Quellen - die besonderen Biotope

In Ouellenbiotopen vereinigt sich auf engstem Raum ein Mosaik aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen. In direkter Nachbarschaft finden sich Lebensbedingungen, wie sie in der Grundwasserzone oder in Fließgewässern herrschen. Dort wo sich das Wasser aufstaut, entstehen Verhältnisse wie in einem Stillgewässer. Quellen fungieren als Schnittstelle zwischen terrestrischen und aquatischen Lebensräumen.

Quellen zeichnen sich durch eine konstante, niedrige Wassertemperatur und ein geringes Nährstoffangebot aus. In der Rhumequelle beträgt die Wassertemperatur das ganze Jahr über konstant 8 - 9 ° C.

Diese speziellen Umweltbedingungen in Verbindung mit der räumlichen Enge, die Quellbiotope kennzeichnet, haben dazu geführt, daß in Quellen nur wenige, meist hochspezialisierte Arten leben. Für diese Quellbewohner ist der Konkurrenzdruck dann nicht besonders hoch.

Obwohl Quellen selbst nur kleine Landschaftselemente sind, werden sie aus einem Einzugsgebiet von bis zu mehreren hundert Quadratkilometern Größe gespeist. Die Wasserqualität einer Quelle steht in unmittelbarer Beziehung zu den ökologischen Verhältnissen in ihrem Einzugsgebiet und kann deshalb als Indikator für den Zustand großer Landschaftsausschnitte herangezogen werden.
Ein Indikator für die gute Qualität des Rhumewassers sind die Forellen, die in der Quelle und der Rhume leben.

Tiere in der Quelle

Die besonderen Lebensbedingungen in einem Quellbiotop verlangen von den Bewohnern auch eine spezielle Anpassung an diesen Lebensraum. Aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen und des geringen Nährstoffangebotes sind Quellen im allgemeinen artenarme Biotope.

Es gibt einige Tierarten, die sehr stark angepaßt sind und ausschließlich in Quellen vorkommen. Dazu gehören z.B. der Alpenstrudelwurm, die Quellschnecke und einige Köcherfliegenarten. Andere Tiere passen sich den Lebensbedingungen in Quellen dadurch an, daß sie ihre Ernährungsgewohnheiten ändern. Einige traditionell räuberisch lebende Köcherfliegenlarven wechseln zu Pflanzennahrung oder werden zu "Resteverwertern" indem sie sich von abgestorbenen Pflanzen und Tieren ernähren.

Höhlenkrebse und Höhlenasseln sind an ein Leben im Grundwasserbereich angepasst. Ihr Vorkommen in einer Quelle zeigt an, daß es sich um einen echten Grundwasseraustritt handelt und nicht um oberflächennahe Wasserabflüsse. Die Larve der gestreiften Quelljungfer verbringt drei bis sieben Jahre im flachen Sediment, bis sie sich zur fertigen Libelle entwickelt hat. Damit bescheinigt sie jahrelange hervorragende Wasserqualität.

Im Umfeld der Rhumequelle leben auch einige seltene Vogelarten. Hier hat z.B. der türkis schillernde Eisvogel ein Refugium gefunden. Daneben gibt es auch noch die Wasseramsel und den Pirol.

Der Auenquellwald

Die Rhumequelle ist nicht nur von ihrer Schüttung her gesehen eine große Quelle sondern auch von ihrer räumlichen Ausdehnung. Der weitere Quellbereich umfaßt westlich des Hauptquelltrichters sogar einen Quellwald. Auf feuchtem, sumpfigen Grund wächst hier ein Auenwald. Diese Waldform ist in unserer heutigen Kulturlandschaft durchaus schon selten geworden und deswegen auch ein besonders schutzwürdiges Biotop.

Der Grundwasserspiegel steht hier an der Oberfläche und schwankt im Laufe des Jahres etwas in Abhängigkeit von der Quellschüttung. Dadurch entsteht ein sehr dynamischer Lebensraum in dem Stoffumsätze beschleunigt ablaufen. Im Gegenssatz zur eigentlichen Quelle ist der Quellwald ein ralativ artenreiches Biotop.

Hier wachsen hauptsächlich Schwarzerlen und Weiden, die an die hohen und wechselnden Wasserstände bestens angepaßt sind. An den Stämmen ranken sich Kletterpflanzen wie z.B. Efeu und Waldrebe empor. Am Boden leben zahlreiche Insekten in den feuchten Laubresten, die hier sehr viel schneller zersetzt werden als in anderen Wäldern.

Wenn der Boden überflutet ist flüchten diese Insekten nicht in angrenzende Areale, sondern weichen nach oben auf Rindennischen, Äste und Blätter aus.

Quellen schützen und erhalten

Quellen sind als kleinräumige, hochsensible Biotope sehr empfindlich gegenüber allen Veränderungen in ihrem unmittelbaren Umfeld wie auch in ihrem Einzugsgebiet.

Eingriffe in den Naturhaushalt können Ouellen und ihre empfindlichen Lebensgemeinschaften nachhaltig schädigen. Renaturierungsversuche führen dabei längst nicht immer zur Rückkehr der quelltypischen Besiedlung.

Der Schutz einer Quelle beginnt im engeren Quellbereich. An der Rhumequelle wurden im Jahr 1999 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vorgenommen. Dabei wurde der Quelltrichter von Unrat gesäubert, der sich im Laufe von Jahrzehnten dort angesammelt hatte. Der alte Uferweg, der direkt neben dem Quelltrichter verlief, war mehrfach abgerutscht und hat den Trichter zunehmend verfüllt.

Die Wege wurden neu angelegt und durch zwei Aussichtsplattformen ergänzt. Dadurch erschließt sich den Besuchern die Naturschönheit der Rhumequelle ohne den Quellbereich zu schädigen.

Ein umfassender Quellschutz muß das gesamte Einzugsgebiet in ein Schutzkonzept mit einbeziehen, um auf Dauer das empfindliche Quellbiotop mit seinen speziellen Lebensgemeinschaften zu schützen.


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