Einiges über die Uehrder Kapelle
und die baulichen Veränderungen vor 350 Jahren

Manches liegt im Dunklen, wenn es um die Geschichte alter Orte geht. Anhand zahlreicher Dokumente und Chroniken läßt sich jedoch ein Bild von Uehrde zeichnen. Bereits um 1300 wird die Kapelle erwähnt. Sie soll im Hof des Sitzes der Herren von Uderde gelegen haben. Die Familie von
Mede(nhei)m löste das Geschlecht ab. Damals befand sich der Eingang der Kapelle an der Nordseite. Die Stadt Osterode erwarb 1447 das Dorf Uehrde mit allem was dazu gehörte. Damit wurde es zum Stadtdorf.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Verrohung der gesamten Bevölkerung nur zu deutlich. Um Abhilfe zu schaffen, sollten Pfarrer und Prediger eine gewisse Bildung vermitteln. Das galt auch für die Uehrder. Da die Dorfbewohner aber die Gottesdienste in der Osteroder Aegidienkirche nur selten besuchten, wurde der Subconrector der Lateinschule und Capellenprediger Johann Georg Beckmann zum Lehrer bestellt. Die Uehrder Meyer - die Pächtern der stadteigenen Höfe - sorgten für seinen Transport, zunächst zu Pferde und später mit Pferd und Wagen.
Er unterrichtete von 1644 bis 1662 im Anschluß an seine regelmäßigen sonn- und feiertäglichen Gottesdienste die Kinder und die Erwachsenen. Alle sollten u. a. den kleinen Katechismus lesen und ihn auswendig aufsagen können. Seine Schüler kamen wohl beim Lernen gut voran, denn G. Beckmann hatte die Fähigkeit, das Wissen „ohne sonderliche Mühe in den Kopff Zubringen“, so kann man in der Wendtschen Chronik lesen. Nach seinem Dienst und dem Erhalt eines „absonderliches Deputat(es) und Ergäntzlichkeit“ wurde er nach einer „anständigen Mahlzeit“ wieder nach Hause gebracht. Ein großen Ölgemälde in der Uehrder Kapelle zeigt G. Beckmann.
Obwohl das Stadtdorf in jenen Jahren nur von wenigen Menschen bewohnt wurde, entschloß die Stadt sich zu einem größeren Umbau des Gotteshauses. [Für 1675 sind 30 Einwohner und 12 Bedienstete dokumentiert]. Dabei kam wohl östlich die Apsis und westlich der Anbau mit der Empore und dem Dachreiter hinzu. An diese baulichen Veränderungen mit Verlegung des Eingangs auf die Südseite erinnert das in das Mauerwerk eingelassene marmorne Osteroder Stadtwappen: das gekrönte O, darüber der Löwe, darüber zwei Türme in deren Mitte das Kreuz und die Jahreszahl 1652. Unter dem O befinden sich die Buchstabenfolge AHB: Andreas Hagemann, Bauherr.
Der Eingang wurde später an die Nordseite verlegt. Er befindet sich nun wieder auf der Südseite.
Die Osteroder Viermannen und Ratsherren spendeten anläßlich des Umbaus vor 350 Jahren Wappenscheiben für die Fenster der Kapelle. Mehrere gingen nach der Erinnerung älterer Dorfbewohner zu Bruch, als sie im April 1943 nach einer Bombensprengung im Lichtenstein herabfielen. Nur eine blieb erhalten. An ihrem heutigen Platz im großen Südfenster leuchtet sie rostrot, maisgeld und grün. „Sylvester Meyer, Rathsvorwanter“ steht darin geschrieben, zwei sich kreuzende Sensen sind zu erkennen. Sylvester Meyer zählte 1652 zu den Viermannen, von 1653 bis 1673 war er Ratsherr. Er gehörte durch seine Ämter zu Personen, der alljährlich in Uehrde Sitzungen in der Ratsstube abhielt. Diese ist noch heute im Obergeschoß des ehemaligen Schulzenhauses an ihren runden, bleigefassten Scheiben zu erkennen.

Ingrid Kreckmann

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GPS-Koordinaten
N 51.7054° E 10.2080°


 

Uehrder Wappen geht auf das Jahr 1311 zurück

Das Stadtdorf bei Osterode mit seiner alten Kapelle wurde schon im Jahr 1105 erwähnt

Vor 700 Jahren wurde ein Dokument mit dem Siegel des Hermann de Uderde versehen, das eine Rose darstellt. Das Original der Urkunde existiert nicht mehr. Jedoch hatte um 1800 C. L. von Kotzebue eine Abschrift des lateinischen Textes angefertigt, die in der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover, Handschriftensammlung, aufbewahrt wird. In dem Dokument geht es um eine Grundstücksangelegenheit: Hermann von Uehrde meinte ein Recht auf Güter des Eldingeroder Waldes, gelegen nahe Katlenburg, zu haben. Er verzichtete jedoch am 7. Mai 1311 auf alle weiteren Schritte. Die Urkunde zeigt neben dem Siegel des H. v. Uderde noch die von Albert von Ruma mit einem Anker und Thidericus Kegel mit zwei Habichtsklauen. Das heutige Wappen von Uehrde ist dem Siegel nachempfunden. Der Bord des Wappens entspricht dem für die Siegelumschrift. Inmitten des blauen Bordes befindet sich in Silber eine heraldische rote Rose mit gelber Butze und gelben Kelchblättern. Die Farben in diesem Wappen entsprechen den Stadtfarben von Osterode. Uehrde wurde 1447 dessen Stadtdorf.

Siegel des Herrn von Uehrde und das Ortswappen. Foto: Kreckmann

Im Jahr 1241 wurde der Ritter Hermann von Uehrde erwähnt, Conradus von Uehrde im Jahr 1261. Um 1303 las man, dass Egbert von Uehrde seit 1275 Vasall des Grafen von Scharzfeld war. 1290 ist Conradus, genannt der Lange, Ratsherr in Osterode und sein Bruder Gottfried, genannt der Schwarze, lebt mit Frau und Sohn Hermann in Uderde.
Im Hof des Sitzes der Familie soll im 13. Jahrhundert die Kirche gelegen haben. Somit wäre diese über 700 Jahre alt. Um 1300 gab es einen Pfarrer Thidericus von Uderdhe, möglicherweise ein gebürtiger Uehrder. Sollte er Pfarrer des Dorfes gewesen sein, spräche das dafür, das der Ort größer war. Ähnlich könnte es sich mit dem um 1341 erwähnten Pfarrer Heinrich von Uehrde verhalten haben. Mit ihm wird ein letztes Mal der Hausname „von Uderde“ erwähnt. 1327 wurde festgehalten, dass der Knappe Gottfried von Uderde einen Teil seiner bei Beierfelde gelegenen Güter an Ludolf von Medenheim verkaufte. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts soll auch Vderde (Uehrde) von dieser Familie erworben worden sein. Beate, die Witwe des Ludolf von Uehrde, veräußerte das Grubenhagensche Lehen 1447 an die Stadt Osterode, seither ist die Bezeichnung Stadtdorf gebräuchlich.