Bereits 1908 wurde die Sösetalsperre geplant.
Hier ein Auzug aus dem damaligen Protokoll:

 

Veröffentlichungen
der
Gesellschaft zur Förderung der Wasserwirtschaft im Harze.
Band 9.



Protokoll

der

am 30. Juli 1908 in Bad Harzburg

stattgehabten

III. Generalversammlung

der

Gesellschaft zur Förderung der Wasserwirtschaft im Harze.

S. 48 - 53 [...] Die Sitzung der Abteilung vom 20. Juli 1907 war für die Förderung des Projekts einer Sösetalsperre insofern von besonderer Bedeutung, als beschlossen wurde, das Gebiet allgemeiner Erörterungen, die wirtschaftliche Seite des Projekts einer Sösetalsperre betreffend, zu verlassen und in spezielle Vorarbeiten einzutreten.

Dem Arbeitsausschuß sind daher, folgende Aufgaben gestellt worden:

    I. Im allgemeinen.
  1. Das vorhandene Originalprojekt und seine Unterlagen nochmals genau zu prüfen und festzustellen, welche ergänzende Arbeiten und Erhebungen für ein neuesProjekt nötig sind.
  2. Anträge zu stellen bei der Gesellschaft, und diese durch die Hand des Vorsitzenden der Söse-Abteilung bezw. seines Stellvertreters der Gesellschaft zu übermitteln.
    II. Im speziellen.
  1. Feststellung der Anlage und Ausnutzung der einzelnen Gefälle, und Erörterung der Frage ihrer eventuellen Zusammenlegung.
  2. Feststellung des effektiven Kraftbedarfes der einzelnen Werke zur Zeit.
  3. Feststellung der zur Zeit von den einzelnen industriellen Werken benötigten Betriebs- und Nutzwassermengen.
  4. Feststellung, welche Kraftanlagen in den einzelnen Werken zum Stillstande kommen würden, wenn unter Zusammenlegung der Gefälle (vgl. zu 1) eine Kraftanlage gebaut würde, und welchen Wert die Kraftanlagen repräsentieren.
  5. Feststellung der Kosten, welche eine neue Grabenanlage verursachen würde, wenn die Gefälle nicht zusammengelegt werden, sondern die natürliche Wasserkraft weiter bezogen wird.
  6. Feststellung des Preises, welchen die einzelnen Werke aus Gründen der Rentabilität höchstens für die Kilowattstunde bei einer etwaigen Zusammenlegung der Gefälle und Erbauung einer Zentrale bezahlen könnten.
  7. Feststellungen der Schäden durch Uferüberschwemmungen.
  8. Die Möglichkeit etwa vorzunehmender Meliorationen und Prüfung der Grundwasserstandfrage.
  9. Hebung des Fremdenverkehrs durch eine Talsperre im Sösetale.
  10. Anschluß der Bestrebungen wegen Errichtung einer Talsperre im Sösetal an die Bestrebungen wegen Errichtung von Talsperren im Oder- und Siebertale und die Bestrebungen wegen Schiffbarmachung der Leine (Verein zur Hebung der Leineschiffahrt: Sitz Hannover, Vorsitzender Dr. Rocke, Syndikus der Handelskammer zu Hannover).
Bezüglich der einzelnen Punkte hat der Arbeitsausschuß bisher folgende Tätigkeit entfaltet:
Zu I. 1:Das seinerzeit durch Herrn Baurat Recken aufgestellte frühere Projekt einer Sösetalsperre wird jetzt durch Herrn Baurat Ziegler neu bearbeitet. Es steht zu hoffen, daß unter günstigen Bedingungen eine im Vergleich mit dem früheren Projekte weit größere Anlage geschaffen werden kann, die aus einem etwa 11 000 000 cbm fassenden Sammelteiche einer bei Osterode anzulegenden Zentrale 2000 l/Sek. zuführen würde.
Zu II. 1:Auf Antrag des Arbeitsausschusses hat im Auftrage der Gesellschaft der Herzogliche Landmesser Herr Jordan aus Braunschweig ein Längenprofil des Osteroder Mühlengrabens und der Söse vom Sösekopfe bis Petershütte aufgenommen.
Zu II. 2:Es sind auf Grund eines Fragebogens Erhebungen im Gange, um zu ermitteln, wie die zu gewinnende Kraftmenge vorteilhaft zu verwerten ist.
Zu II. 3:Es ist durch Fragebogen festgestellt, daß von den jetzigen Gefällbesitzern höchstens 60 l/Sek. als Nutzwasser gebraucht werden, also eine verhältnismäßig geringe Menge.
Zu II. 4:Die unter Nr. 2 erwähnten Fragebogen werden ergeben, welche Kraftanlagen beim Bau einer Zentrale zum Stillstand kommen werden.
Zu II. 5:Ein Anschlag der Kosten für eine neue Grabenanlage ist bislang nicht gemacht, da nach den Angaben des Herrn Baurat Ziegler diese zu groß sein würden, um bei den vielen einzelnen kleinen Gefällen eine vorteilhafte Ausnutzung der durch die Talsperre gewonnenen Wassermengen zu ermöglichen.
Zu II. 6:Welchen Preis die einzelnen Werke höchstens für die Kilowattstunde einer etwa anzulegenden Zentrale zahlen können, werden auch die unter Nr. 2 erwähnten Fragebogen ergeben. Außerdem haben die technischen Vorarbeiten für die Sösetalsperre nach Möglichkeit die Unterstützung der Mitglieder der Söse-Abteilung gefunden; insbesondere haben einzelne Mitglieder wesentliche Beihilfen zur näheren Feststellung der für die Talsperre in Frage kommenden Wassermengen geleistet.
Der Ausschuß hat sich ferner mit der Nachprüfung der industriellen Fragebogen und der durch die Hochwasser entstandenen Schäden beschäftigt. Dabei hat sich herausgestellt, daß bei letzteren nähere zahlenmäßige Unterlagen nicht zu ermitteln sind. Voraussichtlich wird noch im Laufe dieses Jahres das neue Projekt einer Sösetalsperre, auf den durch die Gesellschaft veranlaßten speziellen Messungen und Vorarbeiten fußend, fertig gestellt, auch werden die für dieses Projekt in Frage kommenden wirtschaftlichen Erhebungen soweit gefördert werden können, daß eine Prüfung des Projekts auf seine Durchführbarkeit nach allen Richtungen hin möglich ist.

