An einem namenlosen Bergsporn zwischen Kattenburg und Kosackenberg, befinden sich mehrere kleine Höhlen, die durch archäologische Funde eine große Bedeutung erlangt haben. Die Höhlen sind unter dem Namen "Schuchardtshöhlen" bereits bei BERG (1924) sowie STOLBERG (1926) genannt. Verschiedentlich werden die Höhlen auch unter den Namen Schubberlöcher, Ausgrabungshöhlen und Höhlen in der Eschenecke erwähnt. Die Höhlen liegen im oberen, nahezu senkrecht nordwestlich abfallenden Bereich eines Steilhanges zwischen 180 und 200 Meter NN im Gips des Zechsteins 2.
![]() Übersichtsplan der Ausgrabungshöhlen (umgezeichnet nach BEHM - BLANCKE) links Komplex I / Nord, rechts Komplex II / Süd
Die umfangreichen Grabungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens (heute: Landesamt für archäologische Denkmalpflege) unter Leitung von Prof. Dr. BEHM-BLANCKE fanden von 1951 bis 1957 statt. Eine fesselnde populäre Darstellung der Grabungen gab BEHM-BLANCKE (1958). Seinerzeit war ein außergewöhnlich reges öffentliches Interesse an den Befunden zu verzeichnen. Die Ursache dafür liegt nicht zuletzt in der kultischen Bedeutung der Höhlen, die BEHM-BLANCKE (u. a. 1956, 1959, 1976, 1989) intervallmäßig für vier Perioden in der Zeit von 1700 bis 600 v.u.Z. nachweisen konnte. Das Fundmaterial insgesamt ist der jüngeren Linienbandkeramik, der Stichbandkeramik und der Rössener Kultur, der Aunjetitzer Kultur und der Hügelgräberbronzezeit, der Urnenfelderbronzezeit sowie der Späthallstatt- / Frühlaténezeit zuzuordnen. Neben Keramik und Steingeräten sind zahlreiche menschliche Knochen mit Schnittmarken, Reste gerösteten Getreides, Spinnwirtel und Birkenrindenschachteln hervorzuheben, deren Fundzusammenhang auf rituellen Kannibalismus schließen lässt. WALTER (1985) gibt dazu eine gedrängte Übersicht, und er sieht die Bedeutung der Lokalität in ihrer Funktion als ein zentrales Heiligtum für die Bevölkerung einer größeren landschaftlichen Einheit. Eine monographische Darstellung der Grabungsergebnisse steht gegenwärtig noch aus.
BAUER, L. [Ed.]: Handbuch der Naturschutzgebiete der Deutschen Demokratischen Republik. Band 3. Naturschutzgebiete der Bezirke Magdeburg und Halle (Saale). - Leipzig, Jena, Berlin: Urania-Verlag 1973, 278 S. BEHM-BLANCKE, G.: (1958): Höhlen - Heiligtümer - Kannibalen - Archäologische Forschungen im Kyffhäuser.- Leipzig BEHM-BLANCKE, G.: Heiligtümer, Kultplätze und Religion. - Archäologie in der Deutschen Demokratischen Republik. Denkmale und Funde. 1. Archäologische Kulturen, geschichtliche Perioden und Volksstämme [Ed.] Joachim HERRMANN: Stuttgart: Konrad Theiss Verlag 1989, S.166 - 176 WALTER, D.: Thüringer Höhlen und ihre holozänen Bodenaltertümer. (Weimarer Monographien zur Ur-und Frühgeschichte 14) - Weimar: Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens 1985 |