Wo die Dorfkinder Birnen klauten

Der Obere Hof der von Oldershausen in Förste nach einem alten Grundriss

- von Werner Binnewies -

Die immer mehr schwindende Bausubstanz des Oberen Hofes der von Oldershausen in Förste war der Anlass dafür, hier den Lageplan des Areals zu veröffentlichen. (Der Göpel wurde nachträglich als Kreis mit Kreuz eingezeichnet).

Lageplan Oberer Hof
Ausgefertigt um 1900, weist er vorne links die massive Scheune von 1871 aus (Planziffer 3) auf. Vor dem Nordgiebel dieser Scheune, etwas seitlich versetzt, lag früher der große Kaff- und Komposthaufen des Gutes. Entlang der südlichen Scheunenfront gab es eine etwa kniehohe Betonmauer mit einem Maschendrahtaufsatz, der das Spalierobst an der Scheunenwand schützte. Hier waren wunderbare Tafelbirnen, die von uns Jungs immer gern geklaut wurden. Die Bäume erfroren alle im Winter 1939-40, und es gab keine Nachpflanzung. Mit geringem Abstand schließt sich ostwärts der Scheune das Uhrenhaus (Ziffer 2) an, welches im westlichen Teil die Kutscherwohnung, -stall und -remise beinhaltete.


Grundriss des Oberen Hofes

Gärtnerwohnung
Der Ostteil diente als Gärtnerwohnung. An der Südostecke des Gebäudes gab es einen Brunnen mit Steintrog. Später wurde auf dem Brunnen eine Schwengelpumpe gesetzt. Die Uhrenglocke war sehr groß und hatte die Inschrift "Glückauf Franz von Oldershausen 1860". An der Südflanke gab es einen eingefriedigten Blumengarten, und an der Hauswand wuchs echter Wein. Ostwärts des Uhrenhauses stand der große Brennholzschuppen des Hofes (Ziffer 11), in dessen östlichen Teil der Viehstall des Gärtners untergebracht war. Das separat links eingezeichnete Gebäude (Ziffer 12) diente als Stall für die Ochsengespanne, die aber wohl schon vor dem 1. Weltkrieg in Abgang kamen, wie auch das Gebäude abgebrochen wurde. In den Winkel gebaut sind das Spritzenhaus (Ziffer 14) und das Brauhaus (Ziffer 10), mit Korn- und Hopfenboden im Dachgeschoß. Der linke Anbau beinhaltete den Treppenaufgang zum Spritzenhausdachboden, während die Treppe zum Brauhausdachboden im Spritzenhaus lag. Unter dem Brauhaus lag ein Zweietagenkeller für Bier und Eis. Das Gebäude im Osten war das schon vor 1900 abgebrochene Gewächshaus (Ziffer 13), das unterkellert war. Dazu gehörte ein weiterer Brunnen, etwa 10 Meter nördlich davon gelegen, auf eine 14 Meter tiefe Wasserader abgesenkt. Rechts davon ist im Plan die Freitreppe eingezeichnet und hinten rechts ist die Begräbniskapelle (ohne Ziffer) eingezeichnet. Hinter dem Herrenhaus, parallel zum Brauhaus, ist die ehemalige Gesindeküche aus der Zeit des Herrendienstes (Ziffer 9) eingetragen, die auch schon um 1900 abgebrochen wurde. Das querstehende Großgebäude ist das Herrenhaus (Ziffer 1), noch ohne Vorbau. Am Nordgiebel ist das Etagentrockenklo eingezeichnet. Eine Modeerscheinung aus der Zeit um 1890.

Pferdestall
Daneben das Regenwasserbassin. Der Langbau beinhaltete (vom Osten kommend) den Schweinestall (Ziffer 8), mit Schrotmühle und Häckselschneider. Der Pferdestall trägt die Ziffer 7, der Kuhstall die Ziffer 6, der Schafstall die Ziffer 5 und die Verwalter- und Gesindewohnungen die Ziffer 4. Das beinahe in der Hofmitte zu erkennende Viereck war die Jauchegrube mit Pumpe. Der nördlich eingezeichnete Wassergraben hatte damals noch zwei Brücken, von denen die vordere zur Gärtnerei führte und die hintere zum Obstgarten. Die Vordere ist aus Beton und noch vorhanden. Die Hintere war aus Stein gewölbt und ist um 1950 abgebrochen.

Göpel verfiel
Der Göpel (nachträglich als Kreis mit Kreuz eingezeichnet) war - im desolaten Zustand - noch in den frühen 30er Jahren zwischen Herrenhaus und Schweinestall vorhanden. Über eine im Boden eingebaute Welle wurde mit ihm die Schrotmühle und der Häckselschneider angetrieben. Durch die Einführung der Elektrizität wurde er nicht mehr benötigt und verfiel. Bleibt mitzuteilen, dass vom Herrenhaus ein Aufmaß mit Zeichnung vorhanden ist.

Quelle: HarzKurier 18.11.2003

GPS-Koordinaten
N 51.7439° E 10.1823°

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