Über den Stand der technischen Arbeiten teilt Herr Baurat Ziegler (Clausthal) das Folgende mit:
Der Stand der Arbeiten an der Sösesperre ist der folgende:
Es sind an der Söse bei Eisdorf von Herrn Zimmermeister Lampe und mir Profil- und Wassermengenmessungen vorgenommen worden. Durch die von ersterem Herrn seit November 1906 fortgesetzten Wasserstandsbeobachtungen ist es möglich, ein vollständig zutreffendes Bild des Abflusses der Söse bei Eisdorf zu gewinnen.
Die Wasserbewegung ist teilweise bereits aufgetragen und stimmt mit der Größe des Niederschlagsgebietes und der Beobachtungen an der Oker gut überein.
Das Söseprofil an der Meßstelle muß neuerdings wieder aufgemessen werden, um eventuelle Veränderungen festzustellen. Von wesentlichem Einfluß auf die Wasserführung der Söse unterhalb Eisdorf ist der Abfluß des Ernst-August-Stollens, welcher durch die Königliche Berginspektion Grund seit Jahren genau beobachtet wird. Auch diese Abflußmengen sind von mir aufgetragen, können aber vor Eingang einer einzuholenden Genehmigung des Oberbergamts Clausthal von mir nur in Durchschnittszahlen angegeben werden. Aus beiden Messungen läßt sich jedoch schließen, daß der Abfluß der Söse an der Sperrstelle durch einen Stauweiher auf etwa 1 cbm-Sekunde das ganze Jahr gebracht werden kann.
Nicht so klar liegt das Ergebnis der Messungen am fiskalischen Sägemühlenwehr, welches an und für sich zu Messungen hervorragend geeignet ist. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß der Obergraben nahezu söhlig ist und trotz seiner Länge von rund 260 m von dem Stande der Turbinenschützen so beeinflußt wird, daß die seit Frühjahr 1906 vorgenommenen Wasserbeobachtungen keinen Schluß auf die Wassermengen zulassen.
Zum Glück sind solche Wasserstandsbeobachtungen bei dem an und für sich weniger geeigneten Scherenberger Wehr seit dem gleichen Zeitpunkte vorhanden, so daß Wassermengenmessungen, welche aber noch .nicht vorgenommen sind, die gewünschten Resultate ergeben werden.
Als Ergänzung der letzteren sind Wassermengenmessungen bei verschiedenen gleichzeitig beobachteten Stellungen der Turbinenschützen der fiskalischen Sägemühle durch Herrn Gevers und Herrn Uhl eingeleitet. Es wird sich dann durch die Stellung der Turbinenschützen unmittelbar auf die Wasserführung des Obergrabens ein Schluß ziehen lassen.
Die beiden letzterwähnten Meßstellen sind infolge ihrer Nachbarschaft zur Sperrstelle wichtiger und ausschlaggebender für die Bemessung der Mauerhöhe und des Beckeninhalts, als die Eisdorfer.
Trotzdem läßt sich aus letzterem und der Größe des Niederschlagsgebietes die Mauerhöhe zu 40 m, Stauhöhe zu 38,5 m über Talsohle und der Beckeninhalt zu annähernd 12 000 000 cbm feststellen. Die Niederschläge werden seit zwölf Jahren täglich auf zwei von der Gesellschaft eingerichteten Regenmeßstationen auf dem Dammhaus (Sperberhay) und in Riefensbeek beobachtet. Außerdem werden die Meßergebnisse der meteorologischen Stationen Osterode, Clausthal und Buntenbock benutzt.
Der Lageplan und das Querprofil der Sperrstelle, die überstaute Fläche und die Wegeverlegung sind von Herrn Geometer Jordan aufgemessen, auch der Beckeninhalt ausgerechnet.
