5. Südharz-Symposium 11./12. Oktober 2002 in Bad Sachsa

 
Der Geopark Harz -
neue Perspektiven für Museen und Geo- Besuchereinrichtungen in der Region Südharz

Vortrag von Dr. Ralf Nielbock
 

Der Geopark:
Der Harz als Nukleus eines Geoparks ist "gekennzeichnet durch seine unverwechselbare Silhouette und durch seine ausserordentliche Vielfalt der Gesteine, Minerale, Erze und Fossilien. Er repräsentiert 1 Milliarde Jahre Erdgeschichte auf engstem Raum und - einzigartig im Herzen Deutschlands - 3000 und mehr Jahre Bergbau. Das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands ist somit gleichsam ein aufgeschlagenes Lesebuch der Natur-, Landschafts- und Bergbaugeschichte", so die Formulierung in einem Thesenpapier, das als Ergebnis eines Workshops in Allrode im September 2002 zur weiteren Entwicklung des Geopark erstellt wurde.

Am 20. März 2002 wurde gemeinschaftlich vom Freilicht- und Erlebnismuseum Ostfalen e.V. (FEMO) in Königslutter und dem Regionalverband Harz e.V., Quedlinburg, der "Geopark Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen" ins Leben gerufen. Dieser Geopark erstreckt sich über ein Gebiet von ca. 12.000 km² vom Elm bis zum Kyffhäuser. Er soll für diese weitläufige, aber naturräumlich geschlossene Region die Chance bieten, Stärken weiter zu entwickeln, das eigene Profil zu schärfen und die Region bundesweit und international bekannt zu machen.

Bereits seit 3 Jahren befasste sich FEMO mit einem Projekt zur Entwicklung eines landkreis- und bundeslandübergreifendes Geoparks. Der Geopark Harz ist jetzt existent und muss fachlich in sich entwickelt werden.

Karte: © FEMO

Zielsetzung:
Durch das Geopark-Projekt soll für den Harz und sein Vorland ein Prozess angestoßen werden, in dem durch Vernetzung und gemeinsame Erarbeitung nachhaltiger Konzepte die regionale Identität nach innen und außen gestärkt wird. Der Geopark ist eines der wenigen wirksamen Instrumente zur Förderung dieser Identität in der Region Harz (Leitbild: "Geologie verbindet", so eine These auf dem Workshop). Die Entwicklung eines "Geopark-Profils" soll Impulse für die Wirtschaft, hier vor allem den Tourismus, aber auch für die Landwirtschaft und den Naturschutz ergeben. Dies soll auch zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 21 beitragen.

Im geplanten Geopark sollen im Dialog des Menschen mit der Natur und den Geowissenschaften lebendige Begegnungen stattfinden mit Geologie, Erd- und Landschaftsgeschichte, der Kulturlandschaft, naturnahen Lebensräumen und der Nutzungsgeschichte. Letzteres ist gerade im Harz und hier speziell seinem südlichen Rand allgegenwärtig sichtbar in den Bereichen von Handwerk und Industrie, die ihre Grundlage in den Rohstoffen des Harzes haben.

Die Vernetzung bestehender Aktivitäten wie beispielsweise der Geo- Besuchereinrichtungen mit bereits vorhandener touristischer Infrastruktur und Initiativen ist eine grundlegende Voraussetzung für die (Wieder)entdeckung, Erschließung und Präsentation der oftmals sogar einzigartig und nur hier vorhandenen erd- und kulturgeschichtlichen Besonderheiten der Harzregion. Durch die neue Struktur Geopark kann ein umfassendes System der Besucherinformation mit starkem Bezug zur Umweltbildung entwickelt werden. Das Wanderwege- und Parkplatznetz der Natur- und Nationalparke im Harz ist dafür bereits jetzt vorhanden und kann für den Bereich "Geotourismus" genutzt werden.

Die Umsetzung einer zwischen allen wichtigen Akteuren abgestimmten Tourismus-Strategie unter einem neuen Label Geopark soll neue Einkommensquellen schaffen. Neben dem Fremdenverkehr und Gastronomie kann davon beispielsweise auch die Landwirtschaft durch eine auf den Geopark zugeschnittene Angebotspalette aus den Potentialen regionaler Produkte profitieren.

