit und Verbesserung der Erfassungsmethoden zurückzuführen. Frühere Daten zur Fledermausfauna der Einhornhöhle wurden vom Autor bereits veröffentlicht (RACKOW 2004a, b).
Bemerkenswert ist, dass bis heute keine Nordfledermaus im Höhlensystem aufgetaucht ist, obwohl in Scharzfeld Wochenstuben und Einzelbeobachtungen (RACKOW 2006; SKIBA 2001, 2005) vorliegen.
Tabelle 1 fasst die Ergebnisse, auch älterer Winterquartierkontrollen, zusammen. Die besten Ergebnisse der Zählungen sind meist auf kältere Wetterperioden zurückzuführen.
Zusätzlich sind die Ergebnisse von zwei Netzfängen aufgeführt – sie wurden nur bis zu drei Stunden Dauer durchgeführt, und es wurden auch nicht alle Eingangsbereiche im Blauen Saal abgespannt.
Die Einhornhöhle war und ist seit über 100.000 Jahren ein Überwinterungsort der Chiropteren, was die Ergebnisse von Grabungen eindrucksvoll belegen (NIELBOCK 1987, 1998). Das Artenspektrum hat sich über die verschiedenen Eis- und Warmzeiten immer wieder verändert. So gab es vermehrte Nachweise von Kleinen Hufeisennasen Rhinolophus hipposideros und Wimperfledermäusen Myotis emarginatus. Beide Arten gehören heute nicht zur aktuellen Fledermausfauna in Niedersachsen.

Literatur
LÖNS, H. (1906): Beiträge zur Landesfauna 3. Hannovers Säugetiere. – Jb. Prov.-Mus. Hannover 1906: 26-42
NIELBOCK, R. (1987): Holozäne und jungpleistozäne Wirbeltierfaunen der Einhornhöhle/Harz. – Diss. Math.-Naturwiss. Fak. TU Clausthal, 195 S., online veröff. auf www.einhornhoehle.de
NIELBOCK, R. (1998): Faunen des Eiszeitalters. Funde und Grabungen in Schlotten und Höhlen des Südharzes. – In: Gipskarstlandschaft Südharz – aktuelle Forschungsergebnisse und Perspektiven. NNABer. 11(2): 61-70
PHILIPP , L. & RACKOW, W. (2005): Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) in Niedersachsen nach über 100 Jahren in der Einhornhöhle bei Scharzfeld/Harz. – Mitt. AG Zool. Heimatf. Nds. 10/11: 22-24
RACKOW, W. (1997): Wiederfund der Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus Schreber 1774) nach über 90 Jahren im Landkreis Osterode am Harz. – Beitr. Naturkd. Niedersachsens 50: 143-144
RACKOW, W. (2004a): Die Fledermäuse der Einhornhöhle. – Unser Harz 52(2): 33-35
RACKOW, W. (2004b): Die Fledermausfauna der Einhornhöhle und des Landkreises Osterode am Harz. – Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforscher 50(2): 59-60
RACKOW, W. (2005): Zur aktuellen Verbreitung des Mausohrs, Myotis myotis (Borkhausen, 1797), im Landkreis Osterode am Harz (Niedersachsen). – Nyctalus N. F. 10: 160-167
RACKOW, W. (2006): Vergleich der fossilen und rezenten Fledermausfauna im Landkreis Osterode am Harz und im weiteren Harzraum. – Nyctalus N.F. 11(1): 3-10
RACKOW, W. (2010): Der Fledermausbestand (Mammalia: Chiroptera) des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover (Stand 3/2010). – Mitt. AG Zool. Heimatf. Nds. 15/16: 8-12
SKIBA, R. (2001): Kurzbericht über Fledermausvorkommen im Harz und im nördlichen Harzvorland. – Unveröff. Ms., 2 S.
SKIBA, R. (2006): Zum Vorkommen der Nordfledermaus, Eptesicus nilssonii (Keyserling & Blasius, 1839), im südlichen Harzvorland. – Mitt. AG Zool. Heimatforsch. Niedersachs. 10/11:6-12

Autor: Wolfgang Rackow, Schneiderteichweg 58, 37520 Osterode am Harz, w.rackow@gmx.de


Wir danken der Schriftleitung der Mitteilungen des Verbandes deutscher Höhlen- und Karstforscher für die freundliche Genehmigung, diesen Beitrag ebenfalls veröffentlichen zu dürfen. Weiterer Nachdruck oder Veröffentlichung bzw. Verbreitung in anderen elektronischen Medien nur mit schriftlicher Genehmigung der Schriftleitung.