2. Südharz-Symposium 11.-13. September 1998 in Walkenried

 
Das Harzer Rotvieh und die Südharzer Kulturlandschaft Chancen für den Fremdenverkehr, Gastronomie und Landschaftspflege

Vortrag von Prof. Dr. agr. Albrecht Pfeiffer
 

Das Harzer Rotvieh gehört zu den ältesten Rinderrassen in Europa. Sein Ursprung geht auf die Rinderhaltung der Kelten in frühgeschichtlicher Zeit zurück. Das rote Keltenrind wurde später, vor allem auf den landwirtschaftlich optimalen Standorten, durch leistungsfähigere Rinderrassen, die in Süddeutschland und der Schweiz und insbesondere im Norden Zentraleuropas in Holland, Jütland und Ostfriesland entstanden, verdrängt. Die roten Rinder wurden damit im Verlaufe der Jahrhunderte an ungünstigere Standorte angepaßt und formierten sich zu regionalen Rassen oder Schlägen. Auch heute noch ist das Rote Höhenvieh genetisch identisch, obwohl wir regionale Rassen wie das Harzer Rotvieh, das Vogelsberger Rind, das Wittgensteiner oder Westfälische Rind, das Vogtländer, Schlesische und Polnische Rotvieh unterscheiden. Zwischen diesen regionalen Zuchtzentren hat es immer wieder einen Blutaustausch gegeben, vor allem aber zwischen dem Harzer und dem Vogelsberger Rind. Nur im Norden Deutschlands und in Dänemark ist das Rotvieh zu Milchleistungsrassen herangezüchtet worden. Während die erstgenannten Rassen oder Schläge die Gruppe des Roten Höhenviehs bilden, sind vom Roten Niederungsvieh die Rassen Angler und Rote Dänen durch ihre Haltung unter optimalen Bedingungen auch in der Intensivlandwirtschaft konkurrenzfähig geblieben.
Das Rote Höhenvieh hatte in den 50er Jahren in Deutschland einen Anteil von etwa 1 % am Gesamtrinderbestand.
Mit der Besiedlung des Harzes in Folge von Bergbau und Holzwirtschaft vollzog sich ein Aufschwung in der Haltung von Harzer Rindern. Der enorme Holzbedarf im Bergbau brachte erhebliche Rodungen von Waldflächen mit sich, die vor allem um die Siedlungen zu Grünland entwickelt wurden. Damit war hier eine wesentliche Grundlage der Rinderhaltung geschaffen (vergl. AG Harzer Rotvieh, 1998).
Das Harzer Rotvieh war den Haltungsbedingungen und den wirtschaftlichen Zielen der Rinderhalter angepaßt und hatte so eine wichtige Funktion in der Wirtschaft des Harzes und seiner Randlagen. Die sozialökonomische Basis der Rinderhaltung in unserem Raum war jedoch außerordentlich differenziert. Dabei lassen sich drei Hauptformen unterscheiden:

    Die Sommerweide der Harzrandgemeinden und die Meiereien und Viehhöfe der Grundherren. Nach GRIEP(1975) waren zu Beginn des 16. Jh.,als der Bergbau im Oberharz zu seiner zweiten Blüte ansetzte, nicht unbeträchtliche Wald- und Grünlandweiderechte schon vergeben. Mehr als 20 Ortschaften rings um den Harz nutzten die Sommerweide im Gebirge, während für die Winterfütterung im Vorland Heu erzeugt wurde. Ähnlich wirtschafteten die Meiereien und Viehhöfe der Grundherren, die durchweg mit Domänen im Vorland verbunden waren. Bei dieser Haltungsform stand Jungviehaufzucht, aber auch Milchproduktion im Vordergrund.
    Die Rinderhaltung der Bergleute. Zur Verbesserung der Ernährung durften Bergleute, aber auch Beamte in Bergbau und Forstwirtschaft, Rinder halten und erhielten dazu bestimmte Rechte. So wurde die Anzahl der Rinder für die Halter, die Waldweidenutzung und der Umfang der Mähweiden festgelegt. Die Haltung der Bergmannskühe im Oberharz führte zu einer besonders intensiven Auslese der Rinder hinsichtlich Robustheit, Marschfähigkeit und Langlebigkeit. Wirtschaftliche Ziele waren Milchproduktion, Zugleistung und Fleischerzeugung, die jedoch alle wegen der äußerst ungünstigen Haltungsbedingungen nur ein recht niedriges Niveau erreichten.
    Die Kuhhaltung im Unterharz und den Randgebieten. Die Bauern im Unterharz und Harzrandgebieten nutzten das Harzer Rind in dreifacher Weise. Für kleine, teilweise auch mittlere Bauernwirtschaften, waren die Harzkühe die Zugtiere. Pferde waren in der Anschaffung und Unterhaltung zu teuer. Kühe wurden auch auch im Oberharz angespannt, hier fehlte aber der Ackerbau weitgehend. Im Unter- und Vorharz mußten die Kühe alle Feldarbeiten leisten. Diese umfangreiche Anspannung minderte die Milcherträge. Trotzdem waren Milch, Nachzucht und Fleisch auch wichtige Wirtschaftsziele. Die Rinder in diesen bäuerlichen Betrieben konnten besser als die Bergmannskühe des Oberharzes gefüttert werden. Den Bauern standen Abfälle und auch Leistungsfutter (Getreide, Rotklee) aus dem Ackerbau zur Verfügung. In den großen Bauernwirtschaften war Milch das wichtigste Produkt der Rinderwirtschaft. Hier und in den Domänen begann auch mit der Intensivierung der Landwirtschaft eine Leistungsfütterung. Sie brachte aber beim Harzer Rotvieh, das ja extrem ungünstigen Bedingungen angepaßt war, wenig Erfolg (siehe Tab. 1).


