Das Mundloch des Segen Gottes Stolln

von Martin Spilker

Im Oktober 1830 erfolgte der 1. Spatenstich für den Seegen-Gottes-Stolln westlich von Sangerhausen unmittelbar an der Gonna bei 140 m über NN (1 m über deren Wasserspiegel). Er sollte den Gonnaer Stollen (angesetzt 1542 südlich von Gonna bei 183 m über NN) ersetzen und neues Abbaufeld erschließen. Der Stolln lag deshalb 43 m tiefer und ist im Sangerhäuser Revier der tiefste mögliche Stollen mit Anschluss an einen Vorfluter.

Der Querschlag führte vom Mundloch aus fast genau nach Norden und führte durch Pleistozän, Buntsandstein und Zechstein bis zum Kupferschieferflöz, das er 1855 nach 4,9 km Länge etwa 2,1 km westlich des Röhrigschachtes (Bergbaumuseum) erreichte. Bis dahin war das Teufen von 11 Lichtlöchern, dessen tiefstes 99 m Teufe erreichte, notwendig.

Druckhaftes Gebirge erforderte im Buntsandstein öfter Vortriebsstillstand. Der Querschlag ist vom Mundloch her bis zum Antreffen der anhydritischen Gesteine des Zechsteins in elliptischem Profil ausgemauert.


Trockenmauerung im Seegen-Gottes-Stollen (MansfeldBand2)

Beim Erreichen des Zechsteins wurde im Sangerhäuser bzw. Hauptanhydrit 1854 eine Schlotte (Höhle) angefahren, die sich durch so starke Wasserzuflüsse ankündigte, dass die Auffahrungen monatelang eingestellt werden mussten. Erst nach Entwässerung der Hohlräume konnte es weitergehen. Die Schlotte kann heute noch über das Bergbaumuseum Röhrigschacht befahren werden.

Nach Erreichen des Kupferschiefers wurde der Stollen nach Westen noch etwa 1 km aufgefahren. In östlicher Richtung beträgt die aufgefahrene Länge 3,5 km, die Gesamtlänge damit also knapp 10 km.

Bei 2,1 km östlich vom Querschlag wurde 1873 der Röhrigschacht als Lichtloch auf den Seegen-Gottes-Stolln geteuft und erreichte bei 163,5 m das Liegende des Kupferschiefers. Es war dies der erste runde Schacht des Reviers Sangerhausen. Er wurde 1876 bis zur 1. Sohle (24 m über NN) vertieft.

Mit dem Erreichen des Kupferschiefers durch den Querschlag wurde auch die Verbindung zum Grubenfeld des Carolusschachtes, eines Lichtloches des Gonnaer Stollens, hergestellt. Über den Seegen-Gottes-Stolln konnten nun Wässer aus dem Carolusschächter Feld abgeführt werden. Dies wurde zum Betrieb einer Wasserbalanceförderung für das zwischen beiden Stollen gewonnene Erz genutzt.

Mit der Einstellung des Bergbaus im Revier Sangerhausen wurde 1885 auch der Röhrigschacht stillgelegt. Der Seegen-Gottes-Stolln führte die anfallenden Wässer unkontrolliert weiter ab, bis man 1922 bei Versuchen, den Abbau bei Wettelrode wieder aufzunehmen, auch den Seegen-Gottes-Stolln und den Röhrigschacht wieder aktivierte. Dies hielt aber nur bis 1926 an.

Die nächste Betriebsperiode begann dann 1944 mit den Teufarbeiten zum Th.-Münzer-Schacht in Sangerhausen, für den der Röhrigschacht den Flucht- und Wetterschacht darstellen sollte.

Seitdem ist der Seegen-Gottes-Stolln durchgehend in Betrieb zur Abführung der Wässer aus dem Altbergbau um den Röhrigschacht in Wettelrode. Die Wasserhaltung des Röhrigschachtes hebt auch die im Museumsbereich unter Tage (1. Sohle) anfallenden Wässer dem Stollen zu. Das Wasser des Stollens weist eine hohe Härte (um 100°dH) auf und ist auch etwas salzig (bis ca. 10 g/l Gesamtsalz), so dass es nicht als Trinkwasser zu gebrauchen ist. Der Gesamtabfluss liegt im Durchschnitt bei 5-6 m³/min.

Der Abfluss aus dem Mundloch wird heute wegen seiner Sauberkeit und der konstanten Temperatur in einer Fischzuchtanlage der Südharzer Forellenzucht. Als Besonderheit ist hervorzuheben, dass auf den Schraubenköpfen der am Mundloch angebrachten Namenstafel die Anfangsbuchstaben der Namen der damaligen Bergbeamten Freiesleben (Bergrat), Eggert (Bergrichter), Uhlich (Hüttenmeister), Erdmenger (Geschworener), Brathuhn (Markscheider) und Prinz (Steiger) stehen.

Das Mundloch liegt am Westrand der Stadt Sangerhausen nördlich der B 80 direkt an der Gonna im Betriebsgelände der Südharzer Forellenzucht. Der Zutritt bedarf einer Genehmigung.

Die Befahrung des Stollens vom Bergbaumuseum Röhrigschacht aus ist ebenfalls nur nach Voranmeldung möglich.

Zeittafel


ZeitpunktEreignis
1830Stollen angehauen
1854Schlotte angefahren
1855Kupferschieferflöz nach 4,9 km erreicht
1873Teufbeginn für Röhrigschacht als Lichtloch
1885Einstellung des Bergbaus im Revier Sangerhausen
1922 - 1926Versuch der Aktivierung des Abbaus im Revier Sangerhausen
1944Teufbeginn Schacht Sangerhausen, Röhrigschacht und Stollen aktivier und bis heute in Betrieb

GPS-Koordinaten
N 51.4703° E 11.2728°

Quelle: kupferspuren.eu