5. Südharz-Symposium 11./12. Oktober 2002 in Bad Sachsa

 
Zu einigen Projekten der Tourismusförderung

Vortrag von Prof. Albrecht Pfeiffer
 

Das Hauptthema unseres 5.Südharz-Symposiums heißt "Regionale Identität". Diese Identität muß zwei Wirkungsbereiche haben, einmal müssen die Bewohner des Südharzes ihre Identität zur Region finden und andererseits müssen wir dem Urlauber die spezifische Identität des Südharzes übermitteln. Da beginnt aber schon die Schwierigkeit mit der politisch-administrativen Aufteilung des Harzes. Wir haben drei Kreise aus drei Ländern, wir haben den leider schwachen Regionalverband Harz, den Regionalverband Südniedersachsen, natürlich ohne die Kreise Nordhausen und Sangerhausen, den Harzer Förderkreis, der eigentlich nur Sachsan-Anhalt's Harz betreuen darf usw. Wir werden diese Ordnung nicht ändern können und wollen, wir sollten aber uns ihrer bewußt sein und Mittel und Wege finden, solche Schranken zu überwinden.

Denn den Urlauber, ganz gleich wo er herkommt, interessieren die Verwaltungsbereiche überhaupt nicht. Der Tourismus ist für die gesamte Harzregion von lebenswichtiger Bedeutung und eine weitere Entwicklung des Tourismus wird nur über die gesamte Natur- und Kulturregion Harz und Darstellung auch der spezifischen Besonderheiten solcher Subregionen wie dem Südharz möglich sein.

Ich möchte hier zu drei Projekten oder Vorhaben der Tourismusförderung etwas sagen: In den letzten Jahren war ich mehrfach als Reiseleiter mit einer Busgruppe im Harz unterwegs. Busreisen sind sicher nicht die ideale Tourismusform, aber sie erfreuen sich großer Beliebtheit, besonders unter den Senioren.
Ziel einer solchen Tätigkeit des Reiseleiters muß nach meiner Meinung sein, den Besuchern den Harz so nahe zu bringen, daß sie wiederkommen, um bei einem längeren Aufenthalt bestimmte Objekte näher kennen zu lernen. Um dieses Interesse und diesen Wunsch bei den Besuchern auch zu wecken, muß ein Reiseleiter sowohl die Natur als auch die Kultur des Gebietes darstellen. Er muß umfassend die Besucher informieren. Das verlangt eine Menge Wissen, das der Reiseleiter erst einmal erwerben muß.

Wo aber werden unsere Reiseleiter geschult? Ich weiß, daß die Mehrzahl unserer Städte Ausbildung und Zulassung von Stadtführern gut organisiert hat. Ich gehöre zu den Wanderführern des Nationalpark Harz und muß auch jährlich eine bestimmte Anzahl von Schulungen mitmachen. Wir haben hier bei unserer Veranstaltung eine Reihe von Beiträgen, die auf eine Bildung von Reiseleitern hinzielen. Ich würde mir wünschen, wenn - wer es auch immer organisieren wird - ein bestimmtes Angebot zur Ausbildung von Reiseleitern in Zukunft dargeboten wird. Eine Möglichkeit der Fortbildung existiert heute schon durch zahlreiche Publikationen. Nur ist es sehr schwer an alle heranzukommen, weil viele nur in den örtlichen Tourismusbüros erhältlich sind. In manchen Orten gibt es keine Reiseführer, dazu zählt auch leider unser Bad Sachsa. Wir haben deshalb hier in der Stadt einen Arbeitskreis Stadtgeschichte gebildet, der mit dem langfristigem Ziel arbeitet einen Stadtführer mit Schwerpunkt Geschichte vorzulegen, der mit dem vom Harzklub erarbeiteten Wanderführer dann allen Anforderungen der Urlauber genügen soll. Es gehört wohl zur Identität für Einwohner und Besucher, daß man über Geschichte, Kultur und Natur zumindest einen Überblick hat. Das in vielen solchen kleinen örtlichen Publikationen in der Regel sehr wertvolle Informationen stecken, sei hier betont. Leider umfassen sie aber zu oft nicht alle Gebiete die ein Urlauber wissen möchte.

