Die Schandenburg

Die Schandenburg ist eine mittelalterliche, 1596 erstmalig erwähnte, gegen die Burg Scharzfels gerichtete Belagerungsschanze. Ihre Entstehung nach Datum, Erbauer, Anlass ist unbekannt.
Die quadratische Wallgrabenanlage von außen ca. 35 m Seitenlänge umschließt ein Plateau von ca. 20 m Länge und Breite. Dies ist nach Nordosten, also gegen die Burg mit einem etwas höheren Wall besonders gesichert, hier wird der Standort einer Wurfmaschine (Blide) vermutet. Im Süden liegt als Erdbrücke ein Zugang.

Seit ihrer Erbauung bis zum Untergang des Scharzfels 1761 war das Gelände zwischen beiden Anlagen waldfrei. Die Gräben sind z.T. in den festen Felsgrund aus Harzer Grauwacke eingetieft. Solch aufwändige Schanzarbeiten lassen auf eine länger anhaltende Fehde schließen.
Ein Anlass könnte eine mögliche, historisch aber ungesicherte Eroberung der Burg anno 1323 samt Vertreibung der Grafen von Scharzfeld sein. In Frage käme auch der Streit um den Besitz der Burg um das Jahr 1420 zwischen den Grafen von Hohnstein und den Herzögen von Grubenhagen.
Im Siebenjährigen Krieg, also im Zusammenhang mit der Eroberung und Zerstörung der Burg Scharzfels hatte diese Schandenburg wohl keine Bedeutung, denn sie wird in diesem Zusammenhang nirgends im Schrifttum oder auf Kartenwerken erwähnt, wo sie noch als „alte Redoute“ geführt wird. Archäologische Funde liegen nicht vor.

GPS-Koordinaten
N 51.6266° E 10.4069°

Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


400. Scharzfels-Schandenburg, Belagerungsschanze. Scharzfeld, Kr. Osterode, Bez. Hildesheim.

Name: Schandenburg, Schanzenburg, Franzosenschanze.

Meßtischblatt: 2450/4328 Bad Lauterberg; S 12,4; W 20,9.

Allgemeine Lage: Südharzrand über dem Austritt der Oder (Liesgau).

Örtliche Lage: 325 m NN auf nach Südwesten abfallendem Bergrücken, 250 m südsüdwestlich Burg Scharzfels (vgl. dort), 0,5 km ostnordöstlich Bahnhof Scharzfeld.

Baugrund: Grauwackensandstein und Schiefer (Tanner Facies) des Karbon.

Beschreibung: Schanzwerk, im Grundriß verschobenes Quadrat mit abgerundeten Ecken, ca. 30X35 m, bestehend aus erhöhtem Kern mit Deckwall für Geschütze und umlaufendem tiefen Spitzgraben mit Vorwall. Zugang von Süden über Erdbrücke.

Geschichte: 1761 im Siebenjährigen Krieg angelegt durch den französischen Marschall Vaubecourt als Geschützbasis bei der Belagerung des nahen Scharzfels (vgl. dort).

Lit. u. Abb.: Jacob-Friesen, 1926 S. 29; Tillmann, S. 939; Stolberg 1940 Gr.