Wüstung Rodenbeck

Die Lage des in Urkunden aus den Jahren 1541, 1585 und 1586 bereits als Wüstung bezeichneten Dorfes "Rodenbeck" bzw. "Rombeck" war aufgrund der Eintragung "Romeker Kirche" auf einer Landkarte des Amtes Scharzfeld aus dem Jahre 1713 nur ungefähr bekannt.

Die zweifelsfreie Lokalisierung gelang im Mai 1993 am Osthang des Kühle-Berges, 1,5 km südöstlich von Scharzfeld. Deutlich sticht die helle Kontur eines Ost - West ausgerichteten rechteckigen Steinfundamentes mit halbrundem Anbau im Osten aus dem Grün des Getreides hervor.

Positive und negative Bewuchsmerkmale der Wüstung "Rodenbeke" bei Scharzfeld, Gemeinde Stadt Herzberg am Harz, Landkreis Osterode am Harz. Ansicht von Osten am 23.5.1993.

Hierbei könnte es sich um den Rest einer urkundlich allerdings nicht erwähnten Dorfkirche handeln. Der halbrunde Anbau befindet sich in diesem Fall aber nicht - wie bei einem Kirchenbau zu erwarten - in Verlängerung der Mittelachse, sondern seitlich versetzt. Es muß daher auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass es sich um die Fundamentierung eines profanen Saalbaus mit Turm oder außen angebautem Treppenhaus handelt.


Umzeichnung des Luftbildbefundes

Nördlich und südlich dieses Gebäudes sind anhand dunklerer Färbung des Getreides Teile von vermutlich zwei Kreisgräben zu erkennen, wobei eine dunklere, rechteckige Struktur im Zentrum des südlichen Kreisgrabens den Standort eines weiteren, allerdings nicht mit einem Steinfundament versehenen Gebäudes zu markieren scheint. Ob es sich hierbei um einen Vorgängerbau zu dem Gebäude mit Steinfundament handelt, kann nur durch eine Ausgrabung geklärt werden.

Nur wenige Meter nördlich und östlich zeichnen sich schwach erkennbar zwei dunkle, eckige Strukturen ab. Analog zum Luftbild der Wüstung "Barkevelde" dürften sie den Standort ehemaliger Gruben- oder Wohnhäuser mit Keller anzeigen. Begehungen erbrachten vor allem blaugraue Gefäßscherben des 12.-15. Jh. Zahlreiche Dachziegel- und Mörtelreste liegen aus dem Bereich des Gebäudes mit Steinfundament vor.

Funde von rot gebranntem Lehm und Holzkohle sowie eine deutliche Schwarzfärbung des Bodens im Bereich des Gebäudes mit Steinfundament und einer weiteren Hausstelle weisen darauf hin, daß zumindest ein Teil des Dorfes Rodenbeke einem Brand zum Opfer gefallen ist. Vielleicht wurde Rodenbeke, das in den erhaltenen Schriftquellen stets nur als Wüstung genannt wird, ebenfalls ein Opfer des siebzehn Jahre dauernden Krieges zwischen den Grafen von Hohnstein und dem Erzbischof von Mainz (1403 - 1420), in dessen Verlauf sieben Dörfer der Umgebung zerstört wurden. Rodenbeke wird unter diesen sieben Dörfern jedoch nicht genannt.

Dr. Stefan Flindt


Quelle: HEEGE, Andreas (1994): Fliegen - Finden - Forschen. Luftbildarchäologie in Südniedersachsen, Reichold Verlag