Der Tanzteich bei Niedersachswerfen

Entlang des Zechsteinausstrichs hat sich parallel zum Harzsüdrand ein Auslaugungstal entwickelt. Die Sohle desselben wird in der Regel durch den Zechsteinkalk gebildet. Sein Südrand wird am Mühlberg durch steil aufragende Gipsfelsen (vergipster Werraanhydrit) gebildet. Dieser Gipsrand wird durch aus dem Harz zufließende, wenig mineralisierte Wässer ständig unterlaugt und das Auslaugungstal erweitert sich stetig nach Süden. An besonders exponierten Stellen, wie z.B. Störungen oder Kluftkreuzungen, können sich an der Steilkante Auslaugungsformen, in denen das Wasser versinkt, bilden. So ist auch in Verlängerung des aus dem Harz kommenden Fuhrbaches der Tanzteich gelegen.

Er ist ein offener Erdfallkessel von etwa 130 m Länge und 35 m Breite und liegt unter einer Gipswand.Das karsthydrologische Phänomen Tanzteich ist bereits von frühen Autoren beschrieben worden. Bei BEHRENS (1703) heißt es dazu: " Die Ursach aber dieses gezwungenen Tanzes ist ein Studel oder Wassenvirbel, so unter dem Hohen Berge, darunter das Wasser einfließet, sich befindet." (siehe unten)
DUVAL(1841) schreibt: " Später muß dieser unterirdische Abfluß durch die oft vom benachbarten Berge herab stürzenden Felsen verstopft worden sein, denn der Prorektor Ritter zu Ilfeld hat auch ihn untersucht und nur 12 Fuß tief gefunden."

Heute ist der Tanzteich, wie auch weitere benachbarte Erdfälle, weitgehend verlandet und mit Schilf bestanden. Um den Tanzteich ranken sich eine Vielzahl von Sagen, die hier von den Leuten teilweise noch heute erzählt werden. BEHRENS (1703) beschreibt oberhalb des Tanzteiches eine Höhle, die er Ziegenloch nennt und berichtet, dass in der Zeit des 30jährigen Krieges Einwohner von Niedersachswerfen dort ihr Kleinvieh vor marodierenden Soldaten in Sicherheit gebracht haben. Offensichtlich handelt es sich hierbei um eine Abrissklufthöhle, die nicht mehr vorhanden ist.

In der alten Harzliteratur spielte dieser Erdfall bei Niedersachswerfen immer wieder eine Rolle, obwohl heute dort nichts außergewöhnliches mehr davon zu sehen ist. BEHRENS gab 1703 unter der Überschrift: „Von dem Sachswerfischen See, der Tantz-Teich genannt“ einiges davon wieder:

„ ... Berichte also: das dieser See über dem Dorfe Nieder-Sachswerfen zur linken Hand, des Weges wenn man nach Appenrode zugehet, hart an dem Berge, darinnen das vorgemeldete Ziegenloch sich befindet, liege; Das Wasser darinnen hat keinen sichtbaren Zufluß, aber einen ziemlich starken Ausfluß, und ist von solcher Tiefe, daß man auch keinen Grund an dem Ort, wo es am tiefsten, sehen kann, derowegen auch solches ganz schwarz und grausam aussiehet. Wen man auf diesem See mit dem Kahne fähret, und damit dem vorgedachten Berge in etwas zu nahe kommet, gänget derselbe gleichsam an zu tanzen, und mit den darauf Fahrenden rund umzugehen, dahero auch der See den Namen bekommen, und der Tantz-Teich genennet wird. Es hat aber ein solcher gefährlicher Tantz einesmahls bald einen unvorsichtigen Fischer, so den Teich gepachtet gehabt, um sein Leben gebracht, massen er mit genauer Not durch große Arbeit, hat wieder davon kommen können.
Die Ursache aber dieses gezwungenen Tantzes ist ein Strudel oder Wasserwirbel, so unter dem hohlen Berge, darunter das Wasser hineinfliesset, sich befindet und die herzu nahenden Kähne an sich ziehet. Vor der letzten A.o. 1682 alhier grausam grasirenden Contagion hat in gedachtem Sachswerfen ein Hannöverischer Soldate im Quartier gelegen, so ein guter Fischer und Taucher gewesen, derselbe hat manchen schönen Fisch, sonderlich grosse Forellen aus diesem See oder Teiche geholet, und dabei berichtet, daß unter dem Berge ein Loch in einen Felsen gehe, darein das Wasser fiele, und solchen Wirbel verursache, von welchem er auch zu einer Zeit bald wäre ertappelt und ersäuffet worden, als er dem selben ein wenig zu nahe gekommen sei ...“

GPS-Koordinaten
N 51.5629° E 10.7545°