Geschichts- und
 Erinnerungstafel Bad Grund (Harz)
VOLKSBUND DEUTSCHE KRIEGSFRÄBERFÜRSORGE E.V. 

Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem deutschen Angriff auf Polen und endete in Europa am 8. Mai 1945 mit der deutschen Kapitulation.
Mehr als 55 Millionen Menschen verloren ihr Leben.

Der Harz als Rüstungszentrum
Der Harz war ein wichtiges Rüstungszentrum im nationalsozialistischen Deutschland. Insgesamt wurden von 1939 - 1945 ca. 9,5 - 10 Millionen Zwangsarbeiter in Deutschland eingesetzt. Viele von ihnen starben aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen. Die Fremd- und Zwangsarbeiter waren einem menschenverachtenden Arbeitssystem unterworfen und gegenüber deutschen Arbeitern schlechter gestellt. „Ostarbeiter“ aus der Sowjetunion und polnische Arbeiter mussten auf ihrer Kleidung die Aufnäher „Ost“ beziehungsweise „P“ tragen.

NS-Zwangsarbeit
im Harz

In Bad Grund (Harz) gab es zwei „Zivilarbeiterlager“, in denen etwa 500 ausländische Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter untergebracht waren.
Sie mussten im Erzbergwerk und bei den Reichswerken AG „Hermann Göring“, Betriebstätte Winterberg, arbeiten.

Auf diesem Friedhof sind fünf namentlich bekannte sowjetische Zwangsarbeiter und zwei unbekannte Insassen von Konzentrationslagern begraben, die am 6. und 9. Juli 1945 bestattet wurden:
Nikolaus Alchinow (Alter unbekannt)
Nikolaus Scherbina (15 Jahre alt)
Michel Kowalenke (18 Jahre alt)
Maria Smik (18 Jahre alt)
Johann Swann (Alter unbekannt)
Im Juli 2006 wurden diese Kriegstoten umgebettet und im Rahmen einer Andacht wieder feierlich bestattet.

Todesmärsche im Harz
In den letzten Kriegsmonaten evakuierte die SS bestehende Konzentrationslager am Süd- und Westharz vor den anrückenden Truppen der Alliierten. Die entkräfteten Lagerinsassen wurden auf Bahntransporte und auf Fußmärsche geschickt, die viele nicht überlebten: diese Märsche heißen seither Todesmärsche.
Bei den Todesmärschen im Bereich des Harzes wurden im April 1945 acht Personen bei Bad Grund (Harz) erschossen, vier davon Häftlinge aus Brunshausen bei Bad Gandersheim, einem Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald. Am 4. April 1945 wurde dieses Außenkommando in Richtung Osten evakuiert. Ziel war offenbar zunächst Buchenwald, später dann Dachau bei München. Der Marsch führte über Bad Grund (Harz). Ein Teil der Häftlinge übernachtete im Kalkwerk nördlich der Stadt, ein anderer in der Hundeschule in der Turnhalle im Teufeltal. Am Sonntag, dem 5. April 1945 wurde der Marsch fortgesetzt. Der Häftling Bernhard Döllinger, im Sommer 1944 als „Bibelforscher“ (Zeuge Jehovas) verhaftet und nach Buchenwald gekommen, wurde oberhalb des Orte. bzw. oberhalb an der Straße unweit der lberger Tropfsteinhöhle erschossen, weil er zusammen mit anderen völlig augehungert Hundekuchen gegessen hatte und nun infolge der dringenden Notdurft aus der Marschkolonne heraustrat. Er ist im Sammelgrab bestattet.


Zeitgenössisches Foto eines Todesmarschs des Konzentrationslagers Dachau

Auf dem gleichen Marsch wurde am Vortag ein namentlich nicht bekannter Bibelforscher unterhalb des Winterberges nördlich von Bad Grund (Harz) erschossen. Seine Leiche fand man erst am 17. Juni 1945 und bestattete sie am 9. Juli 1945 in einem Einzelgrab.
Ebenfalls umgebracht wurden zwei französische Häftlinge etwa 2 km außerhalb von Bad Grund (Harz) in Richtung Clausthal-Zellerfeld an einem kleinen Steinbruch, der sogenannten „Pferdetränke“: Robert Rozier und Jean Cazenave, deren Leichname später nach Frankreich überführt wurden.
In dem Sammelgrab wurden außer Bernhard Döllinger noch drei am Roland ermordete Unbekannte bestattet. Sie hatten sich in einer Höhle am Iberg versteckt. Wahrscheinlich waren sie am 8. April 1945 aus dem letzten Transport des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora bei Nordhausen entflohen.

„... Am Morgen des 10. April 1945 entdeckte sie ein Grundner Einwohner und machte telefonisch dem Ortsgendarmen Meldung. Von diesem aufgefordert, die - noch schlafenden - Häftlinge zu erschießen, weigerte sich jener, worauf der Polizist den örtlichen Volkssturmführer mit zwei weiteren Volkssturmmännern losschickte. Diese nahmen die Häftlinge gefangen und führten sie zu einer Stelle im Wald oberhalb des Ortes („Am Roland“), wo sie aus allernächster Nähe erschossen wurden. Ermittlungen führten zu keiner Anklageerhebung. Die Beschuldigten entlasteten sich gegenseitig, das Verfahren wurde eingestellt.“

nach: J. Neander, Harz-Berg-Kalender 1998, S. 28


Gedenkstein für den ermordeten „Bibelforscher“ Bernhard Döllinger

Unbekannt ist auch der Tote vom Gewitterplatz, ein Dora-Häftling, der vermutlich am 7. April 1945 beim Luftangriff auf den Transport fliehen konnte und in Bad Grund (Harz) gefangen genommen und ermordet wurde; er verbrachte eine Nacht im Polizeigewahrsam, wurde vom Ortspolizisten zum Gewitterplatz gebracht und mit drei Pistolenschüssen ermordet.

Diese Geschichts- und Erinnerungstafel ist das Ergebnis eines Schulprojektes der Realschule Badenhausen, der Berufsbildenden Schule II in Osterode am Harz und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V..

Erinnern für die Zukunft

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich hauptsächlich der Anlage und Pflege der Gräber von deutschen Kriegstoten im Ausland, betreut Angehörige in Fragen der Kriegsgräberfürsorge und unterstützt die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kriegsgräberfürsorge.

 Arbeit für den Frieden

Als einziger Kriegsgräberdienst der Welt betreibt der Volksbund eine eigenständige Jugend- und Schularbeit. Ausgehend von den Gräbern der Opfer von Krieg und Gewalt erfahren junge Menschen, dass Demokratie und Frieden keine Selbstverständlichkeit sind, sondern das Engagement jedes Einzelnen erfordern.

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