Tabelle 1 : Entwicklung und Verteilung des Bestandes an Harzer Rotvieh in den Jahren von 1896 bis 1936

Jahr
1896
1906
1925
1936
Gebiet
Provinz Sachsen
53 865
31 126
18 960
-
Provinz Hannover
57 118
57 367
10 844
-
Braunschweig
15 173
18 544
4 966
-
Anhalt
4 799
4 062
2 019
-
Thüringen
2 010
-
335
-
Hessen-Nassau
1 481
-
-
-
Gesamt
134 266
111 099
37 128
44 000

So zeigen sich etwa ab Mitte des vorigen Jahrhunderts verstärkte Bemühungen, das Harzer Rotvieh züchterisch zu verbessern. Wir wollen hier auf die Zuchtgeschichte nicht eingehen, sondern nur resümierend feststellen: das Harzer Rotvieh war und ist auch heute noch eine Extensivrasse, die sich durch Anpassungsfähigkeit an ungünstige Standortbedingungen auszeichnet. Dazu gehört seine Robustheit gegenüber Klimaeinflüssen, die Anpassung an wenig energiereiches Futter und auch an Futtermangelperioden, die gute Marschfähigkeit, die hervorragende Langlebigkeit und die sehr gute Fleischqualität.
Wenn wir heute das Harzer Rotvieh für die extensive Bewirtschaftung von naturnahem Grünland nutzen wollen, bringt diese Rasse alle erforderlichen Voraussetzungen dazu mit.

Die Thematik unserer Veranstaltung ist die Gipskarstlandschaft, also eine Harzrandlage, die weniger vom Klimafaktor hohe Ansprüche an die Toleranz der Rinderrasse stellt, als vielmehr vom Futter. Im Karstgebiet des Südharzes, für das wir die Einrichtung eines Biosphärenreservates anstreben, ist die Nutzung des Grünlandes zu seiner Erhaltung unerläßlich. Dabei werden wir drei Formen der Nutzung anstreben müssen:

1. Die Beweidung mit Rindern
Da mein Thema den Rindern gilt, nenne ich diese Nutzungsform zuerst, obwohl ich nicht der Meinung bin, daß diese Nutzungsform die wichtigste sein muß. Das Harzer Rind, als relativ leichtes, sehr bewegliches Rind ist aber hier hervorragend geeignet. Wichtig ist die Bestimmung jener Flächen die voll rinderweidefähig sind und jene die nur bedingt mit Rindern beweidet werden dürfen. In Kooperation mit den Biologen müssen wir mit den Landwirten das Weideregime festlegen, um den Artenreichtum des Grünlandes nachhaltig zu sichern. Vorläufige Ergebnisse zeigen, daß die mineralische Düngung eine Höchstgabe von 80 N kg/ha nicht überschreiten sollte. Teilweise wird diese Gabe auch geringer sein müssen (VOWINKEL 1998). Möglichkeiten in den gegebenen Grenzen der Nährstoffmengen organischen Dünger, in erster Linie Stallmist anzuwenden, sind zu prüfen. Sie sind auch weit besser umweltverträglich als die Anwendung von Gülle. Hinsichtlich des Weideregimes ist auf den ertragreicheren Standorten eine durch Elektrozaun geregelte Portionsweide zu empfehlen.

