Am 22. April 2001 ging es mit 30 Teilnehmern zur Burg Scharzfels und zur Einhornhöhle. Fachkundig angeleitet wurde die Wandergruppe von Holger Keil, Diplom-Forstwirt aus Göttingen, und Dr. Ralf Nielbock aus Osterode. Holger Keil befaßt sich seit langem wissenschaftlich mit dem Landschaftswandel im Südharz und betreibt hier vor allem historische und ökologische Studien am Beispiel der Burgruine Scharzfels. Bereits auf dem Weg vom Bahnhof Scharzfeld zur Burg konnte er auf verwilderte Heil- und Kräuterpflanzen am Wegesrand hinweisen, deren Vorkommen an Hang des Burgberges sicher mit einer gärtnerischer Nutzung zu Zeiten der Burgbesiedlung zu sehen sind. Diese Erscheinungen, so Keil, gehören wie u.a. auch Hohlwege zu historischen Kulturlandschaftselementen. An der Burg selbst gab er Auskunft zu den wichtigsten historischen Fakten. Sie war im Mittelalter zum Schutz des benachbarten Benediktiner-Klosters Pöhlde errichtet worden und wurde zunächst die Residenz einer kleineren Grafschaft. Nach einer sehr wechselvollen Geschichte diente sie dem Königreich Hannover als Staatsgefängnis und als Standort einer militärischen Garnison. Im Siebenjährigen Krieg wurde sie 1761 von französischen Truppen belagert, besetzt und schließlich zerstört. Damit erlosch die Nutzung des Burgberges. Die Burgruine Scharzfels zählt heute mit anderen Befestigungsanlagen zu den prägenden Elementen vergangener Landschaften im Landkreis Osterode am Harz. Die allmähliche stattfindende Rückverwandlung dieses Burgberges von einer Weide- und Gartenlandschaft in Hochwald läßt sich an den vielen Kulturpflanzen und Bodenformen, aber auch an alten Fotos und Stichen mustergültig studieren.

Die Exkursion führte auf dem Karstwanderweg von der Burgruine weiter zur Einhornhöhle. Hier erwartete die Teilnehmer eine „nicht alltägliche“ Führung durch die Höhle. Unter dem Arbeitstitel „Mensch und Tier in der Einhornhöhle“ wurden von Dr. Nielbock, der in den Jahren 1985 – 88 umfangreiche Grabungen in und bei der Höhle durchgeführt und über dieses Thema auch promoviert hatte, anschauliche Erläuterungen zu der Bedeutung der Einhorn-höhle für die Eiszeitforschung gegeben. Er berichtete über die Ausgrabungen und den aktuellen Forschungsstand: Die Einhornhöhle war während der Eiszeit über Jahrzehntausende sowohl Heimstatt für Höhlenbären und andere eiszeitliche Raubtiere als auch Besiedlungsort für die Neandertaler. Die bislang ältesten Funde, Steinartefakte der Kulturstufe Mittlere Altsteinzeit und fossile Tierknochen, stammen aus der sog. Eem-Warmzeit und sind bis zu 130.000 Jahre alt. Die Artefakte, Steinwerkzeuge und Bearbeitungsreste von der Werkzeugherstellung, sind bis in Schichten hinein zu finden, die in die letzte Eiszeit datieren (ca. 70.000 Jahre alt). „Obwohl bereits seit über 100 Jahren wissenschaftlich in der Höhle geforscht wird, befinden wir uns aufgrund der neuen Ergebnisse erst am Anfang der richtigen Erforschung der Einhornhöhle“, so Dr. Nielbock „Erst jetzt ist begreifbar, welches Kleinod interdisziplinärer Eiszeitforschung diese Höhle am Südharzrand darstellt.“ Die eigentliche Fundstelle aus der Zeit des Neandertalers bleibt dem Höhlenbesucher allerdings verschlossen. Die Fundschichten befinden sich überwiegend außerhalb der Höhle in 5 bis 10 m Tiefe am Hang. Erst eine Großgrabung würde einen Einblick in die Menschheitsgeschichte vor über 100.000 Jahren im Südharz geben. Vielleicht finden sich dann sogar noch wesentlich ältere Beweise menschlicher Anwesenheit in dieser Region. Die Ablagerungen in der Höhle sind bis über 30 m mächtig und harren der Erforschung.

Zu den Grabungen und den eiszeitlichen Tieren in der Einhornhöhle hat Dr. Nielbock unter www.einhornhoehle.de etliche Seiten ins Internet gestellt.

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