Die ehemalige Kupferhütte Sangerhausen

- von Martin Spilker -

Nach Wiederaufnahme des Sangerhäuser Bergbaues in den Jahren um 1645 kommt es 1679 - 1681 zum Bau einer eigenen Hütte zum Schmelzen des Erzes durch die Sangerhäuser Gewerkschaft. Energie für das Betreiben dieser Hütte lieferte die Nutzung des Gonnaer Baches. Die Hütte, die mit 3 Schachtöfen arbeitete, erzeugte im Jahr etwa 40 - 60 t Kupfer. Bedingt durch die Qualität des vorlaufenden Erzes enthielt das Sangerhäuser Schwarzkupfer nur wenig Silber, so dass eine Entsilberung, die bei der Kupfererzeugung im benachbarten Mansfelder Reviers erheblichen Gewinn erbrachte, unwirtschaftlich war.


Gebäudereste auf dem Gelände der Kupferhütte Sangerhausen (Foto: Sauerzapfe)

Im Jahre 1835 entsteht südlich der alten Hütte ein klassizistischer Neubau, der heute auch noch als Ruine sehr eindrucksvoll ist. Die neue Hütte hatte ebenfalls 3 Schachtöfen, die aber entwicklungsbedingt größer und leistungsfähiger waren. Die Schmelzleistung der Hütte stieg damit auf das Doppelte. Nickelerzfunde im Bergbaueinzugsbereich ermöglichten 1851 auch die Herstellung von Nickelstein, der zur Nickelgewinnung abgegeben wurde. Im Jahre 1885 wurde der Sangerhäuser Bergbau eingestellt und darauf hin am 20. September 1887 auch die Verhüttung.

Die eindrucksvolle Ruine der alten Hütte wurde entkernt und dient bis heute als Abstellhalle. Um das Gebäude sind noch Schlackenhalden und Reste alter Wasserleitungsgräben zu finden.


Halde der Kupferhütte Sangerhausen (Foto: Sauerzapfe)
 

Zahlen und Fakten

Die technischen Anlagen der alten Kupferschieferschmelzhütten (Rohhütten) bestanden im 17.Jahrhundert aus:

  • dem Hüttengebäude mit mehreren Schachtöfen von denen jeweils die Hälfte in Betrieb war, während die andere Hälfte repariert wurde,
  • ferner aus einer Radstube mit 1 - 2 Wasserrädern, Wasserzu- und -abflussgraben,
  • Kohleschuppen, Ställen und
  • ausreichend Gelände für die Schlackehalde, Schieferbrennplatz und Steinröststadel.
Zur Hütte gehörten weitestgehend auch die Schächte, teils in Kooperation mit anderen Hütten angelegt und betrieben.

Vor dem Verschmelzen im Schachtofen war der Schiefer zur Entfernung der organischen Kohlenstoffverbindungen zu "brennen". Dies geschah in großen 200t Haufen im Freien. Ein Haufen brannte 6 - 15 Wochen je nach Witterungsbedingungen.

Bedingt durch die Schwerschmelzigkeit des Schiefers und die begrenzte Leistungsfähigkeit der Blasebälge war dieses Verschmelzen in den ersten Jahrhunderten nur in sogenannten Sumpföfen möglich, deren Konstruktion es gestattete die zähe Schmelze bei bedarf ohne Unterbrechung des Betriebes aus den Ofen herauszuziehen. In den Öfen des 15. und 16. Jahrhunderts floss die Schmelze schon selbständig aus dem "Auge" in die davor befindlichen Vorherde.

Die Schmelze, bestehend aus Schlacke und Kupferstein trennte sich auf Grund ihres spezifischen Gewichtes in den Vorherden. Im Stein fanden sich etwa 90% der mit dem Schiefer vorlaufenden Metallverbindungen (Kupfer, Nickel, Kobalt, Silber und Eisen und eine Reihe seltener Metalle) wieder.

Insgesamt sind im Kupferschiefer über 50 Elemente des periodischen Systems enthalten von denen im Verlauf der Nutzungsperiode des Kupferschiefer 23 Elemente gewonnen wurden.

Um das Kupfer selbst zu gewinnen musste der Kupferstein, im wesentlichem bestehend aus Kupfer, Eisen und Schwefel, "geröstet" werden. Das geschah anfänglich in offenen Haufen, später in Röstöfen, kleinen Schachtöfen ähnlich. Das fertige Röstgut, eine Mischung aus Kupfer- und Eisenoxiden wurde dann wieder in Schachtöfen reduzierend eingeschmolzen wobei Schwarzkupfer mit einem Kupfergehalt von 95 - 96 % entstand.

Schwarzkupfer mit mehr als 0,2% Silber ging zur Entsilberung. Kupfer mit geringeren Gehalten an Silber wurde gleich auf den Rohhütten zu Marktware verarbeitet. Solches geschah auf der Sangerhäuer Kuperhütte, bedingt durch das Vorlaufen von silberarmen Kupferschiefererz.

Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts kam es auch auf den Hütten zu einer ständigen Weiterentwicklung der Öfen. So erreichte man um 1850 mit dem "hohen" Ofen auch einen Erzdurchsatz von 20t/Tag.
 

Zeittafel


ZeitpunktEreignis
1645Wiederaufnahme des Sangerhäuser Bergbaus
1677Gründung der Sangerhäuser Gewerkschaft
1679-1681Bau einer Schmelzhütte
1835Hüttenneubau südlich der alten Hütte
1885Einstellung des Sangerhäuser Bergbaus
1887Einstellung der Verhüttung

GPS-Koordinaten
N51.4904° E 11.3101°

Quelle: kupferspuren.eu