5. Südharz-Symposium 11./12. Oktober 2002 in Bad Sachsa

 

Vision einer Regionalmarke -

H2Ö-Projekt in der Ingenieurgemeinschaft Landwirtschaft und Umwelt

Vortrag von Jan-Cord Fuhrmann
 

H2Ö Projektvorstellung

Seit April 2001 arbeitet das niedersächsische Projekt H2Ö nach Beauftragung durch die Bezirksregierung Hannover in Wasservorranggebieten der Regierungsbezirke Braunschweig, Hannover und Teilen Lüneburgs.
Projektpartner bei H2Ö sind der:

  • Bioland Landesverband Niedersachsen / Bremen e.V. Der Bioland-Verband ist der bekannteste und größte Öko-Anbauverband in Deutschland und ist besonders stark im Bereich der Vermarktung für die er im Projekt schwerpunktmäßig zuständig ist.
  • der Ökoring als Beratungsring berät sehr erfolgreich landesweit Umsiedlungs- und Bio-Betriebe in produktionstechnischen und betriebswirtschaftlichen Fragen.
  • die Universität Kassel-Witzenhausen forscht bereits seit über 20 Jahren im Fachgebiet des Ökolandbaus mit Schwerpunkt im Stickstoffmanagement. Sie begleitet das Projekt wissenschaftlich und ist für die projektinterne Evaluation zuständig.
  • IGLU (Ingenieurgemeinschaft fur Landwirtschaft und Umwelt) aus Göttingen ist seit 10 Jahren auch in der Region Südharz im Trinkwasserschutz tätig sowie in Hessen und Schleswig-Holstein. Weitere Arbeitsbereiche sind die Betreuung von Kleinkläranlagen, bodenkundliche Gutachten, Planung und Umsetzung von Produktlinien bei Nachwachsenden Rohstoffen.


Wer ist H2Ö ?
 

Jan Meyerhof

 

Jan-Cord Fuhrmann
Jörge Penk

Arbeitsgemeinschaft
Wasserschutz - Ökologischer Anbau

Ulrich Ebert
Carsten Meyer

Manfred Szerencsits


Auftraggeber: Bezirksregierung Hannover und Europäische Gemeinschaft   Bearbeiter: IGLU

 

Ökolandbau und Wasserschutz:

Der Name H2Ö soll den Zusammenhang zwischen dem Schutz des Trinkwassers und dem Ökolandbau verdeutlichen. Probleme bereitet den Wasserversorgungsunternehmen seit vielen Jahren die Gefahr des Nitrateintrages aus landwirtschaftlich genutzten Flächen in das Grund- und damit das Trinkwasser. Durch sehr erfolgreiche Kooperationen und freiwillige Vereinbarungen zwischen Wassergewinnern und Landwirten und intensive Beratung konnten die Einträge in den letzten Jahren deutlich reduziert werden.

Eine weitere Möglichkeit den Nitrateintrag zu reduzieren kann der Ökolandbau sein. Daher wurde von den Bezirksregierung Hannover das H2Ö-Projekt beauftragt.

Aufgaben und Ziele von H2Ö sind die Ausweitung des Ökologischen Landbaus in Wasservorranggebieten durch eine kostenlose Umstellungsberatung der Landwirte und eine Vermarktungsförderung für Umstellungsware und anerkannter Bio-Ware. In der Vermarktungsförderung liegt der Schwerpunkt des Projektes, denn nur wenn die Vermarktung für Umstellungsbetriebe langfristig gesichert ist, werden bisher konventionell wirtschaftende Betriebe ihre Produkte nachhaltig vermarkten können.

H2Ö betreibt also eine Vermarktungsförderung regional wie auch überregional.
 

Begriff und Definition einer Region:

  • Ein größeres Gebiet bildet eine Einheit,
  • ist gekennzeichnet durch bestimmte ähnliche Merkmale,
  • ist von Nachbargebieten zu unterscheiden, die Grenzen sind aber nicht immer eindeutig definierbar. Z.B. kann es eine innere Homogenitat geben. Bezirk, Gemeinde etc.
Beispiele:
  • Um einen sehr allgemein gehaltenen Regionalbegriff handelt es sich bei: "Aus Deutschen Landen" oder "Hergestellt und geprüft in Schleswig Holstein".
  • Bei Regionen und Gebieten die eine Landschaft verkörpern, wie "Brucker Land", "Aus dem Eichsfeld" und "Rhöner Charme" ist der Regionalbegriff enger gefasst.
  • Für den Südharz im Landkreis Osterode war bei der Antragstellung zum Wettbewerb "Regionen Aktiv", an dem auch IGLU entscheidend beteiligt war, maßgeblich, dass es sich hier um eine naturräumlich leicht abzugrenzende Region handelt.


Voraussetzung für eine Regionalmarke:

  • Die lokale Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung von Lebensmitteln,
  • eine Regionalmarke umfasst eine oder mehrere Produktgruppen,
  • Qualitätsstandards müssen erstellt und gehalten werden, z.B. gleichbleibende Qualität, kein Zukauf von Produkten etc.),
  • die Vermittlung regionaler Identität,
  • dient als Werbeträger für die Region (Beispiel Rhön),
  • stärkt die Region,
  • wird i.d.R. von einer Gruppe initiiert und durch Einzelbetriebe gefördert.