Ich ärgere mich aber viel mehr über die Harzführer die Ungenauigkeiten und mitunter grobe Fehler enthalten. Das z.B. das Zisterzienserkloster Walkenried durch die Gräfin Adelheid von Klettenberg gegründet wurde ist falsch, es geistert aber immer noch durch die Reiseführer. Kurioses gibt es auch: In der Festschrift zur 850-Jahrfeier des Ortes Hamma im Kreis Nordhausen heißt es: "chama" ist ein griechischen Ursprungs und bedeutet Erdboden. Es beweist, daß der Ort Hamma vor 3000 Jahren von griechisch Sprechenden gegründet wurde. Wenn alles doch so einfach zu erklären wäre aber ich möchte betonen in der Festschrift sind auch sehr wertvolle Informationen zur Ortsgeschichte und der Ort ist von seinen Bewohnern sehr gepflegt und einen Besuch wert. 850 Jahre sind ja auch schon ein schönes Alter. Ehe ich abschließe möchte ich noch eine Bitte äußern. Uns fehlt im Harz eine Übersicht der Restaurants die in der Lage sind eine Busgesellschaft zu bewirten und die auch über einen ordnungsgemäßen Busparkplatz verfügen. Ich hoffe, daß der Harzer Verkehrsverband mit der DEHOGA so etwas im gemeinsamen Interesse erstellen kann.

Ein zweites Projekt betrifft unser Harzer Rotes Höhenvieh. Der Beitrag unserer Vereinsmitglieder, die sich bemühen dies alte bodenständige Haustierrasse zu erhalten für den Tourismus ist beträchtlich und wird leider noch immer unterschätzt. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, unsere Harzer Rinder sind der beste Werbeträger für den Harztourismus. Unsere Vereinsmitglieder organisieren gemeinsam mit den Stadt- und Gemeindeverwaltungen, oft aber auch allein 12 Veranstaltungen im Jahr und bei keiner Veranstaltung haben wir weniger als 1000 Besucher, oft sogar mehr als 5000. Unsere Hirtengruppe ist fast bei jedem Heimatfest dabei und das immer ehrenamtlich Durch eine verbesserte Zusammenarbeit in den Gemeinden könnten Anzahl und Wirksamkeit solcher Veranstaltungen durchaus noch erhöht werden.
Seit Jahren bemühen wir uns mit dem Logo "Typisch Harz" zu werben. Für unsere Rotviehhalter geht es dabei um den Absatz von Rindfleisch.

Der Arbeitskreis "Harzer Rotes Höhenvieh" in der Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz hat sich mit großem Einsatz um die Vermarktung des Rindfleisches bemüht. Dazu wurde hier schon berichtet. Wir können mit Stolz feststellen, daß die Qualität des Fleisches so hervorragend ist, daß Urlauber und Einheimische eine solche Nachfrage entwickelt haben, der wir momentan noch gar nicht immer gerecht werden können denn wir wollen ja den Bestand erst noch weiter aufbauen.

Zu einem dritten Projekt. Wir haben im Süd- wie auch im Nordharz eine recht große Anzahl von Reiterhöfen. Jeder dieser Höfe arbeitet mehr oder weniger isoliert. Sollten wir nicht auch zur Tourismusförderung einen Reitwanderweg von Osterode nach Sangerhausen oder umgekehrt einrichten. Alle drei Landräte (OHA, NDH, SGH) stimmten meinem Vorschlag zu. Ich hatte mir die Realisierung ehrlich gesagt einfacher vorgestellt. Es sind ja drei Kreise aus drei Bundesländern beteiligt. Da hat man schon ganz unterschiedliche Partner. Einmal das Amt für Wirtschaftsförderung, dann den Kreiswegewart und schließlich im dritten Kreis das Veterinäramt. Ich will hier nicht über alle bürokratischen Hindernisse sprechen. Daß ein Pferd bei einer regionalen Wanderung einen Equidenpass (Gesundheitspass) benötigt, versteht man durchaus. Ob aber ein Pferd auch ein Kennzeichen wie ein Auto haben muß, erscheint doch fraglich. Das größte Problem ist jedoch zur Zeit das neue Waldgesetz, welches der Landtag Thüringens aber schon seit dem Frühjahr diskutiert. Da geht es u.a. darum, ob die Reiter in den Wald dürfen oder nicht. Es ist klar, wir können nur einen Reitwanderweg organisieren, wenn Klarheit über die Wegenutzung gegeben ist. Mir scheint ein Kompromiß zur Wegenutzung in den Forsten möglich und notwendig. Reiter sollten schmale Waldwege nicht benutzen dürfen, denn wenn da 10 Pferde lang marschiert sind, können Wanderer nicht mehr vernünftig laufen. Aber alle Forststraßen sollten ohne Einschränkung freigegeben werden. Wir erwarten, daß Thüringen nun das Problem löst und wir über Winter den Reitwanderweg organisieren können. Andere Bundesländer, vor allem im Süden Deutschlands, haben solche Wege schon länger und gehören dort zum selbstverständlichem Tourismusangebot.
Hoffen wir, daß unser Symposium Anstöße gibt ,den Tourismus hier weiter zu entwickeln. Es gibt noch immer zahlreiche Potenzen und es ist notwendig sie zu erschließen.