Fremdenverkehr:
Um als Zielgebiet weiterhin angenommen zu werden, ist es erforderlich, den Fremdenverkehr als wichtigen Wirtschaftszweig der Region Harz langfristig durch neue Angebote hoher Qualität zu stabilisieren. Durch das Instrument Geopark soll erreicht werden, dass auch neue Zielgruppen, wie z.B. junge Familien mit Kindern, stärker angesprochen werden. Durch spezielle geotouristische Angebote kann die Aufenthaltsdauer der Harztouristen verlängert werden. Die Vernetzung bestehender Geo-Ziele soll dem Tagestouristen Geotouren bzw. -routen anbieten, so das Thesenpapier zum Geopark.

Durch Kooperation nicht nur im touristischen Bereich mit den Großschutzgebieten (Nationalparke, Biosphärenreservat, Naturparke) fügt sich der Geopark in eine nachhaltige Regionalentwicklung optimal ein.

Landmarken:
In dem Workshop wurden erste Projektideen entwickelt. Eine Umsetzung der angedachten Projekte soll in mehreren Schritten realisiert werden.

Als erste Phase soll mit dem Projekt "13 Landmarken" begonnen werden. Bekannte Landmarken (Berge, Türme, Burgen usw.) bilden eine visuelle Verbindung zu "13 Georouten". Die Georouten sind jeweils in einer Tagestour erlebbar und zumindest die zentrale Geoeinrichtung verfügen bereits über eine touristische Infrastruktur. Neben dem Erstziel gruppieren sich weitere geologisch relevante Einrichtungen in schnell erreichbarer Umgebung. Sie werden mit einbezogen.

Für den Bereich Südharz sind von einer Arbeitsgruppe des Workshops als markante Punkte mit ihren Geo-Highlights (mit dem Arbeitsthema) und deren geologische Umgebung vorgesehen:

  • Landmarke Schloß Herzberg

  • Wo schon der Neandertaler jagte - Georoute 5 mit Einhornhöhle (Besiedlung vor ca. 100.000 Jahren), Steinkirche, Burg Scharzfeld, Pöhlder Becken, Rhumequelle, Hainholz...
  • Landmarke Poppenbergturm

  • Wo Steinkohle und Manganerz anstehen - Georoute 6 mit Ilfeld-Netzkater, Steinkohlen-Besucherbergwerk Rabensteiner Stollen, Braunsteinhaus, Langer Wand mit Kupferschieferbergwerk...
  • Landmarke Petrikirchturm Nordhausen

  • Weißer Gips prägt die Landschaft - Georoute 7 mit Nordhausen, Burgruine Hohenstein, Zechstein- und Gipskarst, Höhle Heimkehle, Stollen- und Kammersystem der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Gips- und Anhydritabbau, Walkenried, Salzaquelle, Goldener Aue...
  • Landmarke Spitzkegelhalde Hohe Linde

  • Im Land von Kupferschiefer und Biosphärenreservat- Georoute 12 mit Sangerhausen, Hüttenaltlasten, Schaubergwerk Röhrigschacht Wettelrode, Spenglermuseum mit Mammut,...
Es schließen sich im Westen die Tour 1 Bad Grund mit dem Hübichenstein und Tropfsteinhöhle, im Süden die Landmarke "Kyffhäuser Denkmal", Georoute 11 mit der Barbarossahöhle und im Osten "Mansfelder Kupferschieferhalden" Georoute 13 mit u.a dem Mansfeldmuseum Hettstedt an.

Für diese Geo-Einrichtungen und geologischen Aufschlüsse in der Natur = Geotope bedarf es jetzt einer einheitlichen und zentral koordinierten Anpassung an die Erfordernisse eines Geopark-Objekts. Zudem sollten für die Geotope in der Vielfalt der Geologie des Harzes sog. Alleinstellungsmerkmale anhand ihrer herauszustellenden Besonderheiten hervorgehoben werden.