Die Unterlagen sind der Firma Liebold seitens der Gesellschaft zur Aufstellung eines Vorprojektes und Kostenüberschlages wahrscheinlich schon ausgehändigt.
Die Sperrstelle ist gelegentlich des früheren Projektes bereits geologisch untersucht und liegt ein ausreichendes Gutachten des Herrn Professor Klockmann vor.
Von Herrn Quentin ist mit großem Fleiß eine Zusammenstellung der Triebwerksbesitzer auf Grund von Fragebogen angefertigt worden, deren genaue Prüfung durch einen Techniker noch
notwendig ist. Vorläufig ist die Errichtung einer elektrischen Zentrale und Entschädigung der Triebwerksbesitzer, soweit sie bisher aus der Söse Kraft entnahmen, durch elektrische Kraft im zwölfstündigem Betrieb in Aussicht genommen.
Die Lage der Kraftstation wird von der Notwendigkeit, dem Flußbett der Söse Wasser zuzuführen, abhängig sein. Auch sind die bisherigen Obergräben zur Zuführung von Gebrauchswasser und Abführung von Abwasser benutzt worden.
Eine genaue Profilaufnahme dieser Anlagen ist vom Geometer Jordan gemacht. Als Lageplan wird vermutlich der neu aufgenommene Stadtplan dienen können.
Da die Wasserabgabe der Druckwasserleitung in zwölf Stunden auf annähernd 2 cbm-Sekunde steigen wird, ist in  Aussicht genommen, die Druckleitung von etwa 5 bis 6 km Länge in zwei Stränge zu zerlegen und zur Verminderung des Leitungsdruckes soweit wie möglich am Berghang zu führen. Die doppelte Anlage gewährt gegenüber einer Leitung für die Gesamtmenge den Vorteil einer Reserve, wird aber teurer. Hier wird namentlich die Wahl des Leitungsmaterials, Beton- oder Eisenrohren, und die Grunderwerbs- und Kostenfrage den Ausschlag geben.
Von Herrn Landrat von Schwendy ist angeregt worden, die Söse unterhalb Katzenstein aufzustauen und vermittels eines rund 1 km langen Stollens unter dem Reineckesberg nach Förste zu leiten. Es würden dadurch rund 30 bis 40 m Gefälle gewonnen werden können.
Meines Erachtens ist dieser Gedanke genau zu untersuchen, aber vorläufig nicht mit dem Talsperrenprojekt zusammen zu behandeln.
Dem Plane stehen nicht unerhebliche technische und wirtschaftliche Schwierigkeiten entgegen. Der Stollen würde wahrscheinlich, sehr teuer sein und im Gips liegen. Er würde auch die Wassermengen des Ernst-August-Stollens nicht mitfassen.
Weiterhin wären die Anlieger und Interessenten der Söse von Katzenstein bis Förste für die Wasserentziehung zu entschädigen.
Herrn Landrat von Schwendy, Herrn Bürgermeister Dr. Hessel und dem städtischen Forstpersonal Herren Quentin, Uhl und Gevers und den übrigen Herren des Aktionskomitees, sowie Herrn Zimmermeister Lampe gebührt für das rege Interesse und die tatkräftige Unterstützung der Dank der Gesellschaft zur Förderung der Wasserwirtschaft im Harze.
Das Talsperrenunternehmen in der Söse ist dadurch und durch die günstigen örtlichen und wasserwirtschaftlichen Verhältnisse eines der aussichtsreichsten im Harze.
Hoffentlich wird es durch die eifrige Mitarbeit der Beteiligten zum Ziele kommen.

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[ Sösetalsperre heute ]