Die Hattorfer Wasserkraftanlage - Strom für 400 Haushalte


Einlaufbauwerk

Der Bau der Hattorfer Wasserkraftanlage wurde auf Betreiben von Walter Münder und seinem Sohn Wilhelm (beides seit zehn Generationen erfahrene Müller) in den Jahren 1998 und 1999 in Angriff genommen.


Bildmitte: Wasserauslauf, rechts: Fischtreppe

Zur Fundamentierung des Generatorenhauses war eine über 10 Meter tiefe Baugrube nötig (siehe unten), die in der Endtiefe die Überreste des Mittleren Buntsandsteins erreichte. Bevor diese harte Gesteinsschicht erreicht wurde, mussten die auflagernden Schichten, die aus Schwemmkies der Oder und lehmigen Verwitterungsprodukten bestanden, mit einem langarmigen Löffelbagger ausgehoben werden (siehe Skizze). Dies war wohl damals die tiefste Baugrube, die Hattorf je gesehen hatte.


Kies der Älteren Niederterrasse, mit Hochflutlehm in lückenhafter Decke , qNA
Mittlerer Buntsandstein, Volpriehausensandstein , smVS
Unterer Buntsandstein, Obere Wechselfolge , suOW
Unterer Buntsandstein, Porensandstein , suPO
Unterer Buntsandstein, Untere Wechselfolge , suOW
Zechstein, ungegliedert :
Bröckelschiefer , z7B
Roter Salzton und oberste Zechsteintone , z4T - z6
Hauptanhydrit , z3AN
Grauer Salzton und Plattendolomit , z3T - z3D
Stinkdolomit , z2SD
Werraanhydrit , z1AN
Konglomerat, Kupferschieferflöz, Zechsteinkalk , z1C - z1K
Devon, Karbon (Grundgebirge), ungegliedert , d-c

Fortwährende Wassereinbrüche der in unmittelbarer Nähe vorbeifließenden Oder machten zeitweilig einen dauerhaften Einsatz von Tauchpumpen nötig.
Die Baukosten beliefen sich damals auf 2,65 Millionen Mark, das sind heute etwa 1,4 Millionen Euro. Das Wasserrecht wurde auf 60 Jahre bewilligt. Nach dem Bau der Anlage begann im April 1999 die Stromproduktion.
Die Sohle des Kraftwerkgebäudes befindet sich 10,5 Meter unter dem Straßenniveau. Die Wasserturbine ist eine doppelt regulierte Kaplan-Rohrturbine, die Nenndrehzahl beträgt 375 U/min. Die abgegebene Leistung an der Welle beträgt 341 Kilowatt bei 7.000 L/sec und 5,85 Meter Fallhöhe. Der Generator ist ein luftgekühlter 16-poliger Synchrongenerator. Er ist direkt an die Turbine gekoppelt und erzeugt eine Leistung von 330 Kilowatt.
Alle zwei bis drei Wochen wird die Anlage vor Ort überprüft. Ansonsten wird sie unter anderem mit Kameras oder über Fernleitungen überwacht. Bei Störungen gibt es ein Signal und per Fernleitung kann eingegriffen werden. Bei weiteren erforderlichen Maßnahmen steht ein Einsatzfahrzeug mit allen Gerätschaften und erforderlichem Material bereit.
Die jährliche Stromerzeugung liegt im Durchschnitt bei 1,2 Mio Kilowattstunden, etwa 400 Haushalte mit je vier Personen können mit Strom versorgt werden. Durch die Energieerzeugung durch Wasserkraft werden pro Jahr etwa 120.000 Kilogramm CO2 eingespart.
An der Anlage befindet sich eine Fischtreppe mit einer Länge von etwa 140 Metern.

GPS-Koordinaten
N 51.6461° E 10.2271°

Zum Bau berichtete der HarzKurier:
Umfangreiche Erdarbeiten haben begonnen

Strom für Hattorf aus Wasserkraftwerk

Voraussichtlich zwei Wochen vor Weihnachten soll das neue Hattorfer Wasserkraftwerk an der Oder ans Stromnetz angeschlossen werden. Seit etwa vier Wochen laufen die Erdarbeiten. Eine zehn Meter tiefe Grube wurde ausgehoben. Betreiber des künftigen Kraftwerkes ist die Walter und Wilhelm Münder GbR aus Bodenfelde. Die Anlage soll jährlich 1,3 Millionen Kilowattstunden erzeugen. Der Landkreis hat der Betreiber-Gesellschaft ein Nutzungsrecht von 60 Jahren eingeräumt. Wilhelm Münder, der mit seinem Vater ein weiteres Wasserkraftwerk in Uslar betreibt, unterstreicht, daß aus Wasser gewonnener Strom von den Energieunternehmen zu einem erheblich niedrigeren Preis als Strom aus Windenergie abgenommen wird.


Foto: Andreas Reineking