Oderbrücke mit Gasthof am Zoll

Diese historische Abbildung zeigt die ehemalige Gaststätte „Zum Zoll“.
Im Vordergrund fließt die Oder und im Hintergrund ist die seit dem
Siebenjährigen Krieg nur noch als Ruine existente Burg Scharzfels
zu sehen. Damals war der Burghügel unbewaldet.

GPS-Koordinaten
N 51.6235° E 10.4134°

 
Ein historischer Platz: Barbis-Zoll


Wo bis 2016 noch das ehemalige Hotel Zoll stand, zuletzt ein von Vandalen heimgesuchtes Symbol des Verfalls in unserem Landkreis Osterode, entsteht jetzt das neue Zentralgebäude des ASB, des Arbeiter-Samariter-Bundes. Hier berichten wir über die Vorgeschichte des alten Hauses und seines Standortes. Denn der Name „Zoll“ kommt ja nicht von ungefähr!

Das Zollhaus hatte hier am Übergang über die Oder, früher Furt und seit mehr als 350 Jahren Brücke, Grenzfunktion zwischen den Territorien der Grafschaft Scharzfels (später Hohnstein) und des Herzogtums Grubenhagen. In dieser Funktion ist die Zollstation bereits um 1580 beschrieben, nach Angaben aus dem ehem. Hotel wurde das (erste) Zollhaus 1609 errichtet. Danach wurde das jetzige Gebäude im Kernbestand 1653 auf Felsgrundmauern von 1 m Stärke mit Gewölben errichtet, das Aufgehende als handbehauenes Eichenfachwerk. Das Zollhaus wirkte bis etwa 1620 als solches, längstens bis zur Vereinigung von Grubenhagen und Hohnstein. 1762 ist es bereits als „Wirthschaft Zoll“ dargestellt (s. Kartenauszug). Das dahinter gezeichnete Voigthaus ist wohl seit längerem verschwunden.

Hans-Wilhelm von Kerstlingerode war zu dieser Zeit Inhaber der Burg Scharzfels, die ihm die Hohnsteiner Grafen verpfändet hatten. So berichtet 1596 Johannes Letzner‘ sche Chronik. Dem Kerstlingerode wird neben der Renovierung der mittelalterlichen Burg und Förderung der Landwirtschaft die Errichtung des Zollhauses (dann wohl ao. 1609?) zugeschrieben, um auf den aus dem Hohnsteinischen ins Grubenhagensche geführten Warenverkehr Zoll in Geld oder Naturalien zu erheben. Als er auch auf den Warenverkehr aus dem Harzvorland nach St. Andreasberg, das damals noch zur Grafschaft gehörte, Zoll erhob, auch mit Zwang, sind die Hohnsteiner auf Vorbringen des Andreasberger Rates eingeschritten. Damals waren die Grenzen zwischen befugter Abgabenerhebung und Raubrittertum wohl noch fließend.

Die Bilder zeigen einige historische Darstellungen zum Gebäude, das danach schon um 1750 in heutiger Gestalt bestand. Weitere Archivalien geben Aufschluss über die historische und territorialgeschichtliche Bedeutung und Funktion des Hauses. Spätere Umbauten und Ergänzungen abgerechnet, besaß das Gebäude wohl einen sehr alten baulichen Kern.

Wohl in Unkenntnis der geschilderten historischen Bedeutung war es vom Landkreis nicht als Denkmal eingestuft worden. Wer hätte es auch erhalten und wieder herrichten sollen? In jedem Falle war eine baugeschichtliche Analyse geboten und der Boden bedurfte der archäologischen Untersuchung, denn es ist mit Abfallgruben, Kloaken, Brunnen und weiteren Fundamenten zu rechnen, ebenso mit historischen Kellergewölben.

Dies ist auch deshalb von Bedeutung, da der Standort eine Schnittstelle von Grenze und Flussübergang war und es lag an der mehrfach täglich von Funktionsträgern genutzten Wegeverbindung zwischen dem Neuen Hof (Domäne, heute Supermarkt) und der Burg. Die Territorialverwaltung der Grafschaft war ja später von der Burg auf die Domäne verlegt und dort bis zur Vereinigung mit dem Amte Herzberg als Hannöversches Amt Scharzfels geführt worden. Im Gegensatz zur Burg ist das Zollhaus im Siebenjährigen Krieg 1761 nicht zerstört worden, nur die Domäne wurde verwüstet.

Anfang des 20. Jahrhundert war es der Wirt des Zollhauses, der sich um die Versorgung der Wandergäste auf der Burgruine kümmerte und ein erstes „Café“ ebendort eröffnete samt Wiederfreilegung des Wasserspiegels im seit der Zerstörung verschütteten Burgbrunnen. 1964 übernahm die Familie Zoglowek das Hotel und bewirtschaftete es bis zuletzt.

ArGeBurgruine Scharzfels, Dipl.-Geol. Firouz Vladi, 37520 Osterode am Harz