Die Entstehung des Tanzteiches

Unweit der Straße von Niedersachswerfen nach Appenrode liegt im Schatten des Mühlbergs der Tanzteich. An seiner Stelle soll vor vielen Jahren ein prunkvolles Schloß gestanden haben.

Der hier lebende Ritter war ein sehr stolzer und reicher Herr, verbrachte seine Tage aber am liebsten mit wilden, ausschweifenden Festen, den lieblichsten Schlemmereien und schönen Frauen. Bei Speis und Trank, Musik und Tanz sowie mannigfaltigen Lustbarkeiten vergaß der Schloßherr bald gänzlich die ritterlichen Tugenden. Ehre, Anstand und Sittenhaftigkeit waren bei dem Ritter ebenso wenig zu finden wie bei seinem wilden Gefolge und den ausschweifenden und törichten Gästen. Selbst Feiertage und die Fastenzeit wurden durch Völlerei und lasterhafte Reden geschmäht.

So verbrachte die wenig fromme Festgesellschaft auch einen Sommerabend saufend und schlemmend zusammen, in Übermut und Sündhaftigkeit. Zur selben Zeit zog ein Unwetter herauf. Regen und Hagel prasselten hernieder, der Sturm fällte mächtige Eichen, Blitze durchzuckten die Nacht und der Donner übertönte jedes Rufen. Die Zorge schwoll in kurzer Zeit unheilvoll zu einem mächtigen Strom an. Inmitten dieses Unwetters erschien ein bedürftiger alter Mann in triefenden Kleidern vor dem Schloß. Unbemerkt gelangte der Bettler bis vor den Festsaal, da auch Knechte, Mägde, Wachen und Diener berauscht in ihre Weinkrüge schauten und zu keinerlei Dienstbarkeit mehr im Stande waren.

Durchnäßt und frierend klopfte er bittend an die Tür. Der Burgherr bemerkte ihn sogleich, schwankte zornig und fluchend auf den ängstlich dreinblickenden Greis zu, beleidigte ihn und bedrohte diesen mit seinen mächtigen Fäusten. Der Alte blickte demütig zu Boden und bat den Tobenden bescheiden um ein Nachtlager und um ein wenig Wegzehrung für den kommenden Tag. Das brachte den berauschten Ritter endgültig in Rage. Äußerst grob packte er den Bettler am zerlumpten Wams, hob ihn hoch in die Lüfte und schleuderte ihn unter dem Gejohle und dem stürmischen Beifall der zuchtlosen Gäste aus dem Fenster in die Tiefe.
Doch ehe sich die Menge versah, stand die ärmliche Gestalt unten vor dem Burgtor, von einem hellen Lichtschein umflossen und rief mit anklagender Stimme: "Verflucht sei dieses Haus und jeder Stein von ihm, verflucht sei Herr und all sein Gesinde, verflucht die Gäste auf ewige Zeit. Versinken soll die frevelhafte Brut in die ewige Finsternis!" Im gleichen Moment verschwand mit ohrenbetäubenden Getöse Berg und Burg mit allem was darin war in einer dunklen Spalte, aus der schäumende Fluten emporschossen und die Stätte einstiger Völlerei und gemeiner Lustbarkeit unter sich begruben.

In stillen Sommernächten kann man auch heute noch in der Nähe des Tanzteiches aus den Wellen den Klang entfernten Tanzvergnügens, vermischt mit quälenden Stöhnen und Jammern hören.