Kooperationen:

  • Sie führen letztlich zum Erfolg einer Regionalmarke und sind daher häufig entscheidend.
  • Ein Zusammenschluss zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Vermarktern (Schlachtereien, Bäckereien, Lebensmitteleinzelhandel, Handel, Gastronomie, Tourismus, Kultur, Bildungseinrichtungen, Handwerk etc.),

  • = vertikale Kooperation
  • Kooperationen mit anderen Produzenten,
  • Aufnahme von Produkten anderer Höfe ins Sortiment, dadurch Erweiterung des Angebotes

  • = horizontale Kooperation


Werbung mit einer Regionalmarke

Für die Region ergeben sich diverse Vorteile beim Installieren einer Regionalmarke.

  • Die Region wird dem Tourismus bekannter gemacht,
  • der Fremdenverkehr will regionale Spezialitäten kosten und will die Landschaft und in ihr tätige Landwirtschaft unterstützen,
  • die Besucher der Region haben heutzutage ein erhöhtes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein, Umweltthemen wie z.B. "Wasserschutz durch Ökolandbau" haben daher einen hohen Stellenwert,
  • sie sind häufig sensibilisiert durch Skandalmeldungen,
  • sie schätzen den Genuss von regional erzeugten Nahrungsmitteln hoch ein,
  • die Konsumenten fordern und erwarten ein Erlebnis- und Lustgefühl (Urlaubsstimmung), in Verbindung mit den Produkten, z.B. ist der "Schierker Feuerstein" allgemein bekannt,
  • die erlebte gute Stimmung, das gute Gefühl wird automatisch auf andere Produkte der Regionalmarke übertragen, nach dem Motto "das Produkt gestern war super, diese heute wird es auch sein".


Das Beispiel Rhöner Charme mit Produkten aus dem Biosphärenreservat Rhön lässt sich gut mit der Region Südharz vergleichen, zumal auch im Harz ein Biosphärenreservat geplant ist und der Tourismus einen wesentlichen wirtschaftlichen Schwerpunkt der Region darstellt. Das Biosphärenreservat Rhön existiert auch länderübergreifend in Bayern, Hessen und Thüringen.
 

Rhöner Charme

  • ist ein Zusammenschluss von über 60 Gasthöfen und vielen landwirtschaftlichen Betrieben, auch vielen Bio-Höfen,
  • bietet regionaltypische Gerichte aus heimischen Rohstoffen an,
  • Gastwirt, Landwirt und regionales Handwerk sollen wieder Partner werden,
  • die wirtschaftliche Entwicklung der Region soll gefördert werden,
  • die bäuerlich geprägte Kulturlandschaft soll erhalten werden,
  • ein umweltverträglichen Tourismus soll ausgebaut werden.


Regionale Herkunft als Kaufentscheidungskriterium:

  • für Touristen und die Bevölkerung in der Region ist die regionale Herkunft häufig ein Kriterium zum Kaufentscheid, in Süddeutschland, so kann beobachtet werden, wird häufig viel mehr Wert auf Regionalität gelegt als in Norddeutschland,
  • die heimische Kulturlandschaft soll dadurch erhalten werden,
  • Arbeitsplätze sollen erhalten werden, die heimische Wirtschaft soll gestärkt werden,
  • die regionale Identität wird gefördert,
  • z.B. durch regionale und regionaltypische Spezialitäten,
  • Regionalität bedeutet auch kurze Transportwege,
  • bedeutet frische Produkte,
  • muss Qualitätsprodukte bedeuten.


Regionalmarke und Umweltschutz

z.B. Wasserschutz:

  • Grünland und extensive Haltungsformen eignen sich optimal für den Wasserschutz.
  • Harzer Rotes Höhenvieh, eine alte widerstandsfähige vom Aussterben bedrohte Rasse, die extensiv gehalten wird und sich optimal fur Naturschutzflächen, Wiesentäler, Hanglagen und Wasserschutzgebiete eignet. Unterstützung erhält der Verein zur Förderung des Harzer Rotes Höhenvieh durch die GFB (Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz).
  • Das Harzer Rotes Höhenvieh beinhaltet alle für eine Regionalmarke wichtigen Aspekte (Naturschutz, Wasserschutz, aussterbende Rasse, regionale Erzeugung, regionale Verarbeitung und Vermarktung, Ansprache des Tourismus z.B. durch Weideauftrieb und enge Zusammenarbeit mit der regionalen Gastronomie).
  • Der Bio-Hof Wehmeyer in Düna züchtet das Harzer Rotes Höhenvieh und bewirtschaftet Flächen im Natur- und Wasserschutzgebiet.
  • Für extensive Haltungsformen ist eine Umstellung auf Okolandbau besonders einfach und lukrativ.
  • Das Fleisch hat einen ausgezeichneten Geschmack, ist für den herkömmlichen Markt aufgrund des höheren Knochenanteils jedoch nicht geeignet.
  • Die regionale Vermarktung geschieht z.Zt. über 6 Gastronomen, die entsprechende regionale Gericht anbieten, (Verweis auf den Vortrag von Frau Sauerbrey am Vortag d. 11.10.02).
  • Die Gastronomen müssen Regionalität wollen, da der Einsatz solchen Fleisches einen höheren Aufwand bedeutet.
  • Neben dem Genuss muss auch die Prozessqualität über die gesamte Nahrungskette kommuniziert werden, ähnlich wie die Wassergewinner ihre hohen Anforderungen an die Wasserqualität des Trinkwassers stellen und erfüllen.
  • Mit dem Harzer Rotes Höhenvieh kann der Start einer Regionalmarke initiell und in den nächsten Jahren ausgebaut werden, wenn alle Akteure mitziehen und dies mittragen.

  • Aus einer Vision wird Realität!
  • Regionalität und Bio-Produkte können eine wichtige Motivation zum Kauf einer Regionalmarke sein,

  • nach dem Motto:
Aus der Region für die Region