3. Südharz-Symposium 11.-12. Juni 1999 in Sundhausen - Stadt Nordhausen

 
Bienenweide und Honig am Südharz -
Süße Pflege der Kulturlandschaft

Vortrag von Dr. Wolfgang Kribbe
 

Einleitung
Die Bienenhaltung (Imkerei) ist ein Zweig der Landwirtschaft, wiewohl Honigbienen gleichzeitig Nutz- und Wildtiere sind. Sie werden zwar vom Menschen in künstlichen Behausungen gehalten; sie werden gezüchtet und gepflegt, aber sobald die Bienen den Stock verlassen, unterliegen sie nicht mehr dem menschlichen Einfluß. Es ist nicht möglich, ihr Flug- und Sammelverhalten vorauszusagen und zu kontrollieren.

Bienenweide
Bienen brauchen für ihre Ernährung Nektar und Pollen von Blütenpflanzen. Als Bienenweide werden die Pflanzen zusammengefaßt, die der Ernährung des Bienenvolkes dienen.
Die herausragende Bedeutung der Honigbiene als Blütenbesucher hängt mit mehreren Umständen zusammen: Der wichtigste davon ist, daß ein einziges Bienenvolk aus 30 000 - 50 000 Individuen besteht. Man kann davon ausgehen, daß je nach Verfassung des Bienenvolkes etwa 30-50 % der Arbeitsbienen Sammlerinnen sind. Somit schickt ein einziges Volk pro Tag etwa 10 000 bis 25 000 Bienen zum Sammeln von Nektar und Pollen aus, die quasi nebenbei für die Bestäubung der Pflanzen sorgen. Für Nordamerika hat man einmal berechnet, daß dort 80% aller Blütenpflanzen von Bienen bestäubt werden.
Honigbienen sind in Bezug auf ihr Sammelverhalten Generalisten. Bedingt durch ihre lange Flugzeit von den ersten Frühlingstagen bis weit in den Spätherbst hinein können sie es sich nicht leisten, sich auf bestimmte Pflanzen zu spezialisieren. Sie müssen in der Lage sein, sich an die jeweiligen Verhältnisse des Blütenangebotes optimal anzupassen.

Welche Vorteile hat aber die Pflanze von dieser auf den ersten Blick Verschwendung von Energie durch die Bereitstellung großer Mengen Nektar und Pollen? Der Vorteil für die Pflanze liegt in der sicheren Bestäubung der Blüten und einer damit verbundenen gesteigerten Frucht und Samenproduktion. Viele Pflanzen haben sich im Lauf der Evolution auf Bienen als Bestäuber eingestellt und sind von ihnen abhängig geworden. Vom gesteigerten Frucht- und Samenansatz profitieren nicht nur die Menschen, sondern auch  viele Wildtiere, deren Nahrungsgrundlage dadurch verbessert wird.

Honigbienen sind ausgesprochene Liebhaber von Massentrachten. Das Prinzip des „sich lohnens“ ist ein Grundbestandteil der Sammelstrategie der Honigbiene. Großflächig angebaute Kulturpflanzen wie Raps, Obstbäume in Plantagen oder auch Grünbrachen, weite Heideflächen und Lindenalleen an Straßen kommen dieser Strategie sehr entgegen. Ein einziges Bienenvolk kontrolliert ständig etwa eine Fläche von 100 km² um den jeweiligen Nistplatz herum auf lohnende Trachten. Massentrachten stehen in einem Gebiet zeitlich aber meist nur begrenzt zur Verfügung. Danach heißt es für den Imker entweder andere Trachten anzuwandern, oder aber bei der Standimkerei müssen sich die Bienen mit dem begnügen, was gerade zur Verfügung steht.

Leider korreliert der Blütenreichtum einer Fläche dabei nicht unbedingt mit der Attraktivität für Honigbienen. Dies zeigt das Beispiel der Trocken- und Halbtrockenrasen sehr deutlich.
Die in der Südharz-Region noch vorhandenen Halbtrockenrasen der Gipskarstlandschaft mit ihrem vielfältigen Angebot an Blütenpflanzen haben für Honigbienenvölker, die der Honigproduktion dienen sollen, nur einen untergeordneten Wert. Meist ist das Vorkommen einer Pflanzenart auf diesen Flächen einfach zu gering, um eine lohnende Tracht für die Bienen darzustellen. Als typische Nebentrachten werden diese Flächen zwar bei Bedarf genutzt, aber sobald eine bessere Nahrungsquelle zur Verfügung steht, werden die Sammelbienen von den Halbtrockenrasen abgezogen und zu der neuen Nahrungsquelle umdirigiert.

Fazit:
Der primäre Wert der Bienen für den Mensch und die übrige Natur liegt nicht in der Produktion von Honig, sondern in der Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen. Ohne Honigbienen wird es keine Kultur- oder Naturlandschaft so wie wir sie kennen, geben !