2. Die Beweidung mit Schafen
Die Beweidung mit Schafen hat im Harz und dem Vorland eine lange Tradition. Im Karstgebiet werden Schafe aus landwirtschaftlicher Sicht auf die Trockenrasen zu konzentrieren sein. Der Vorteil der Beweidung mit Schafen, die weniger Trittschäden verursachen, aber eine andere Art des Grasens haben, muß beachtet werden. WOIKE (1996) berichtet über Schafweidemanagement in Naturschutzgebieten Nordrhein-Westfalens, wobei Beweidungsgänge (1-4 je Vegetationszeit) mit Intervallabstand von 6-8 Wochen zu beachten sind. Empfohlen wird, ausgewählte Schutzinseln für Fauna und Flora innerhalb der Weideareale zu schaffen. Unterbleiben muß das Pferchen auf Magerrasen, und das träfe wohl für den größten Teil des Grünlandes im Karst zu, weil der Stickstoffeintrag über Kot Jahresgaben von 180-250 kg/ha N erreichen kann. Problematisch ist gegenwärtig die Ökonomie der Schafhaltung. Der Wollpreis liegt so niedrig, daß kaum die Schurkosten vom Wollerlös gedeckt werden können. Wenn Schafe gehalten werden, dann sollten Extensivrassen, wie Leineschaf, Rhönschaf, Coburger Fuchsschaf oder Schwarzköpfiges Fleischschaf bevorzugt werden, mit dem Ziel der Fleischproduktion. Die Schwierigkeiten einer umfassenden Vermarktung dürfen dabei nicht übersehen werden.

3. Die Mähwiese
Ob man im Karstgebiet Mähwiesen einrichtet, muß sowohl aus biologischer Sicht des Artenschutzes, als auch aus landwirtschaftlicher Sicht der Sicherung einer Winterfütterung beurteilt werden. Dort wo der Zeitpunkt des Mähens aus Gründen der Artenerhaltung weit über den Zeitpunkt des optimalen Futterwertes verschoben wird, ist das Heu teilweise von sehr geringem Futterwert, der seinen Einsatz kaum noch lohnt. Möglichkeiten dieses Heu noch für Pferde oder Schafe zu nutzen, sind zu prüfen. Es sind dem aber sehr enge ökonomische Grenzen gesetzt. Bei Wiesen auf guten Wuchsstandorten könnte der erste Schnitt zum Zeitpunkt der optimalen Futterqualität und -menge und der zweite Schnitt zur botanischen Artenerhaltung sehr spät nach Samenbildung der Bestände durchgefuhrt werden. Möglichkeiten einer Vor- und Nachweide sind zunächst sorgsam zu prüfen, da bei Vorweide Frühbrüter der Vögel gestört werden und Nachweide das gewünschte Aussamen wertvoller Pflanzenarten verhindert.
Über das Potential an Grünlandflächen das einer extensiven Nutzung unterliegen soll, gibt es für das gesamte Karstgebiet keine zuverlässigen Angaben. Im Gutachten zum Biosphärenreservat der Planungsgruppe Ökologie und Umwelt von 1997 (PLANUNGSGRUPPE,1997) ist eine Gesamtfläche des Biosphärenreservates von etwa 64000 ha angegeben. Schätzen wir, daß davon 40-50000 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche sind, dabei etwa 10-15000 ha Ackerland, so bleiben etwa 30000 ha Grünland. Das gibt bei einem Besatz von 1 GVE/ha, also einem erwachsenem Rind pro ha, eine Basis für mehrere Tausend Rinder, von denen wir uns wünschen, daß es zukünftig alles Harzer Rotvieh ist.
Das Harzer Rotvieh, wie auch Tab.1 zeigt, hat seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten im Harz und seinem Vorland, dabei besonders dem südlichen Vorland, eine bedeutende Rolle gespielt. Es soll dies nun auch im System einer nachhaltigen, umweltverträglichen Landwirtschaft Funktionen im Naturpark Harz und dem Biosphärenreservat Gipskarst übernehmen. Diese Funktionen können sein:

1. Die Pflege des Grünlandes
Dazu steht im Harz und dem Gipskarstgebiet ein ausreichendes Areal zur Verfügung, das eine Haltung dieser Rasse ermöglicht, aber auch erfordert. Schwerpunkt ist gegenwärtig der forcierte Aufbau einer ausreichenden Population des Harzer Rotviehs. Wir verfügen jetzt über etwa 200, nach anderen Berichten 500 Kühe. Insgesamt ist das noch zu wenig. Wir müssen, um die genetische Vielfalt zu erhalten, mit anderen Rassen des Roten Höhenviehs kooperieren, damit uns die schmale Basis der Harzer Rinder züchterisch nicht zusammenbricht. Der Verein zur Erhaltung der Harzkuh und Harzziege e.V. und der Verband der Harz- und Rotviehzüchter e.V. bemühen sich mit Unterstützung des Rinderzuchtverbandes Sachsen-Anhalt um Erhaltung und Ausweitung des Rassenbestandes. Hoffnungsvoll stimmt uns auch die kürzlich erfolgte Gründung der Arbeitsgruppe Rotes Höhenvieh, die länderübergreifend arbeiten wird.
Erfreulicherweise, aber eben auch bedauerlicherweise ist die Nachfrage nach Harzer Rotvieh größer als das Angebot an Jungtieren aus den Nachzuchten. Wichtig ist dabei, daß das Zuchtziel nicht verfälscht wird. Wir brauchen ein Extensivrind, denn nur dies ist den Haltungsbedingungen angepaßt und kann so seine spezifische regionale Aufgabe erfüllen. Zuchtziele, wie erhöhte Milch- oder Fleischleistung, verlangen eine Intensivierung der Fütterung. Das widerspricht aber den vorhandenen Futtergrundlagen und ihrer umweltgerechten Nutzung und bringt uns wiederum in eine Situation, bei der wir der Konkurrenz der landwirtschaftlichen Intensivgebiete hoffnungslos unterlegen sind.

2. Das Harzer Rotvieh stellt eine wichtige Genreserve dar
Die Langlebigkeit der Rasse wird von keiner anderen in Deutschland erreicht. Die hervorragende Konstitution, vor allem Robustheit und gute Marschfähigkeit müssen erhalten bleiben. Dies kann auch nur bei extensiver Haltung gesichert werden.

3. Immer wieder müssen wir klarmachen, daß alte Haustierrassen Kulturdenkmäler sind, sie sind ebenso wie alte Kirchen oder Profanbauten zu schützen. Dieser Schutz muß aber organisiert werden, dazu gibt es nun organisatorische Voraussetzungen. Aber die Erhaltung alter Rassen ist ebenso wie die alter Bauten nicht zum Nulltarif zu haben.

4. Das Harzer Rind ist ein Touristenmagnet
Wer die Veranstaltungen zum Weideauftrieb in Wildemann und Tanne besucht hat, weiß, daß Tausende von Besuchern an diesen Veranstaltungen teilnehmen. Auch bei anderen Veranstaltungen in vielen Harzorten tragen die Harzer Rinder zur Bereicherung der Festaktivitäten bei. Die traditionellen Bräuche mit und um das Harzer Rotvieh sollten auch im Harzer Vorland bei solchen Veranstaltungen wieder aufgenommen werden. Der Werbeträger Harzer Rotvieh wird trotz allem noch nicht genügend genutzt.

5. Da wir als Wirtschaftsziel der Harzer Rinderzucht nicht die Milch und natürlich nicht mehr die Zugkraft, sondern die Fleischerzeugung in den Mittelpunkt stellen, gibt es schon Bemühungen die Direktvermarktung des Fleisches zu entwickeln. Gegenwärtig läuft dazu eine Vorbereitungsphase, denn noch fehlt es uns an Masse beim Fleisch. Gedacht, und es gibt dazu schon ein positives Echo, ist die Vermarktung vor allem über die Harzer Gastronomie. Wir wissen, daß die Fleischqualität beim Harzer Rotvieh hervorragend ist. Die Harzer Gastronomen könnten mit diesem guten Agrarprodukt eine regionaltypische Küche anbieten und damit ein weiteres belebendes Element für den Fremdenverkehr nutzen.