Die Höhlen:
Für die 6 Harzer Schauhöhlen, die seit April 2002 in einer Arbeitsgemeinschaft zusammenarbeiten, wurden gemeinsam bereits erste Überschriften erarbeitet:

  • Barbarossahöhle im Zechsteinanhydrit (Die einzige Anhydrit-Schauhöhle): Thema: Der Kyffhäuser / Barbarossasage.
  • Iberger Tropfsteinhöhle im Iberger Riffkalk: Thema: Das Riff / Der Iberg. Der Eisensteinbergbau.
  • Einhornhöhle im Zechstein-Dolomit: Thema: Die "Eiszeitkonserve", Der Neandertaler / Die Höhlenbären.
  • Heimkehle im Zechsteingips (Die einzige Gipsschauhöhle): Die Seenhöhle. Deutsche Geschichte des 20.Jh.: Die NS-Produktionsstätte, die DDR-Gedenkstätte.
  • Zudem die Rübeländer Höhlen im Elbingeröder Riffkomplex:
    • Baumannshöhle: Das Riff. Die Tropfsteine. Die Forschungsgeschichte.
    • Hermannshöhle: Die Hohlraumstrukturen. Die Flußhöhle. Die eiszeitlichen Raubtiere.
Für die Einhornhöhle wurde bereits ein entsprechender Verein gegründet (nach dem jahrhundertelang berühmtesten und in Pulverform weit verkauften, aber nie existenten Tieres des Harzes, dem Einhorn, Gesellschaft Unicornu fossile e.V. benannt). Der Verein will die touristische Erschließung der Höhle und ihrer durch die Eiszeit geprägten Umgebung vorantreiben. Tourismus, Forschung und Umweltbildung sollen hier zukünftig zusammen ein Geotop prägen. Der Verein hat sich auch zur Aufgabe gemacht, ein Geo-Infozentrum zu betreiben und weitere Geotope zu betreuen.

Die Museen:
Für die Unterharzer Bergwerksmuseen wird z.Zt. in enger Abstimmung mit ihrem Förderverein ebenfalls ein gemeinsames Profil für den Geopark entwickelt. Der Röhrigschacht bei Wettelrode ist einerseits Teil der Region Südharz, durch das eigene Netzwerke ist er in den Harz hinein verbunden. Das bedeutet eine vielschichtige Anbindung und Verzahnung der Geo-Einrichtungen untereinander und mit der Region, gerade die Bergwerksmuseen sind eingebunden in eine sie umgebende montanhistorsiche Landschaft.

Am Beispiel des Museums im Ritterhaus in Osterode können als Fallstudie die neuen Möglichkeiten für die musealen Einrichtungen aufgezeigt werden: Dieses Museum verfügt bereits über die Ausstellungssegmente "Geologie des Harzes und seines Vorlandes", "Gips" sowie "Ur- und Frühgeschichte", in Ergänzung harrt eine umfangreiche Geosammlung mit über 3.000 Gesteins- und Mineralstufen im Magazin. Die Anschauungsobjekte mit der Beschreibung im Museum können mit den Fundorten im Gelände vernetzt werden. So kann beispielsweise auch der früher berühmte geologische Aufschluss "Fuchshalle" wieder aus seinem Dornröschenschlaf zum "Geotop" erwachen. Der Eisensteinlehrpfad in Lerbach findet seine Anbindung. Für die Geschichte der Naturwissenschaften berühmte Lokalitäten wie die Erstfundorte von Mammut und Wollnashorn in unmittelbarer Umgebung von Osterode rücken aus langer Vergessenheit in den Vordergrund. Nicht zuletzt soll hier das Hainholz genannt werden, dass bereits über eine Infrastruktur verfügt und als Naturschutzgebiet gut angenommen wird.

Fazit:
Der Geopark Harz bietet somit zukünftig eine Plattform für alle angesprochenen Akteure auch im Bereich Südharz, gemeinsam ihre naturräumliche Vergangenheit und Gegenwart zu erkennen, zu erschliessen und geotouristisch zu vermarkten.

[ Geopark Harz ]

Für die Unterstützung bei der Vorbereitung bedanke ich mich bei Michael Brust, Friedhart Knolle und Dr. Matthias Thomae

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