Walther Reinboth

1899 - 1990


 

Walther Reinboth kam am 18. Dezember 1899 als Sohn des Kunst- und Dekorationsmalers Friedrich Reinboth und seiner Frau Amalie zur Welt.

Bei Gebhard & König in Nordhausen erlernte er den Kaufmannsberuf. Nach dem Weltkrieg, den er bei einem badischen Artillerieregiment erlebte, ging er 1922 als Buchhalter auf die früher zu Branderode gehörende Gipsfabrik Kutzhütte zur Firma H.& E. Börgardts und heiratete 1923 Emma Wichmann. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor. 1928 zog er wieder nach Nordhausen, um die Firma Börgardts in der neugegründeten "Verkaufsstelle Mitteldeutscher Gipswerke" in der Arnoldstraße zu vertreten.

Infolge der Zerstörung Nordhausens und der Auflösung der dortigen Verkaufsstelle kam Walther Reinboth nach der Heimkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Januar 1946 wieder auf die Kutzhütte, die im Zuge einer Grenzbegradigung mit einigen anderen preußischen Ortschaften der britischen Besatzungszone zugeschlagen worden war. Als Prokurist prägte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1967 besonders die Öffentlichkeitsarbeit der Firma Börgardts.

Walther Reinboth war einer der heute selten gewordenen Menschen, die auf vielen Gebieten schöpferisch tätig sind und dabei ihren Weg ohne Rücksicht auf Modeströmungen gehen. Bei dem 1923 jung verstorbenen Nordhäuser Kunstmaler Albert Seewald hatte er Techniken des Malens und Zeichnens erlernt; im wesentlichen war er aber Autodidakt. Selbst während des Krieges war der Skizzenblock sein ständiger Begleiter. Seine Lieblingsmotive waren neben Landschaften, Dorf- und Stadtbildern alte Bäume und Waldmotive. Neben Beruf und Malerei schrieb Walther Reinboth Gedichte und kleinere Beiträge für Tageszeitungen und Zeitschriften.

Als Reinboth 1928 wieder nach Nordhausen gezogen war, hatte ihn sein früherer Turnbruder Hans Löffler mit den Höhlenforschern um Fritz Stolberg bekannt gemacht.
Bald gehörte er zu den regsten Mitgliedern der "Gesellschaft für Höhlenforschung im Harzgebiet". Mit sicherem Strich und mit einfachsten Mitteln brachte er die Eindrücke unter Tage zu Papier. Die damals entstandenen Skizzen wurden im April 1945 ein Opfer des Bombenangriffs. Von seinen Höhlenforschergedichten wurde der "Heidnische Choral der Nordhäuser Höhlenforscher" durch seinen Höhlenforscherkameraden Fritz Strötker wirkungsvoll in Musik gesetzt. Nach dem Kriege war es im Westteil des Harzes Walther Reinboth, der zusammen mit Hugo Haase die Tradition der Nordhäuser Höhlenforscher an die jüngere Generation weitergab. Die Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde in Niedersachsen dankte ihm dies 1983 durch die Ernennung zum Ehrenmitglied.

Durch die Begegnung mit Stolberg und Haase erwachte Reinboths besonderes Interesse an der Geologie des Gipses. In den Steinbrüchen sah er mehr als bloße Rohstofflager. Die sorgfältige Bergung zahlreicher eiszeitlicher Großsäugerknochen aus den Abraum der Gipsbrüche unter Beteiligung namhafter Fachleute wäre ohne ihn kaum denkbar gewesen.

Erst im Rentenalter entdeckte Walther Reinboth seine Neigung zur Geschichtsforschung. Mit einigen Gleichgesinnten gründete er 1964 den Walkenrieder Geschichtsverein, dessen Vorsitz er dann seit 1968 bis 1990 innehatte.

Seine letzten Lebensmonate waren von schwerer Krankheit überschattet.

Am 15. Dezember 1990, kurz vor seinem 91. Geburtstag, ist Walther Reinboth friedlich eingeschlafen.

Fritz Reinboth, Braunschweig