MORICH, H. (1930): Heimatbeilage zum Bad Lauterberger Tageblatt, Nr.17; Dezember 1930:

Der frühere Bergbau am Schachtberge bei Lauterberg

Von großem Interesse ist es, daß auch im Zechsteingebiete südöstlich von Lauterberg und zwar am Schachtberge und Wolfshofe seit alter Zeit Erzvorkommen bekannt gewesen sind, auf die man früher Bergbauversuche unternommen hat. Neben Zink- und Brauneisenerz waren es hauptsächlich Bleierze, die auf Gängen und Klüften auftraten, und die man zu gewinnen suchte. Der Metallgehalt des Erzes wird zu 72 bis 86 Prozent Blei angegeben und der Silbergehalt zu ¼ Lot im Zentner Blei.

Urkundlich erwähnt wird dieser Bergbau zuerst 1710, doch muß er bald wieder zum Erliegen gekommen sein. Im Jahre 1779 wurde er unter dem Namen "Lauterbergs Glück" neu aufgenommen, hatte aber so schlechte Anbrüche, daß er bereits 1781 wieder eingestellt wurde. In dieser alten Betriebszeit erstreckte sich der Bergbau vorwiegend auf die nördlich des Winkeltales, am sogenannten "Wolfshof" oder "Kuhstall" gelegenen Erzvorkommen, zu deren Aufbereitung eine kleine Erzwäsche im Wiesenbeker Tale angelegt war.

Im Jahre 1812 ging man daran, das südlich des Winkeltales an der Nordwestseite des Schachtberges gelegene Erzvorkommen abzubauen, doch mußte der Versuch bald wieder aufgegeben werden. Lange Zeit lagen nun diese Betriebe wieder still, bis sie im Jahre 1855 neu aufgenommen wurden vom Hannoverschen Berg- und Forstamte, daß die Arbeiten in größerem Maße betrieben ließ. Es wurde ein 45 m tiefer Schacht abgeteuft und ein vom Winkeltale aus angesetzter, etwa 150 m langer Stollen in den Berg getrieben, um den Erzgang genau zu untersuchen. Leider mußte man feststellen, daß der Abbau sich nicht lohnte, und so hat auch dieser Versuch zum praktischen Erfolge nicht geführt.

Am Wolfshofe kamen nach älteren Nachrichten in der sandigen Gangmasse neben Spuren von Schwerspat kleine Bleiglanztrümmer und Bleierzknollen mit nur 30 bis 40 Prozent Blei vor. Das leichtflüssige Erz wurde vorwiegend als Glasurerz für Töpferwaren verwandt. Ebenso ist südlich von Steina ein alter Bergbauversuch auf einem Kupferkies führenden Schwerspatgange bekannt. Nach Basius fanden sich 1789 am Nordabhange des Butterberges, dicht bei der Königshütte im Zechstein, Bleierze, die etwas mehr Silber enthielten, nämlich ein Lot im Zentner Blei. Es waren kleine Trümmer von Bleiglanz in einer Stärke von ½ bis 2 Zoll. Auch am Kaltenborn zwischen Koldung und Butterberg sollen Bleierze vorgekommen sein.

Auf der Südostseite des Schachtberges weisen bedeutende Pingenzüge auf einen alten Erzabbau hin, der sich hauptsächlich auf Brauneisenstein erstreckte. Erst aus dem Jahre 1789 sind nähere Nachrichten über diese Eisenerze vorhanden. Sie wurden in kleinem Maßstabe durch Eigenlöhner abgebaut, jedoch ohne nennenswerten Gewinn, so daß der Betrieb gegen 1810 wieder eingestellt wurde. Das Eisenerz enthielt etwa 45 Prozent Eisen, in vielen Fällen aber auch nur die Hälfte. Reicher war der stengelige Eisenstein, der sogenannte "Orgelstein", der mit etwa 50 Prozent angegeben wird. Auch am Bühlberge und Stakelberge bei Barbis kamen Brauneisenerze vor.

Die Eisenerze wurden an die Königshütte in Lauterberg geliefert, die im Jahre 1733 als Eisenhütte an Stelle des Königshofes angelegt war. Im Jahre 1765 erhielt sie auch einen Blauofen, der für manganreichere Eisenerze benutzt wurde. Die fiskalische Hütte, die lange Zeit einen bedeutenden Betrieb aufzuweisen hatte, bezog ihre Eisenerze hauptsächlich von den Andreasberger Eisensteinsgruben, später vom Königsberge, von Elbingerode und vom Knollen und anderen Stellen bei Lauterberg.



 

LIEßMANN, Wilfried (2001): Kupfererzbergbau und Wasserwirtschaft. Zur Montangeschichte von Bad Lauterberg/Südwestharz:

Die Gruben am Schachtberg

In den Dolomitschichten des Schachtberges südöstlich des Winkeltales finden die Bleivererzungen ihre streichende Fortsetzung. Von hier bis zum Eulenstein und Ahrensberg erstrecken sich zahlreiche Pingenzüge, die im wesentlichen auf einen intensiv betriebenen Brauneisensteinbergbau zurückgehen.

Funde von massigen Bleiglanzrollstücken in der Dammerde veranlassen vermutlich Töpfer diese als Glasurerze aufzusammeln, bzw. sie unter der Hand von den Eisensteinsbergleuten gewinnen zu lassen.

Der erste aktenkundige Bergbauversuch beginnt und endet im Jahr 1812, als ein Eisensteiner namens MÜLLER in seiner Zeche am Schachtberg auf Bleierze trifft und bittet, diese gewinnen und an die St. Andreasberger Silberhütte verkaufen zu dürfen.