Zum Abschluß noch ein paar Bemerkungen zur Ökonomie unseres Vorhabens. Wenn wir davon ausgehen, daß je ha Grünland im Durchschnitt 1 GVE Rind gehalten wird, dann ließen sich bei vorsichtiger Schätzung jährlich etwa 50 kg Fleisch produzieren und verkaufen. Bei Direktvermarktung sind gegenwärtig etwa 12 DM je Kg Fleisch zu erlösen. Der genannte Preis liegt schon um mehr als das Doppelte über dem normalen Marktpreis. Bleiben wir bei dem genannten Direktvermarktungspreis, so ergäbe das einen Bruttoerlös von DM 600 je ha Grünland. Bei all den Kosten, insbesondere der Winterfütterung, ist da kaum ein Gewinn möglich. Ohne bestimmte staatliche Zuschüsse werden wir keinen Bauern überzeugen, unseren Vorschlägen zu folgen. Ohne staatliche Hilfe würde die extensive Mutterkuhhaltung zu einer Senkung des ohnehin niedrigen Einkommens der Bauern führen. Das ist aber auch nicht notwendig, denn mit einer extensiven Mutterkuhhaltung auf schutzbedürftigem Grünland, leisten die Bauern einen wertvollen, im Grunde genommen unersetzbaren Beitrag zum Landschafts- und mit der Rassenerhaltung auch Denkmalsschutz. Das hat der Gesetzgeber EU, Bund und Bundesländer im Prinzip auch geregelt, nur versucht man angesichts leerer Kassen sich vor Zahlungen im Naturschutz zu drücken. Andererseits sind aber Maßnahmen mit ABM-Kräften zur Freihaltung von Flächen durch Handarbeit bis hin zur aufwendigen Entsorgung von Grüngut richtig bewertet weitaus kostenintensiver. Nach unseren Recherchen sind folgende staatliche Unterstützungen für die Haltung von Harzer Rotvieh auf Grünland im Karstgebiet möglich:

  • Die Mutterkuhprämie von 283 DM je Tier
  • Die Ergänzungsprämie von 70 DM / Tier bei Besatzdichte unter 1,4 GVE / ha Futterfläche bzw. 101 DM / Tier bei weniger als 1,0 GVE / ha Futterfläche
  • Die Halterprämie für vom Aussterben bedrohte Haustierrassen (in Hessen) 235 DM / Kuh oder Bullen
  • Die Bewirtschaftungsprämie im Rahmen des Kulturlandschaftspflegeprogrammes (Nordrhein - Westfalen) 300 DM / ha oder des Vertragsnaturschutzes (Sachsen-Anhalt) bis 600 DM / ha. In Niedersachsen käme diese Förderung in Höhe von 400-700 DM / ha im Rahmen des sogenannten Erschwernisausgleichs.
Mit diesen Unterstützungsmaßnahmen von etwa 800 bis 1200 DM / ha maximal, läge die Gewinnmarge auch auf Extensivflächen im Karstgebiet im Rahmen des in Deutschland üblichen Niveaus. Futterbaubetriebe hatten in der BR Deutschland im Wirtschaftsjahr 1996/97 einen Gewinn vo etwa 1000 DM / ha. Bezogen auf die Betriebsgröße bewegt sich der Gewinn zwischen 1309 DM / ha in kleineren Betrieben und 972 DM / ha in größeren Betrieben (BMELF,1998). Zusammenfassend sehe ich drei Schwerpunkte unserer zukünftigen Arbeit:
  • Die Erfassung und Bewertung aller landwirtschaftlichen Nutzflächen im Gebiet eines zukünftigen Biosphärenreservates und die Erarbeitung von Bewirtschaftungskonzeptionen gemeinsam mit den Bewirtschaftern.
  • Die Unterstützung der Bauern bei der Beantragung möglicher Prämien und die Klärung in den drei Bundesländern hinsichtlich der Unterstützung im Rahmen von Landschaftspflegeprogrammen oder dem Vertragsnaturschutz.
  • Sind wir in den ersten beiden Schwerpunkten vorangekommen, wird die Vermarktung von Rindfleisch, eventuell auch Schaffleisch der dritte Schwerpunkt werden.

Literatur
1.AG Harzer Rotvieh: Harzer Hirten, Harzer Kühe in Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Clausthal-Zellerfeld,1998
2.Vowinkel, C.-J:Auswirkungen unterschiedlicher Nutzungsintensitäten auf die epigäische Arthropodenfauna von Harzer Bergwiesen: Ein Beitrag zur Landnutzungsgeschichte und zum Konfliktfeld Naturschutz-Landwirtschaft. Schriften Ökologie und Umwelt, Nr. 15, Witzenhausen, l998
3.Woike, M.: Kulturlandschaftspflege mit Schafen. 23. Witzenhäuserer Hochschultage: Kulturlandschaftspflege mit Nutztieren, Witzenhausen, l996
4.Planungsgruppe Ökologie + Umwelt: Entscheidungsgrundlagen für die weitere Nutzung der Gipskarstlandschaft Südharz / Kyffhäuser unter besonderer Berücksichtigung des Bodenschutzes, Hannover, l997
5.BMELF (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten): Land- und Forstwirtschaft in Deutschland. Daten und Fakten 1998, Bonn,1998
6.Griep, H.-G,: Das Bürgerhaus der Oberharzer Bergstädte. Tübingen 1975