Steinkreuz
und
Scheibenkreuze
 am Blumenberg bei Bad Sachsa

GPS-Koordinaten
N 51.5914° E 10.5762°

Zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert wurden diese Steine an die Stellen gesetzt, wo Menschen eines plötzlichen und gewaltsamen Todes gestorben waren.
In der Mehrzahl handelt es sich wohl um sogenannte Sühnesteine. Nach mitteralterlichem Rechtsverständnis waren sie Teil der Wiedergutmachung, die ein Täter gegenüber dem Mordopfer und dessen Angehörigen zu leisten hatte.
Nach Auffassung der einflussreichen mittelalterlichen Kirche hatte der Mörder in erster Linie die Fürsorge für die Seele des ohne die heiligen Sakramente Verstorbenen zu übernehmen. Mit dem Setzen eines Sühnesteines wurde diese zum Ausdruck gebracht und zugleich ein Ort der Erinnerung geschaffen, an dem für das Seelenheil des Toten gebetet werden konnte.


Pilgerstein

 
Dieses aus Kalkstein gefertigte Steinkreuz soll einst am Sportplatzweg gestanden haben. Von dort war es an den Südrand des Steinfeldes gegenüber eines Scheibenkreuzes gebracht worden. Im Herbst 1979 war es umgeworfen worden und wurde am Blumenberg neu aufgestellt. Das Kreuz hat einen nach einer Seite breit ausladenden Fuß. Schon 1614 wird das lateinische Kreuz in einer Urkunde erwähnt.


Zeichnung von G. König und W. Reinboth (1979)


Scheibenkreuz (1)

 
Beide Seiten des aus Kalkstein gefertigten und reich gestalteten Scheibenkreuzes zeigen nasenbesetzte Kreuze, die nahtlos in den Scheibenrand übergehen. Auf der jetzigen Vorderseite bleiben die Nasen breit. Sie enden nicht in einer Spitze, so dass der Eindruck eines Wiederkreuzes entsteht. Mit den Nasen des Scheibenrandes werden zwischen den Querbalken Dreipässe gebildet. Die jetzige Rückseite ist wesentlich aufwendiger gearbeitet. Sie zeigt das einzige nasenbesetzte Wiederkreuz Niedersachsens. Jeder Kreuzarm hat Nasen. Zwischen den Armen des Hauptkreuzes und der Nebenkreuze entstehen dadurch 4 Vierpässe. Das Scheibenkreuz ist stark beschädigt. Etwa ein Viertel des Scheibenrades fehlt.


Scheibenkreuz (2)

 
Dieses Scheibenkreuz aus Kalkstein ist sehr stark verwittert. Auf der jetzigen Vorderseite ist nichts mehr auszumachen. Auf der Rückseite läßt sich noch ein nasenbesetztes Kopfstück eines Kreuzes als schwaches Flachrelief erkennen. Das Scheibenkreuz wird hier ebenfalls "Pilgerstein" genannt.