Der mit einer Untersuchung dieser Angelegenheit beauftragte Oberbergmeister BRUEL lässt vom Zellerfelder Bergprobierer BAUERSACHS eine Erzprobe analysieren:

Der Zentner (zu 110 Pfund) Bleiglanz enthält 77-88 Pfund Blei und 2 % Lot Silber; der Zentner Schlieg 60 Pfund Blei und ½ Lot Silber.

Wie BRUEL ermittelt, ist für den üblichen Langerlohn von 18 gl für den Zentner Roherz eine Erzgewinnung dort nicht möglich, statt dessen sollen dem Bergmann MÜLLER dafür 2 Rtlr 12 gl bewilligt werden.

Bereits ein halbes Jahr später endet dieser Versuch, da sich die Anbrüche wieder verloren haben und es für weitere Untersuchungen an Geld fehlt. Die Förderung beträgt in dieser Zeit kaum mehr als 7 Zentner Roherz.

Der zweite, wesentlich ausgedehntere, aber ebenso erfolglose Versuch findet 1855-1858 statt, als auf Initiative der St. Andreasberger Beamten STAHRENBERG (Obgeschworener) und STRAUCH (Markscheider) hin erneut ein Untersuchungsbetrieb aufgenommen wird. Die Kosten für die anfangs drei angelegten Bergleute übernimmt die Herrschaft aus dem Titel "Lauterberger Versuchsarbeiten".

Unter dem Namen Bleigrube am Schachtberg mutet Bergamtsassessor SCHUSTER "für die allergnädigste Herrschaft 1 Fundgrube und 4 Maaßen."
Im Bereich der alten Baue auf der Höhe des Schachtberges wird im Sommer 1855 ein seigerer Tagesschacht, 4,8 x 1,9m im Geviert abgeteuft und gleichzeitig ein im Winkelta1 angesetzter Tiefer Stollen mit vier Mann herangetrieben.

Ende des Jahres hat der mit sechs Hauern belegte Schacht eine Teufe von 31 m erreicht.
Zur Bergeförderung dient ein zweimännischer Haspel. Eine durch einen alten Bau verlegte Wetterlutte sorgt für frische Wetter im Gesenk.

In den Schachtstößen erweisen sich die Bleierze als sehr absetzig und durchschnittlich nur einige Zoll mächtig, lediglich bei 31 m Teufe findet sich derber Bleiglanz in Stücken bis zu 20 Pfund. Auf diesem Niveau wird sodann ein Stollengegenort angesetzt.

Nach dem Durchschlag des 260 m langen Tiefen Stollens im Juni 1856 können die wegen Wasserproblemen gestundeten Teufarbeiten fortgesetzt werden. Ziel ist es, das unter den Dolomitschichten befindliche Kupferschieferflöz zu erreichen und auf seineBauwürdigkeit zu untersuchen.

Gleichzeitig fährt man in der Stollensohle Querschläge ins Hangende und Liegende des Hauptganges auf, ohne jedoch fündig zu werden.

Da sich sowohl in der Stollensohle, als auch im 16 m unter Tage befindlichen alten oberen Bau keine bauwürdigen Erze zeigen muss man einsehen, "daß die Lagerstätte keinen lohnenden Bergbau verspricht". Anfang 1858 wird der Versuchsbetrieb auf Bleiglanz eingestellt.

Die geförderten 2 - 2 ½ Röste Bleierz ergeben 55 Zentner Bleischlieg, der auf der St. Andreasberger Hütte verarbeitet wird.

1861 werden die Tagesanlagen (Schachthaus und Bucht vor dem Stollenmundloch) abgebrochen und aus dem Stollen das noch verwendbare Ausbauholz geraubt.

Schematischer Riss der Bleierzgrube am Schachtberg (nach STRAUCH, 1855)

Mit einem Bericht über einen kuriosen Fall von Bergschaden endet die Betriebsakte.
Der Lauterberger Forstmeister KUNTZE berichtet dem Bergamt:

"Während am Montag den 2. Juni d. J.( 1862) die Bartolfelder Kuhherde am Schachtberge unter den Kopfhainebuchen geweidet hat - ist der vor mehreren Jahren von Seiten der Bergwerks Verwaltung getriebene Stollen auf einer Stelle eingefallen; eine dem Ackermann Carl Große in Bartolfelde gehörige junge frischmilchende Kuh ist mit versunken - hat nur mit großen Umständen, zwar lebend, aber sehr beschädigt - wiederhervorgeholt werden können und hat darauf sofort geschlachtet werden müssen.
Geringveranschlagt hat die Kuh einen Verkaufswerth von 45 Rtlr gehabt, für Fleisch und Haut sind etwa 15 Rtlr aufgekommen, so daß dem unbemittelten Ackermann Große ein Schaden von mindestens 30 Rtlr erwachsen sein wird. Hieraus nehme ich Veranlassungganz gehorsamst zu beantragen:
1. hohe Behörde möge geneigenden Große eine Beihülfe von 15-20 Rtlr zu bewilligen.
2. möge verfügen, daß unter Anweisung der hiesigen Forstinspection nicht nur die bereits vorhandenen mehreren Versenkungen ausgefüllet - sondern auch diejenigen Vorkehrungengetroffen werden, welche geeignet sind, das Weidevieh gegen die Gefahren zu schützen, welche durch ein weiteres Einfallen des Schachtes in Aussicht stehen."

Vom Bergamt wird daraufhin eine Entschädigung in Höhe von 20 Tlr gewährt.