Ökonomische Aspekte der Honigproduktion
Honigbienen werden seit tausenden von Jahren vom Menschen genutzt, um Honig und andere Bienenprodukte zu ernten. Das Naturprodukt Honig besteht aus einer Vielzahl von Inhaltsstoffen (Abb.1). Die spezifische Kombination der verschiedenen Honigsorten von leicht verdaulichen Zuckern mit Vitaminen, Enzymen, Säuren, Hemmstoffen und Aromastoffen macht Honig zu einem wichtigen Bestandteil der menschlichen Ernährung.

Der heutige Imker hat es nicht leicht. Durch die Veränderung unserer Landschaft reicht es nicht mehr, die Völker an einen geschützten Platz zu stellen und dann von Zeit zu Zeit den Honig zu ernten. Vielmehr ist auch für den Freizeitimker eine umfassende Ausbildung notwendig geworden. Kenntnisse im Naturschutz, in rechtlichen Fragen, in Krankheits- und Seuchenbehandlung sind heutzutage gefragt. Wer seine Imkerei nicht nur als Hobby betreibt, sondern auch Honig ernten und verkaufen will, schließt sich in der Regel einem Imkerverein an und wird dort mit allen notwendigen Informationen und vielen Tips versorgt.
Als Beispiel seien hier die Mitglieds- und Völkerzahlen für den Kreisimkerverein Osterode genannt. Während die Mitgliederzahl in diesem Verein in den letzten Jahren annähernd konstant blieb, ging die Zahl der betreuten Honigbienenvölker kontinuierlich zurück. Diese Tendenz ist überregional auch in vielen Gegenden in Niedersachsen zu beobachten (Tab.1).

Deutschland ist das Land mit dem höchsten pro Kopf Verbrauch von Honig. Jeder Bundesbürger ißt statistisch gesehen etwas mehr als 1 kg Honig pro Jahr. Obwohl in Deutschland im Jahr 1997 rund 14.000 t Honig geerntet wurden, kann der Inlandsbedarf nur zu einem Viertel aus heimischer Erzeugung gedeckt werden. Rund 83.000 t Honig (1997) wurden vorwiegend aus China, Mexico, Argentinien und der Türkei importiert. (Tab.2). Auf Grund der Vegetation, der klimatischen Verhältnisse und der Lohnstruktur in diesen Ländern, ist es dort möglich, den Honig wesentlich billiger zu erzeugen als in Deutschland.
Bei sehr günstigen Voraussetzungen kann in Deutschland ein Bienenvolk etwa 40 kg Honig pro Jahr liefern. Die Durchschnittsernte eines Imkers liegt allerdings wesentlich niedriger (10-20 kg/Volk). Im Ausland, beispielsweise in Mexico, ist es ohne weiteres möglich, den 5-fachen Ertrag, also bis zu 200 kg Honig von einem Bienenvolk zu ernten. Dieser Importhonig begegnet uns in großer Auswahl in vielen Kaufhäusern. Er ist meist deutlich billiger als der einheimische Honig.

Zu welchem Honig sollte nun der Verbraucher greifen und welche Vorteile hat er von einer Imkerei in seiner Nachbarschaft?
Der ausländische Honig ist in der Regel qualitativ nicht schlechter als der deutsche Honig. Allerdings werden des öfteren Beeinträchtigungen des Enzymgehaltes im ausländischen Honig festgestellt. Dies wird durch zuviel Wärme bei der Produktion, Lagerung oder Transport des Honigs verursacht.
 

Argumente für Honig aus heimischer, regionaler Produktion sind z.B.:

  • Bestäubungsfaktor - aktiver Naturschutz in der Region
  • Imker als Ansprechpartner - direkte Kontrolle durch den Verbraucher
  • ständige Qualitätskontrolle - Imkerbund, Lebensmitteluntersuchungsämter
  • soweit wie möglich naturbelassen - keine industrielle Bearbeitung
  • kurze Transportwege - damit geringeres Risiko einer Beeinträchtigung der Inhaltsstoffe des Honigs
Honigernte 1997:13.983 t
Durchschnittsertrag pro Bienenvolk:16,1 kg
  
Honigimporte 
1996:87975 t
1997:83287 t

(Quelle: Deutscher Imkerbund -Jahresbericht 1997/98)
 


Kreisimkerverein Osterode
 

Jahr
Mitglieder mit Bienen
ohne Bienen
Völker
1998
102
12
1006
1997
105
14
1008
1996
104
12
1054
1995
105
11
1087
1994
108
14
1074

Quelle: Jahresberichte des Landesverbandes Hannoverscher Imker


Organisierte Imker mit Völkern in Niedersachsen
 

1996:
8.294
69.717
1997:
8.296
66.756